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"Wir wollten kein Gefälligkeitsgutachten"

Der Anfang ist gemacht: Lenningen geht mit dem Gewäs-serentwicklungsplan eine Generationenaufgabe an. Der Gemeinderat stellte in seiner jüngsten Sitzung die Weichen für das weitere Vorgehen.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Dieser Plan zeigt schonungslos die Fehler auf, die die Gemeinde und einige Grundstückseigentümer begangen haben aber wir haben schließlich auch kein Gefälligkeitsgutachten in Auftrag gegeben", umschrieb Bürgermeister Schlecht den Gewässerentwicklungsplan für Fließgewässer in der Gemeinde Lenningen, den die beiden Planer Joachim König und Manuela Eichendorf in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vorstellten. Dass es sich dabei um eine Generationenaufgabe handelt ist allen klar. Deshalb geht es da-rum, eine Prioritätenliste aufzustellen, um die dringlichsten Missstände beheben zu können. Für derartige Aufgaben sind im Haushalt 500 000 Euro eingestellt. Zudem gibt es je nach Maßnahme einen Zuschuss zwischen 50 und 70 Prozent und das Geleistete kann auf ein Ökokonto gutgeschrieben werden.

Nicht ohne Grund hat das Planungsbüro drei Bachläufe herausgegriffen: Weilbach in Oberlenningen, Weppach in Brucken und Ehnisbach in Unterlenningen. "An dem zackigen Verlauf des Weilbachs ist zu sehen, dass hier massiv in den natürlichen Bachlauf eingegriffen und den Grundstücksgrenzen angepasst wurde", erklärte Manuela Eichendorf. In naturnahem Zustand kommt der Weilbach aus dem Wald und behält seine gute Qualität bis an den Ortsrand. Mit der Bebauung endet dies jedoch schlagartig und spätestens mit der Verdolung endet der ökologische Wert des Gewässers. "Beim Höllloch handelt es sich um eine Karstquelle, das heißt, bei starken Regenfällen auf der Alb springt der Bachlauf schnell an, eine wechselhafte Wasserführung des Weilbachs ist völlig natürlich", so die Planerin, die viel Zeit auf Lenninger Markung verbracht hat. Wenn nach starken Niederschlägen der Bach viel Wasser führt, können direkt am Bach gelagerte Holzstapel mit Folienabdeckung fatale Auswirkungen haben: An Engstellen sammelt sich das Material und verhindert so den ungestörten Abfluss.

Als Ziele für den Weilbach nannte Manuela Eichendorf den Ausbau von naturnahen Gewässerrandstreifen und den Abbau von Lagerplätzen sämtlicher Art. Wo es geht sollte der Bach freigelegt werden, beispielsweise im Industriegebiet. Wo sich eine "unterirdische" Führung nicht vermeiden lässt, sollte ihrer Ansicht nach für eine großzügige Verdolung gesorgt werden.

Noch drastischer stellt sich die Lage der beiden anderen Bachläufe dar. In Brucken kommt die Problematik mit einem alten Auffüllplatz unterhalb des Bühl hinzu. Mitten in der Landschaft ist die Weppach in diesem Bereich verdolt. "Das Wasser kommt bei Hochwasser schnell an und prallt auf die enge Dole. Die Weppach ist nirgends naturnah und direkt an der Quelle befindet sich sogar ein Misthaufen", zeigt Manuela Eichendorf die wenig erfreuliche Situation auf. Um einen Hochwasserschutz für Brucken zu erreichen, sollten die Feldwege angehoben werden, damit sie wie ein Damm wirken und das Wasser zurückhalten. "Es reichen dabei wenige Zentimeter", sagte die Planerin im Hinblick auf die Kosten. Anders sieht es allerdings bei der alten Deponie aus. Sie sollte am besten auch entfernt werden. "Das kann unter Umständen aber recht teuer werden, je nachdem welche Inhaltsstoffe sich darin finden", ist sich die Ingenieurin im Klaren.

Kein einziger guter Abschnitt findet sich beim Ehnisbach. Auch hier orientiert sich der Verlauf an den Grundstücksgrenzen und teilweise reichen die Äcker direkt an das Gewässer heran. An einem scharfen Knick steht beispielsweise ein Holzstapel und sämtliche Gehölze entlang des Baches wurden ausgeräumt, was den Wasserlauf beschleunigt. Für Manuela Eichendorf steht hier der Hochwasserschutz an oberster Stelle. Querende, leicht erhöhte Wege können auch hier das Wasser zurückhalten. Entlang des Bachlaufs schlägt die Planerin naturnahe Gewässerrandstreifen vor, die das Wasser verlangsamen. Wenn möglich, sollten sämtliche Dolen beseitig werden.

"Wir werden viel zu diskutieren haben. Meinungsverschiedenheiten mit den Grundstückseigentümern sind vorprogrammiert", ist sich Michael Schlecht im Klaren. Nichtsdestotrotz will der Gemeinderat diese wichtige und zukunftsweisende Aufgabe angehen und zwar als eine der ersten Gemeinden im Land. "Es geht um die Reduzierung der Hochwassergefahr und bedeutet nicht, dass wir nach der Umsetzung einen hundertprozentigen Hochwasserschutz haben", warnt vor Schultes vor übertriebenen Hoffnungen.

Für den ausführlichen und fundierten Plan gab es von allen Seiten des Gemeinderates ein großes Lob. "Wir halten ein Werk in den Händen, das wir Punkt für Punkt abarbeiten können", sagte Inge Kodera. Von einer guten Grundlage mit Hand und Fuß, die viele Jahre verwendet werden kann, sprach Karl Sigel. "Das ist eine Chance, unsere wertvolle Kulturlandschaft mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken", sagte Georg Zwingmann, der den Plan als äußerst qualifiziert bezeichnete.

Das Planungsbüro stellt am Montag, 21. Februar, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Oberlenninger Rathauses den Gewässerentwicklungsplan öffentlich vor. Dieter Beuttel hofft in diesem Zusammenhang, dass möglichst viele Bürger kommen, damit gemeinsam ein guter Konsens und eine Lösung gefunden werden kann. Die Mitarbeit und Einbeziehung von Anliegern und Landwirten wünscht sich Roland Sailer, da diese unmittelbar von der Planung betroffen sind.

Nach der öffentlichen Präsentation hängt der Plan noch vier Wochen im Rathaus aus. Anregungen werden aufgenommen und dann in der Gemeinderatssitzung am 12. April beraten.