Lokales

"Wir würden gerne im Stadtkern bleiben . . ."

Die alevitische Gemeinde in Kirchheim benötigt Hilfe. Da sie die Miete für ihren Treff am Widerholtplatz nicht mehr bezahlen kann, sucht sie ein neues Domizil möglichst in der Innenstadt oder einen Verein, mit dem sie die Räumlichkeiten und die Miete teilen könnte.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Seit über zehn Jahren gibt es die alevitische Gemeinde in Kirchheim. Dem Verein gehören heute rund 30 türkische Familien in Kirchheim und Umgebung an. Am Widerholtplatz fand die alevitische Gemeinde in den ehemaligen Räumen des Cafe Paris ein Domizil, das sie für Begegnungen und Sprachunterricht einrichtete und auch mit einer kleinen Küche ausstattete. Doch wie Vorsitzender Erol Keskin sagte, hätten Arbeitslosigkeit und Frühpensionierung ältere Vereinsmitglieder dazu gezwungen, ihre Mitgliedschaft zu kündigen. Sie müssen mit 600 bis 700 Euro monatlich auskommen und können den Vereinsbeitrag nicht mehr bezahlen. Zuletzt betrug dieser 20 Euro pro Monat und Familie. Das Geld reicht nicht, um das Haus zu halten. "Wir haben alles, was in unserer Macht steht, versucht, aber die Belastungen sind zu groß, wir mussten kündigen", sagt Erol Keskin. Die Miete kostet einschließlich der Nebenkosten rund 1 200 Euro. Würde sich ein anderer Verein finden, der bereit wäre, mit der alevitischen Gemeinde die Räume zu teilen, so wäre es Erol Keskin zufolge möglich, die Kündigung zurückzunehmen. Gelingt es aber nicht, einen Verein zu finden, der unter dem Dach der Aleviten seine Zelte aufschlagen will, so muss sich Erol Keskin auf die Suche nach einer neuen Bleibe für den alevitischen Kulturverein machen. "Wir würden gerne in der Stadtmitte bleiben. Wir haben nichts zu verbergen", sagt Erol Keskin. Ziel der Aktivitäten sei die Integration in die deutsche Gesellschaft. In dem Haus am Widerholtplatz finden nicht nur Kultur- und Gebetsabende statt, sondern auch Deutsch- und Türkischkurse. Hier werden sowohl Kindergartenkinder als auch Schüler betreut. Darüber hinaus erläutert der Verein seinen Mitgliedern neue deutsche Gesetze und Bestimmungen und engagiert sich im Integrationsausschuss der Stadt.

"Obwohl die Imame behaupten, die Aleviten seien gleichberechtigt, werden die türkischen Moscheen in Deutschland von der türkischen Regierung unterstützt, wir Aleviten aber nicht", bedauert der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde in Kirchheim. Die Existenz der rund 20 Millionen Aleviten in der Türkei wird bis heute offiziell geleugnet. Die liberale Glaubensgemeinschaft mit ihrer laizistischen, sozialen und demokratischen Grundhaltung wird im Gegensatz zu Christen und Juden in der Türkei nicht als religiöse Minderheit anerkannt. In den letzten Jahren habe sich die Situation in ihrem Heimatland etwas gebessert, so Keskin.