Lokales

Wirte öffnen "stille Örtchen" für Passanten

Wohin, wenn's beim Stadtbummel pressiert? In Weilheim lässt sich dieses Problem künftig einfach lösen. Zwei Gastronomen öffnen ihre "stillen Örtchen" auch für Leute, die keine Bestellung aufgegeben haben. Die Aktion "Nette Toilette" läuft in der Limburgstadt nach dem Vorbild anderer Kommunen.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Die Idee ist einfach und dürfte zufriedene Gesichter bei allen Beteiligten hervorrufen: Passanten müssen sich nicht mehr die Hacken ablaufen, wenn sie ein dringendes Bedürfnis haben und sie finden ein sauberes WC vor; die Stadt spart sich Reinigungs- und Sanierungskosten für öffentliche Klohäuschen und die Gastronomen haben die Chance, neue Kunden zu gewinnen.

Selbst wenn durch die Aktion nichts hängen bleiben würde: Die beiden Weilheimer Gastronomen, die bei der Initiative mitmachen, sagten auf die Anfrage von städtischer Seite spontan zu. "Im Prinzip läuft das doch schon bisher so", erklärt die Restaurantleiterin des Cafe am Markt. Wanderer, Ausflügler zu 80 Prozent sind es Auswärtige, die hereinschneien, wenn die Blase drückt oder der Darm Alarm schlägt. Und noch ein wichtiger Kundenkreis fällt der Gastronomin ein: "Ich habe selber Kinder, da erlebt man ein Drama, wenn kein Klo in der Nähe ist." Auch durch den Blick über den Tellerrand hinaus hat sie ein zwangloses Verhältnis zu dem Thema. Dabei verweist sie auf ihre Erfahrung aus einem Restaurant am Potsdamer Platz in Berlin, in dem es gang und gäbe war, dass sich Touristen einen Weg zum "stillen Örtchen" bahnten und anschließend die Sightseeing-Tour fortsetzten. Auch in Günes Kebabhaus an der Weilheimer Brunnenstraße, der früheren Sonne, geht man unverkrampft mit Besuchern um, die nicht zum Essen und Trinken gekommen sind, sondern zielstrebig das WC aufsuchen. "Es wäre doch unmenschlich, die Leute wegzuschicken", meint der Neffe des Besitzers. Für ihn hat das Thema schlicht mit Gastfreundschaft zu tun, die so auch in der Türkei praktiziert werde.

Ordnungsamtsleiter Helmut Burkhardt er hat die Gespräche mit den Gastwirten geführt war ganz angetan von deren Bereitschaft, bei der Aktion einzusteigen. Gezielt hatte er Lokale mit Toiletten in der Nähe des Eingangs ausgesucht, damit die übrigen Gäste möglichst wenig behelligt werden. "Wichtig ist außerdem, dass die Restaurants den ganzen Tag offen haben", so Burkhardt. Freundliche Schilder sollen voraussichtlich ab August auf die "stillen Örtchen" in der Zähringerstadt hinweisen. Die Benutzung ist kostenlos.

In der Region greifen immer mehr Städte die in Aalen initiierte Aktion der "netten Toilette" auf: In Esslingen machen seit dem 1. Juli 15 Lokale mit, in Nürtingen beteiligen sich acht Gastronomen, eine Bäckerei und fünf städtische Einrichtungen. Wie auf Anfrage mitgeteilt wurde, ist auch die Stadt Kirchheim an dem Thema dran.

In Weilheim rannte die Rathaus-Crew bei den Mitgliedern des Verwaltungs- und Bauausschusses in jüngster Sitzung offene Türen ein. Das Gremium sprach sich einstimmig für die "pfiffige Idee", wie Gemeinderat Peter Werner meinte, aus. In monetärer Hinsicht dürfte die Stadt selbst der größte Gewinner der Aktion sein. Denn wenn das Konzept aufgeht, soll die öffentliche Toilette neben der Kreissparkasse in der Bushaltestelle geschlossen werden. Jedes Jahr spülen deren Reinigung und Instandhaltung rund 6000 Euro weg. Der Aufwand für die "nette Toilette" beläuft sich mit 600 Euro gerademal auf ein Zehntel. Als Aufwandsentschädigung fließen an die beiden Gaststättenbetreiber monatlich jeweils 25 Euro.

"Eine gewisse städtische Grundversorgung müssen wir trotzdem vorhalten", betonte Bürgermeister Hermann Bauer. So wird die neue Tiefgarage im Städtle wie geplant mit einer öffentlichen Toilette ausgestattet. Denn auch an Ruhetagen oder während der Betriebsferien der teilnehmenden Gaststätten sollen Passanten im Städtle ein WC auffinden. Und bei Großveranstaltungen wie dem morgigen Städtlesfest, stellt die Stadt selbstverständlich Toilettenwagen auf. Dem zu erwartenden Ansturm der Besucher könnten die "netten Toiletten" wohl doch nicht ganz standhalten.