Lokales

Wirtschafts- FörderungKommentar

Wirtschaftsförderung haben sich alle Fraktionen im Kirchheimer Gemeinderat auf die Fahnen geschrieben. Wenn damit jedoch die Förderung einer einzelnen Wirtschaft gemeint ist, wird‘s heikel.

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Ganz sicher ist es nicht wirklich „gerecht“, dass eine klamme Kommune einem solventen Pächter bei der Neugestaltung seines Biergartens unter die Arme greift, während täglich unterstützenswerte Hinterhofcafés leer ausgehen. Aber das Bemühen um Gerechtigkeit darf nicht in bloße Gleichmacherei ausarten.

Beim Wachthaus geht es um weit mehr als um die Subventionierung eines Biergartens. Zum einen gilt der Satz: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Als der Gemeinderat vor Jahren gegen den Verkauf des schmucken Fachwerkgebäudes stimmte, hat er A gesagt. Jetzt muss die Stadt B sagen und die gute Vermieterin geben, wozu auch Investitionen gehören. Das erfordern vertragliche Festlegungen und gute Sitten. Gerade in der Kirchheimer Innenstadt können die Verantwortlichen angesichts wachsenden Leerstands ein Lied davon singen, was passiert, wenn sich Hausbesitzer ihrer Immobilie nicht mehr verbunden fühlen.

Zum anderen ist das Wachthaus ein Schmuckstück in grandioser Lage mit Sichtbeziehung zum Schloss und zum Alten Haus. Wer Besucher durch Kirchheim führt, wird mit ihnen zweifellos von dort durch die Marktstraße aufs Rathaus zumarschieren. Eine einladende Nutzung mit Restaurant und Biergarten ist daher ein i-Tüpfelchen für die Gastronomie in der Fachwerkstadt. Die Stadtverantwortlichen haben seinerzeit gut da­ran getan, das Gebäude nicht zu verkaufen. Gut möglich, dass sie ihm so das Schicksal erspart haben, einen weiteren Handyladen oder Backshop zu beherbergen.

Jetzt darf der Rat nicht zaudern, die relativ überschaubaren Folgekosten beherzt zu stemmen. Auch wenn in diesem Fall Wirtschaftsförderung bedeutet, konkret eine Wirtschaft zu fördern – langfristig kommt dies der Stadt wieder zugute. Wenn alles bleibt wie‘s ist, ist dies kein Gewinn für Kirchheim. IRENE STRIFLER