Lokales

"Wirtschaftsstandort: Quo Vadis?"

Mit Professor Dr. Peter Kern hatte die Verwaltung im Rahmen ihrer Reihe "Herausforderungen der Stadtentwicklung" einen sehr kompetenten Referenten in die Teckstadt geladen. Im Foyer der Alleenschule befasste er sich mit dem Thema "Wirtschaftsstandort Kirchheim: Quo Vadis?" und stellte sich anschließend den Fragen und Statements des Publikums.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Wie bei den vorangegangenen Veranstaltungen dieser Reihe wurde die übergeordnete Sichtweise des Hauptredners ergänzt durch eine intensivere Betrachtung der Bedingungen und Entwicklungen der Stadt. Wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer Begrüßung erläuterte, soll die Reihe im kommenden Jahr fortgesetzt werden und schließlich in ein strategisches Handlungskonzept für die ganze Stadt münden. Wer sich intensiver mit den Ausführungen der bisher schon im Rahmen dieser Reihe aufgetretenen Referenten informieren will, findet auf der Homepage der Stadt unter www.kirchheim-teck.de unter "Rathaus" und dem Stichwort "Stadtforum" die entsprechenden Materialien.

Ein idealer Gesprächspartner war der geladene Institutsdirektor des Fraunhofer Instituts Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) aus Stuttgart, weil er einerseits schon viel gesehen, andererseits aber ganz speziell auch Kirchheim ganz konkret und intensiv erlebt hat. Als Student nahm er schließlich im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit die Arbeit bei Kolb & Schüle unter die Lupe und befasste sich mit der interessanten Frage, wie möglicherweise der Materialfluss durch Standardisierung beschleunigt werden könnte.

Wie unglaublich schnell sich die Wirtschaft entwickelt, konnte er nach diesem sehr persönlichen Einstieg belegen und sein Publikum mit einem Zitat des amerikanischen Kybernetikers und Futurologen Hermann Kahn für die Erkenntnis sensibilisieren: "Aus der Vergangenheit kann jeder lernen. Heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen." Dass genau das sehr schwierig ist, brauchte er eigentlich genauso wenig zu belegen, wie die Erkenntnis, dass Deutschland bei den Arbeitskosten in der ersten Liga spielt.

Beim Blick auf eine das "Ländle" bei den "Patentanmeldungen je 100 000 Einwohner" auf einen ersten Platz setzenden Grafik über den Ideenspeicher Süden erhellten sich die Mienen genauso, wie bei der ebenfalls belegten Spitzenposition Baden-Württembergs beim Innovationsindex. Wie vielfältig Globalisierung und demografische Entwicklung sich nicht zuletzt auch bis in persönlichste Wohn- und Arbeitsverhältnisse auswirken, konnte er ebenfalls aufzeigen.

Mit einem Blick auf die globalen Trends in der Wissenschaft, die zunehmende Flexibilisierung der Arbeit und des Lebens und auf das Büro der Zukunft beendete er seine Zeitreise, die der von Aristoteles schon formulierten Erkenntnis "Angenehm sind die kurzen Arbeiten" nie widersprach.

Dem anschließend von Wirtschaftsförderer Dr. Stefan Leuninger gewährten Blick auf die bereits im Gemeinderat präsentierten Entwicklungen auf diesem Gebiet und die nun vorgelegte Broschüre (wir berichteten), die im Oktober auf der Expo Real in München die Qualitäten des Standorts Kirchheim überzeugend vermitteln sollen, hatte Planungsamtsleiter Dr. Oediger Gelegenheit, seine Thesen zu entwickeln. Die Bedeutung der Bestandspflege und der Bedarf an neuen gewerblichen Flächen wurde dabei genauso beleuchtet, wie die nicht zu unterschätzende Wichtigkeit älterer Gewerbegebiete, guter Verkehrsanbindungen oder auch von Betrieben in Streulage. Mit dem Angebot privater Gewerbehöfe und dem stadtgeschichtlich wichtigen Erhalt der wenigen erhaltenen baulichen Zeugnisse frühindustrieller Entwicklungen in Kirchheim schloss er seinen Blick über die Stadt ab.

Die verbleibende Zeit wurde dann tatsächlich intensiv genutzt, um ins Gespräch zu kommen, noch offene Fragen zu klären und abweichende Einschätzungen zur Diskussion zu stellen.