Lokales

Wo bleibt der Dialog?

"Ich beobachte vor allem in der Synode, aber auch in vielen Kirchengemeinden eine deutliche Fundamentalisierung und theologischen Rückschritt. Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Offenen Kirche dürfen dieser Herausforderung nicht ausweichen, sonst läuft unsere Kirche in eine ganz schwierige Richtung."

KIRCHHEIM/NÜRTINGEN Mit diesen Worten fasste Cornelia Brox, Synodale der Offenen Kirche aus Lenningen, ihre Eindrücke von der Frühjahrssynode in Nürtingen-Reudern zusammen. Sie machte dies fest am Verlauf der Debatte über den "Islam in Württemberg" und an der Beschlussfassung zur so genannten "Bildungsinitiative für Prävention, Seelsorge und Beratung."

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Bei diesem Vorhaben der evangelischen Synodenmehrheit geht es um ein Konkurrenzunternehmen, eine so genannte Parallelstruktur, zu den psychologischen Beratungsdiensten der kirchlichen Diakonie. Im Gegensatz zur Diakonie, der Psychologischen Beratungsstelle und der kirchlichen Seelsorge arbeitet diese so genannte Bildungsinitiative unter anderem nach dem Grundsatz der "völligen Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen" und "grenzt sich bewusst gegenüber der Psychotherapie als Heilbehandlung ab."

"Menschen in psychischer und persönlicher Not kann auf einer solch fragwürdigen Basis schwerlich geholfen werden. Ihre Nöte werden so eher verschlimmert", betont Cornelia Brox. Streitpunkt in der Synode war, dass diese Initiative ihre Ausbildungsgänge von der Kirche offiziell anerkannt haben möchte, was die Mehrheit auch befürwortete. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Gruppe "Evangelium und Kirche" sich bei ihrem Stimmverhalten ständig an der stärksten Fraktion, der "Lebendigen Gemeinde", orientiere.

Beim Thementag "Islam in Württemberg Miteinander leben" traten die Gegensätze in gleicher Weise zutage. Während der Religionswissenschaftler Professor Dr. Stefan Schreiner den Dialog mit den Muslimen bei gegenseitiger vollständiger Respektierung als Voraussetzung für das Zusammenleben bezeichnete, war das Referat der Gegenseite von Kirchenrat i. R. Hauser in seinem Grundton dem Islam gegenüber polemisch geprägt. Dies hatte zur Folge, dass viele der islamischen Gäste empört die Zuhörertribüne verließen.

Er polemisierte gegen den Islam als gegen die westliche Wertegemeinschaft gerichtete Religion mit dem Ziel der Islamisierung der westlichen Gesellschaft. Wie auf dieser Basis ein Dialog geführt werden soll, bleibt das Geheimnis der Evangelikalen, betonte Cornelia Brox.

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