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Wo die Ragwurz wächst und der gelbe Enzian zuletzt geblüht hat

Die Bergwachtbereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Esslingen, wurde mit dem Naturschutzpreis der Landesbergwacht Württemberg ausgezeichnet: Damit erfolgte die Ehrung für die Dokumentation der Pflanzenvielfalt auf der Alb.

KREIS ESSLINGEN Bereits Ende der 60er-Jahre haben Fritz Wallenwein und Dieter Knöll mit der Erfassung der Standorte von geschützten Pflanzen begonnen zwischenzeitlich sind alle aktiven Mitglieder damit beschäftigt. Die Ergebnisse der Streifzüge durch die Natur werden seit kurzem in elektronischer Form gespeichert ältere Aufzeichnungen werden nachträglich erfasst. So ist eine einzigartige Dokumentation über den Bestand und die Entwicklung der heimischen Flora und Fauna über mehrere Jahrzehnte entstanden.

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Erstellt wurde die Natur-Datenbank von Dieter Knöll. Der Pensionär hat viel Zeit in die elektronische Pflanzenverwaltung und die umfangreiche Kartierung der Naturschönheiten investiert. Zu jeder Pflanze gibt es in dem Programm eine Art elektronische Karteikarte; sie enthält Abbildung und Kurzbeschreibung der Pflanze und gibt Auskunft über den genauen Standort in Form eines Kartenausschnitts. Wo wächst die Ragwurz? Wann hat der gelbe Enzian zum letzten Mal geblüht? Wie häufig kommt die Silberdistel vor? Wie sieht die Blüte der Riemenzunge aus?

Wenn Dieter Knöll den Namen einer Pflanze anklickt, erscheint auf dem Bildschirm alles Wissenswerte. Fast alle Pflanzen, die im Einsatzgebiet der DRK-Bergwacht es reicht von der Teck, über den Tobelfelsen und Wielandstein bis hin zum Randecker Maar und Breitenstein wachsen und gedeihen, sind in der Pflanzenverwaltung erfasst. Insgesamt fast 600 Pflanzen, Gräser, Farne, Sträucher und Bäume umfasst das Programm. Stolz ist man bei der Bergwacht auf die lückenlose Dokumentation. "Wir zeichnen die Daten seit über 40 Jahren auf," erklärt Dieter Knöll.

Neben der Sicherheit und Bergung von Verletzten bei Verkehrsunfällen, neben Erste-Hilfe-Leistungen für Kletterer, Wanderer und Skifahrer gehören der Natur- und Umweltschutz zu den festen Aufgaben der Bergwacht. "Diese Tätigkeit hat für uns einen hohen Stellenwert," betont Bereitschaftsleiter Frank Himmelein. Die Bergwachten sind seinerzeit aus dem Naturschutzdienst entstanden erst später kam die Rettung und Versorgung von Verletzten dazu.

Bevor ein Kamerad seinen Dienst als Naturschutzwart antreten kann, muss er sich einer strengen Prüfung unterziehen: Gesetzesgrundlagen werden dabei genauso abgefragt wie Pflanzenkenntnisse. Insgesamt 20 Mitglieder sind bei der Esslinger Bergwacht im Naturschutz aktiv. Vor allem ältere Mitglieder widmen sich dieser Tätigkeit mit großem Engagement und aus persönlicher Leidenschaft. Das Wissen haben sie sich aus Ausbildungsbüchern und der Prüfungsordnung der Landesbergwacht Württemberg angeeignet; ergänzend kommen immer wieder Recherchen in Büchern und Aufzeichnungen sowie im Internet dazu. Und wenn die Naturschützer mit ihrem Pflanzenlatein am Ende sind, dann wenden sie sich an Botaniker oder Pflanzenkundler.

"Die Vielfalt der Pflanzen und die Schönheit der Blumen begeistert einen immer wieder," meint Knöll. Ausgestattet mit Notizbuch, Kamera und Pflanzenlexikon starten die Kameraden an jedem Sonn- und Feiertag von der "Erwin-Wittmann-Hütte" am Engelhof aus zu ihren Streifzügen durch die Natur. Dabei entfernen sie in ihrem Einsatzgebiet auch Hausrat und Müll, überprüfen die Wanderwege und Feuerstellen. "Das Verständnis für den Naturschutz wächst in der Bevölkerung trotz aller Umweltfrevel," hat Dieter Knöll beobachtet.

Gerne erklären die Beteiligten Wanderern und Spaziergängern die Schönheiten der heimischen Flora und Fauna. Nur das Wissen über manche ganz besondere und seltene Pflanzenexemplare und deren Standorte behalten sie für sich zum Schutz der Natur und aus Eigeninteresse. "Wir wollen uns auch im nächsten Jahr an dem Anblick erfreuen", erklärt Knöll schmunzelnd.

rt