Lokales

Wo ein Alter in Würde von barmherzigen Spenden abhängt

Mit einem erneuten Hilfstransport vor Ostern nach Mediasch in Siebenbürgen will Franz Roth, 71, der viel Zeit, Geld und Herzblut in die Aktion steckt, die Not der Menschen dort etwas lindern. "Es fehlt vor allem an Lebensmitteln und Medikamenten, aber auch an Geld", ruft der Ötlinger zu Spenden auf.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

KIRCHHEIM Noch vor dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union gab es in dem Land am Schwarzen Meer eine Teuerungswelle, die vor allem Geringverdiener mit Kindern sowie alte Menschen mit einer monatlichen Rente von umgerechnet 50 bis 70 Euro an den Rand ihrer Existenz drückte. "Die Preise für Lebensmittel, Strom, Gas und Wasser gingen in die Höhe, für notwendige Medikamente fehlt das Geld ein Zustand, der insbesondere alten und kranken Menschen ein menschenwürdiges Leben unmöglich macht", berichtet Franz Roth aus Ötlingen, der die Verhältnisse in Rumänien und speziell in Siebenbürgen sehr genau kennt und ständig in telefonischem Kontakt mit dem Dekan der evangelischen Kirche in Mediasch, Reinhart Guib, sowie der Leiterin des Alten- und Pflegeheims mit Hospiz "Dr. Carl Wolff" in Hermannstadt, Ortrun Rhein, steht.

Der inzwischen über 70-Jährige mit dem unverkennbaren Dialekt der Siebenbürger Sachsen lebte mit seiner Frau bis 1973 selbst in Mediasch, bevor die Familie nach Deutschland auswanderte. Seit etlichen Jahren organisiert er Hilfstransporte und fährt die Sachspenden persönlich nach Siebenbürgen. 17 bis 18 Stunden sitzt er dann hinterm Steuer eines vollbepackten Transporters. Rund 1 400 Kilometer beträgt die Route von Kirchheim nach Mediasch. Das letzte Mal fuhr Franz Roth sie im November vergangenen Jahres, als ihn der Fahrrad Club Kirchheim mit seinem "Sprinter" unterstützte, damit der Transport überhaupt zustande kam. Allein 2006 war er vier Mal von Ötlingen nach Mediasch unterwegs und brachte dabei rund 5 500 Kilogramm Hilfsgüter zu den notleidenden Menschen in Siebenbürgen.

Die nächste Hilfsfahrt plant er für Ostern, denn der Beitritt Rumäniens in die Europäische Gemeinschaft änderte bislang nichts an der Not der Menschen. Selbst wer Arbeit hat kann vom Lohn kaum leben. Und wer als Rentner in Siebenbürgen auf das Almosen des Staats angewiesen ist, steht vor der fragwürdigen Alternative Medikamente oder Lebensmittel. Deshalb sind vor allem die alten Menschen auf Hilfe angewiesen. Hilfe, wie sie der evangelische Dekan des Kirchenbezirks Mediasch, Reinhart Guib, organisiert. Es gibt ein Altenheim in Hetzeldorf, eine Küche, die täglich rund 105 Portionen "Essen auf Rädern" in Mediasch und 150 in Hermannstadt ausfährt, die Sozialstation "Samaritana", einen Medikamentendienst und eine Jugendwerkstatt. Der Diakonieverein Mediasch setzt die Spenden gezielt ein und kann dadurch vielen alleinstehenden alten Menschen im Kirchenbezirk helfen, nicht nur Deutschstämmigen, sondern auch Ungarn, Rumänen und Roma.

Neben dem Altenheim in Hetzeldorf, das zum Kirchenbezirk Mediasch gehört, steuert Franz Roth auch das Carl-Wolff-Alten-und-Pflegeheim mit Hospiz in Hermannstadt an. Das Heim ist eine Einrichtung des Diakonischen Werkes in Rumänien. Es wurde 1995 aus Mitteln der Bundesrepublik Deutschland zugunsten der deutschen Minderheit in Siebenbürgen gebaut. Auch das Sozialwerk der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen trägt regelmäßig mit Spenden für Medikamente und medizinischen Hilfen bei. Seit kurzem gehört ein Hospiz zum Heim: Sterbenden und ihren Familien soll hier ein Abschied in Würde ermöglicht werden. Die Einrichtung hat Modellcharakter für das Land, ist sie doch eine von nur drei Hospizen in ganz Rumänien.

Im Carl-Wolff-Heim leben 106 Personen, wobei es eine lange Warteliste gibt. Wie Franz Roth von der Heimleiterin Ortrun Rhein weiß, ist es für viele Rentner schwierig, den Alltag alleine zu meistern, besonders aber für Familien mit Alzheimer und Demenzkranken. Oft werden Menschen mit dieser Krankheit in die Psychiatrie abgeschoben. Die Menschen sind deshalb besonders dankbar, im Carl-Wolff-Heim aufgenommen zu werden. Sowohl Heimleiterin Ortrun Rhein als auch Dekan Reinhart Guib wiederum freuen sich über die Unterstützung aus dem Schwabenlande, zeigt es ihnen doch, dass sie auch im hintersten Winkel Europas nicht vergessen wurden.

Dafür sorgt vor allem der Ötlinger Franz Roth. "Benötigt werden im Kirchenbezirk Mediasch und im Altersheim Hermannstadt vor allem Lebensmittel, also Mehl, Zucker, Öl, Reis, Teigwaren, Margarine sowie Medikamente und Geldspenden", bittet der Ötlinger um Spenden. Monetäre Hilfe kann an die Kirchenpflege Kirchheim/Teck, KSK Esslingen, BLZ 611 500 20, Kontonummer 48 30 06 45, mit dem Vermerk "Frühjahrshilfe" überwiesen werden. Die Evangelische Kirchengemeinde Ötlingen und die der Martinskirche unterstützen die Hilfsaktion tatkräftig. So können Spenden nicht nur bei Franz Roth in Ötlingen, Ob den Bachäckern 3, Telefon 0 70 21/4 13 59, abgegeben werden, sondern auch bei Pfarrer Keller in Ötlingen.