Lokales

„Wo ich helfen kann, helfe ich“

Aus der Arbeit der Frauengeschichtswerkstatt: Hannelore Bodamer, 1975 – 2004 CDU-Stadträtin

Kirchheim. 29 Jahre bekleidete Hannelore Bodamer als Vertreterin der CDU-Fraktion das Amt der Stadträtin mit Augenmaß und konstruktiven Vorschlägen sowie einem sicheren Gespür für die Aufgaben gegenüber dem Gemeinwesen. Erstmals

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wurde sie am 4. Juni 1975 für den Gemeinderat verpflichtet. Insgesamt sechs Mal wählten die Bürgerinnen und Bürger die engagierte Politikerin, bei den Gemeinderatswahlen 1975, 1980, 1984, 1989, 1994 und 1999. Mit drei Oberbürgermeistern rang sie um das Wohl der Stadt, zunächst mit Werner Hauser, ab 1988 mit Peter Jakob und ab 2004 mit Angelika Matt-Heidecker.

In diese Zeit fielen auch zwei Bürgerentscheide, vier Wahlen von Bürgermeistern und die zwei Wahlen der Oberbürgermeister. Am 22.September 2004 verabschiedete Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die in zahlreichen weiteren Ehrenämtern tätige Stadträtin aus dem Gemeinderat.

Hannelore Bodamer, geborene Arnold, wurde am 31. Oktober 1930 in Magdeburg geboren und kam durch Flucht und Vertreibung 1945 nach Kirchheim. 1954 heiratete sie Erhard Bodamer. Ihr Sohn Peter wurde 1957 geboren, ihr zweiter Sohn Klaus 1960. Hannelore Bodamer arbeitete als Verwaltungsangestellte und zuletzt als Filialleiterin eines Einzelhandelsgeschäftes.

Hannelore Bodamer hat auf ihre Art die Entwicklung der Stadt mitgestaltet und sich gerne eingemischt. Die erste Wortmeldung in ihrem neuen Amt als Gemeinderätin machte sie anlässlich der auch damals schon aktuellen Elternbeiträge für die Kindergärten. Beantragt war von der Verwaltung eine Monatsgebühr für das erste Kind von 40 DM und für das zweite Kind von 20 DM. Sie vertrat die Meinung, dass dieser Vorschlag zu hoch sei und auf 35 und 15 DM zurückgefahren werden müsse.

Kernstück ihrer Arbeit im Gemeinderat, so Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker bei der Verabschiedung, war die Aufstellung der verschiedenen Teilsozialpläne gewesen, bei deren Aufstellung sie sich spürbar eingebracht habe, und die deswegen auch ihre Handschrift tragen. Ihr soziales Engagement war praktischer Einsatz einer Politik vor Ort, die sich in einer Vielzahl von Betätigungsfeldern zeigte. Die Stadträtin war im Schul-, Sport- und Kulturausschuss, im Sozialausschuss, im Kindergartenausschuss, aber auch im Finanz- und Verwaltungsausschuss vertreten und hat hier bei der Entscheidungsfindung mitgewirkt. Seit 1979 war sie Mitglied des Kreistages des Landkreises Esslingen für die CDU-Fraktion, hier war sie Mitglied im Krankenhausausschuss. Sie war Mitglied und seit 1980 im Vorstand des Vereins Lebenshilfe Kirchheim. Maßgeblich hat sie sich für die Belange und Baumaßnahmen des Vereins eingesetzt.

Hannelore Bodamer stand älteren Mitbürgern als Ansprechpartnerin bei Problemen jeglicher Art zur Verfügung und gab Anregungen und Hilferufe an die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung und an andere Behörden weiter. Sie hatte stets einen treffsicheren Spürsinn, wo Not am Mann war und drängte konsequent auf Abstellung von Mängeln. Sie rief 1980 einen Seniorentanzkreis ins Leben, den sie leitete und mit Seniorennachmittagen ergänzte. Sie arbeitete auch bei der „Kleinen Akademie“ der Familienbildungsstätte Kirchheim im Vorstand mit. Sie nahm sich nicht nur alkohol- und drogengefährdeter Jugendlicher an, sondern stand auch für Hilferufe Selbstmordgefährdeter praktisch rund um die Uhr bereit. Einzelnen half sie im persönlichen Gespräch, aber auch bei Behördengängen. Der Polizeivollzugsdienst wie auch die Ärzte des Kreiskrankenhauses zogen sie als Vertrauensperson von Betroffenen hinzu.

Vom Landesverband der CDU Baden-Württemberg wurde sie zur Behindertenbeauftragten für den Landkreis bestimmt. Zudem fungierte sie als Vorstandsmitglied im Kreis- und Bezirksausschuss „Gesundheitspolitik“ der CDU. In Zusammenarbeit mit dem DRK führte sie alljährlich den Kinderfasching durch. Ferner war sie beim Amtsgericht als Schöffin sowie beim Verwaltungsgericht Stuttgart als ehrenamtliche Richterin tätig.

Ihre Hilfsbereitschaft umfasste eine beachtliche Bandbreite. Sie setzte sich mit Wort, Herz und Tat für Hilfesuchende in der Stadt ein. Für dieses außergewöhnliche Engagement erhielt sie, anlässlich ihres 65. Geburtstages, am 2. November 1995, das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepub­lik Deutschland.

Mit zahlreichen Briefen und Leserbriefen im Teckboten tat sie klar ihre Meinung zu verschiedenen politischen Belangen öffentlich kund. So etwa zur Brunnengestaltung auf dem Postplatz: „Ich finde Herrn Buchers neuen, inzwischen schon dritten Vorschlag, …, nicht mehr diskutabel und für die Bevölkerung unzumutbar.“ Ihre eigene Meinung hatte sie auch zu der Plastik ‚Bewegtes Gefüge’ von Reinhard Scherer vor dem Krankenhaus. Sie fand, dass diese am falschen Platz stehe, da sie „deprimierend, nüchtern, kalt, abweisend, ohne menschliche Wärme und Hoffnung“ sei.

In einem Leserbrief und einem Schreiben gleichen Inhalts an den Oberbürgermeister setzte sie sich anlässlich der Bebauung des Krautmarktes dafür ein, dass das Ötlinger Tor und Teile der Stadt- und Zwingermauer neu aufgebaut, und dass die ehemalige bauliche Situation durch Bepflasterung dargestellt werden. Hannelore Bodamer mischte sich öffentlich ein, um den Hilfsbedürftigen und Problembeladenen eine Stimme zu geben und hat damit vielen vieles möglich gemacht.

In einem Brief an den damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth sah sie ihre soziale Rolle so: „Als Stadträtin bin ich so allmählich in die ehrenamtliche Sozialarbeit allgemein und besonders im Sektor Alkohol und Drogen reingeraten.“

Ihrer eigenen Partei stand sie durchaus kritisch gegenüber. „Was für Menschen sind CDU‘ler? Es soll doch eine aufrichtige, lebendige, glaubwürdige, aufgeschlossene konservative Partei der Mitte, die für alle Bevölkerungsschichten da ist, sein, und so sollen auch die Menschen, die CDU‘ler, sein.“

Ihre Motivation für das ausgeprägte soziale Engagement machte die inzwischen schwer kranke ehemalige Stadträtin in einem Interview deutlich: „Wo ich helfen kann, helfe ich. Die Kraft dazu bekomme ich aus meinem christlichen Glauben, der hilft mir und tut mir gut.“