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Wo ist das Kräutersalz? Hektische ...

Wo ist das Kräutersalz? Hektische Betriebsamkeit herrscht in der Küche des evangelischen Gemeindehauses in Bissingen. Der große Zeiger der Uhr rückt immer näher an die Ziffer zwölf. Doris Barner und Suse Schiele verzaubern die

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RICHARD UMSTADT

Windbeutel in lachende Osterhasen, während Heidrun Siegler, Rita Neumann und Eva Schott den Salat in der großen Plastikschüssel mischen. "Ist der Fisch im Ofen gar?" Gerda Pöllinger und Rita Neumann sehen nach dem Rechten.

Inzwischen haben über 30 ältere Damen und Herrn aus Bissingen und Ochsenwang an den liebevoll dekorierten fünf Tischgruppen Platz genommen. Leuchtend gelbe Narzissenblüten und Tulpen blicken von der Tischmitte auf brennende Kerzen in Eierform herab und kleine Schokoeier verstecken sich hinter gelben Federchen. Auf dem weißen Flügel in der Ecke bewacht ein fröhlich dreinblickender Stoffosterhase mit langen Ohren die Ostergeschenke für die Teilnehmer des Mittagstisches. Zu Weihnachten und Ostern bastelt nämlich das Küchenteam für jeden Gast ein kleines Präsent. "Zur Erinnerung an das Osteressen und als Dank für die fünfjährige Treue", wie Heidrun Siegler sagt. Denn vor fünf Jahren, am 26. April 2001, gab es im evangelischen Gemeindehaus der Seegemeinde den ersten Mittagstisch für ältere Menschen. Probeweise. Damals fanden sich Frauen unter der Leitung von Maria Rieger und Heidrun Siegler im Rahmen der Lokalen Agenda zusammen, um älteren Bissinger und Ochsenwanger Bürgern ein schmackhaftes, abwechslungsreiches und preiswertes Mittagessen anzubieten. Die Trägerschaft übernahm die Gemeinde Bissingen.

Es wurde ein voller Erfolg.

Inzwischen geht der Mittagstisch ins sechste Jahr und wird von den Herrschaften ab 70 Jahren immer noch gerne angenommen. 13 Frauen aus der See- und der Eduard-Mörike-Gemeinde kochen zwei Mal im Monat für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Senioren müssen nicht selbst am Herd stehen, kommen aus ihren vier Wänden "ondert Leit", und können während des Essens Neuigkeiten austauschen.

Diesmal sitzen beim letzten Mittagstisch vor Ostern 31 Männer und Frauen vor ihren Tellern und lassen sich nach dem von Ute Kärcher vorgetragenen Tischgebet den gemischten Salat und den leckeren überbackenen Fisch mit Bratkartoffeln und Soße munden. "Wer keinen Fisch mag, kann auch Kalbfleisch bekommen", erklärt Heidrun Siegler. Doch die meisten mögen Fisch.

Zum Nachtisch servieren die Frauen in den weißen Kittelschürzen vom Küchenteam für die älteren Herrschaften Tee oder Kaffee. Dazu gibt es die lachenden Windbeutel-Osterhasen. "Die Ohren und die Barthaare bitte nicht essen, die sind aus Papier beziehungsweise Spaghetti", warnt Ute Kärcher schmunzelnd. An den Tischen wird die österliche Kreation bewundert. "Das ist ja noch schöner als im Cafe Sacher!"

Während des Mittagstisches entwickelt sich zwischen den Männer und Frauen eine angeregte Unterhaltung über die aktuelle Tagespolitik, aber auch über "alte Zeiten", als die Postkutsche noch von Dorf zu Dorf holperte und der betrunkene Kutscher seinem Pferd die Zügel überließ: "Dees fendet alloi hoim", soll er gesagt haben.

Ute Kärcher erfreut ihre Gäste im Gemeindehaussaal mit ihren gereimten "Sacha zom Lacha", und dann präsentiert Heidrun Siegler noch eine kleine Überraschung: Weiße Stoffservietten mit liebevoll darauf applizierten bunten Stoffhasen, zusammengebunden zu einem Nestchen für die Schokoladeneier. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer des Mittagstisches darf den von den Frauen selbst genähten Ostergruß mit nach Hause nehmen. "Wer hätt au dees denkt vor fuffzig Johr", sinniert ein älterer Herr.

Der Abschied von den Bekannten und Nachbarn fällt ebenso herzlich aus wie von den rührigen Frauen des Kochteams. Alle freuen sich schon auf den nächsten Mittagstisch im Gemeindehaus am 27. April. Dann werden die 13 Frauen in der Küche das 100. Essen und damit das Jubiläumsessen zubereiten.

Das Kochteam, zu dem auch Gaby Lempp, Annette Hammann, Inge Muth, Magda Schaufler, Marita Kaczmarek und Dragica Jovanovic gehören, wechselt sich in der Küchenarbeit ab. Normalerweise bereiten jeweils sechs Frauen die Essen vor. Die meisten sind bereits seit 2001 dabei und freuen sich über die positive Resonanz in der Bevölkerung. Übrigens, auch das "starke Geschlecht" hilft mit: Beim Auf- und Abbau der Tische und Stühle im Gemeindehaussaal.