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Wo Schulnoten online abrufbar sind und Jugendliche mit 14 Auto fahren

Fünf Monate USA: Dieser Traum ist für die 17-jährige Katharina Schmauder aus Unterlenningen wahr geworden. Seit Januar lebt sie bei einer Austauschfamilie in Plainview, Nebraska, und besucht die High-School im Ort. Im Jugendmagazin des Teckboten berichtet die Schülerin des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums künftig immer wieder von ihren Erfahrungen in Amerika.

KATHARINA SCHMAUDER

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LENNINGEN/PLAINVIEW Vor knapp vier Jahren habe ich von der Möglichkeit erfahren, ein Schuljahr in den USA zu verbringen. Ich war sofort begeistert, da ich schon immer nach Amerika wollte, um das Land kennen zu lernen, in dem ich als Baby für ein Jahr gelebt hatte und an das ich mich nicht mehr erinnern konnte. Nachdem ich an einem dreiwöchigen Schüleraustausch teilgenommen hatte, war ich zunächst nicht allzu begeistert von den USA, habe mich aber trotzdem für einen einjährigen Aufenthalt dort beworben, in der Hoffnung, einen falschen ersten Eindruck bekommen zu haben.

Nach der zweiten Bewerbung hatte ich zwar noch immer keinen Platz für ein Jahr, aber ein Angebot für einen fünfmonatigen Austausch. Das war vor einem Jahr. Vier Wochen vor dem Abflug erhielt ich dann die Anschrift meiner Gastfamilie. Bis zum Abflug schrieben mir meine Gastmutter und meine Gastschwester regelmäßig E-Mails. Außerdem telefonierten wir einige Male.

Am 5. Januar ging es dann los. Ich war total aufgeregt. Die Reise dauerte insgesamt 27 Stunden. Und als ich dann endlich bei meiner Gastfamilie ankam, war ich viel zu müde, um noch aufgeregt zu sein. Meine Gastfamilie besteht aus meinem Gastvater Jon, meiner Gastmutter Julie, und meinen Gastgeschwistern Ben, Sarah und Anna. Jon ist Pastor, Julie arbeitet Teilzeit als Krankenschwester, Ben besucht ein College in Kalifornien, die 17-jährige Sarah und die 15-jährige Anna gehen zur High-School. Alle sind sehr nett und ich verstehe mich super mit ihnen.

Im Nordosten NebraskasDer Ort in dem wir wohnen heißt Plainview, liegt im Nordosten Nebraskas, hat 1300 Einwohner, ein paar kleine Läden, einen Kindergarten, eine Grundschule sowie eine Junior High-School mit siebten und achten Klassen sowie eine High-School, die die Klassenstufen neun bis zwölf umfasst. Außerdem gibt es eine evangelische Privatschule und sechs Kirchen. Mit dem Auto dauert es etwa 30 Minuten bis in den nächsten Ort und 45 Minuten bis in die nächste größere Stadt, Norfolk, die 30 000 Einwohner hat.

Viele Familien leben auf Farmen mehrere Meilen außerhalb des Ortes. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Wer außerhalb wohnt, wird vom Schulbus zu Hause abgeholt oder fährt mit dem Auto. Wenn man auf einer Farm wohnt kann man schon mit 14 eine Fahrerlaubnis bekommen die so genannte "school permit", mit der man zur Schule und zurück fahren darf. Den "richtigen" Führerschein kann man ab 16 bekommen. Die Landschaft hier ist sehr flach und so weit man sehen kann gibt es nur Felder, Felder, Felder und ab und zu eine Farm. Viele Straßen außerhalb des Ortes sind nicht geteert, da sie oft nur zu einer einzigen Farm führen.

Es gibt viele Unterschiede zwischen dem Leben in den USA und dem Leben in Deutschland. Einer der größten für Jugendliche liegt vermutlich im Schulsystem. Ich besuche die High-School hier im Ort und werde genauso behandelt wie die amerikanischen Schüler. So kann ich das Schulleben tatsächlich hautnah miterleben. Der Unterricht beginnt um 8.15 Uhr und endet um 15.25 Uhr. Man hat vier "periods" (Schulstunden), die jeweils 95 Minuten dauern. Zwischen der zweiten und dritten Period haben wir 35 Minuten Mittagspause. Die Schüler haben jeden Tag die gleichen Fächer in der gleichen Reihenfolge. Es gibt einige Pflichtfächer, aber auch viele Wahlfächer. Es ist zum Beispiel möglich, Kochen, Gewichtheben, Chor oder Band zu wählen.

Für die Schüler gibt es je nach Jahrgangsstufe verschiedene Bezeichnungen. Neuntklässler werden "Freshmen" genannt, Zehntklässler sind die "Sophmores", als "Juniors" werden Schüler der Jahrgangsstufe 11 und als "Seniors" Schüler der 12. Klasse bezeichnet. Feste Klassen gibt es nicht. Man ist in jedem Fach mit anderen Schülern zusammen. In meinen Fächern sind es zwischen zehn und 40 Schüler pro Fach. Manchmal sind Schüler verschiedener Klassenstufen zusammen.

Ich musste von meiner Austauschorganisation aus Amerikanische Geschichte und einen Englischkurs belegen. Mein Schulalltag sieht folgendermaßen aus: In der ersten Stunde habe ich "American History", anschließend 45 Minuten "Hausaufgabenstunde", dann 45 Minuten Chor und danach Mittagspause. So gut wie alle Schüler essen in der Schule. Das Essen ist erstaunlich gut. Es gibt ein Hauptgericht, Salat, Nachtisch, Obst und als Getränk Milch. Wasser gibt es an Trinkautomaten in der Schule.

Mein nächstes Fach ist Biologie und in der letzten Stunde habe ich Englisch. Zwischen den Stunden rennt man immer zum Schließfach, um die Bücher fürs nächste Fach zu holen. Pausen zwischen den Fächern gibt es nicht. Einen Rucksack oder eine Tasche darf man nicht mit sich herumtragen, weil darin eine Waffe versteckt sein könnte.

Am Anfang dachte ich, die 95-Minuten-Stunden würden unerträglich lang werden, aber es hat sich herausgestellt, dass es nur halb so schlimm ist. Der Unterricht ist meistens recht abwechslungsreich. Oft bekommen wir die zweite Hälfte der Stunde praktisch frei, um Hausaufgaben zu machen. Der Unterricht unterscheidet sich hauptsächlich darin vom deutschen Unterricht, dass der Lehrer wenig redet und stattdessen Arbeitsblätter austeilt, die jeder für sich bearbeitet. Sehr beliebt bei Lehrern sind auch das Basteln von Postern oder die Suche von Informationen im Internet. Jeder Lehrer hat sein eigenes festes Klassenzimmer und seinen eigenen Laptop. Außerdem gibt es fast in jedem Klassenzimmer mehrere Computer oder Laptops für Schüler. Außerdem sind zahlreiche Computerräume vorhanden.

Jeden Tag Tests und ArbeitenWir schreiben fast jeden Tag mehrere Tests und Arbeiten. Die meisten Arbeitsblätter, Aufschriebe und Hausaufgaben werden eingesammelt. Auf Arbeiten bereitet sich hier praktisch niemand vor. Oft darf man Arbeitsblätter oder sogar das Buch zu Hilfe nehmen. Ansonsten werden die meisten Arbeiten per "multiple choice" bearbeitet, das heißt, es sind vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben und die Schüler müssen richtige ankreuzen. Oftmals bekommt man auch Lückentexte. Noten werden in Prozent angegeben. Wer weniger als 70 Prozent hat, hat nicht bestanden. Wer in einem Kurs oder Fach durchfällt, muss nur diesen Kurs wiederholen, nicht das ganze Jahr.

Schulnoten können von Schülern und Eltern online abgerufen werden. Zwei Mal pro Semester wird ein Zeugnis an die Eltern geschickt. Wenn Schüler im Schulsport engagiert sind (gerade in der Leichtathletiksaison), haben sie jeden Tag nach der Schule noch ein bis zwei Stunden Training und unter der Woche oder am Wochenende Wettkämpfe. Zwischen den Weihnachtsferien und den Sommerferien, die schon Mitte Mai anfangen, gibt es hier keine Ferien. Allerdings hatten wir schon drei "Snow Days", das heißt schulfrei wegen Schnee.

Innerhalb des Ortes sind die Straßen zwar größtenteils geräumt, aber für die Schüler, die außerhalb auf Farmen wohnen, ist es schwierig zur Schule zu kommen. Daher fällt der Unterricht ab etwa fünf Zentimetern Schnee aus. Dass man einen Snow Day hat, erfährt man entweder übers Radio oder übers Internet.