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Wohin bloß mit dem Geld zum Anlegen?

Wer kein Geld hat, hat ein Problem. Wer welches hat und es gewinnbringend anlegen möchte, derzeit auch: Die Aktienmärkte dümpeln dahin, festverzinsliche Wertpapiere liefern nur bescheidene Erträge. Woran dies liegt und wie man als Anleger damit umgeht, darum ging es beim "Finanz Forum" in der Kreissparkasse Kirchheim.

PETER DIETRICH

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KIRCHHEIM Zu Beginn bot Peter Merk, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, den zahlreichen Zuhörern eine umfassende Analyse der volkswirtschaftlichen Lage: Während US-Präsident Clinton noch Schulden tilgte, nimmt sein Nachfolger Bush ständig neue Kredite auf. Die amerikanische Wirtschaft wächst, das Leistungsbilanzdefizit erreicht Rekordhöhen, und gegenüber dem Euro verliert der Dollar ständig an Boden. Die Folge dieser Entwicklungen müssten eigentlich hohe US-Zinsen sein. Diese blieben jedoch niedrig, und dass ausländische Anleger trotzdem fleißig in Dollars investieren, nannte Merk eine rätselhafte "Belohnung der Sünder". Ein Grund liege im Verhalten zahlreicher asiatischer Länder: Sie seien aus politischen Gründen nicht an einer Dollarabwertung interessiert und kaufen ihn deshalb in starkem Maße auf von Dezember 2002 bis August 2004 stiegen die asiatischen Devisenreserven in US-Dollar um rund 740 Milliarden.

Da die Renditen in Europa weitgehend denen des US-Marktes folgen, führe dies auch bei uns zu niedrigen Zinsen. Die jüngsten Erhöhungen der Notenbankzinsen hätten daran bisher nichts geändert, entgegen allen Erfahrungen in der Vergangenheit. Auch auf dem Aktienmarkt sieht es für Anleger bislang nicht viel besser aus, trotz einer laut Merk "extrem florierenden Weltwirtschaft" mit einem für 2004 erwarteten Rekordwachstum von etwa vier Prozent, so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr, verbunden mit noch geringen Inflationsgefahren.

Über steigende Auslandsaufträge profitiere Deutschland in starkem Maße von der guten Weltkonjunktur. Trotzdem seien der private Konsum und die Investitionen im Keller, letzteres sei die eigentliche Enttäuschung. "Der Ölpreis tut zwar weh, wird aber die Konjunktur nicht abwürgen", hält Merk derartige Ängste für unberechtigt. Inflationsbereinigt sei der Ölpreis keinesfalls auf Rekordniveau, das Angebot sei größer als der Verbrauch. Das Ziel der Amerikaner, ihre strategischen Ölreserven aufzustocken, sei nun beinahe erreicht, dies könne eine Entlastung bringen. Eine weitere Beobachtung: Folgen die Aktienkurse normalerweise den Gewinnerwartungen der Unternehmen, sei dies momentan nicht der Fall. Betrachte man das Kurs-Gewinn-Verhältnis, seien Aktien in Deutschland so billig wie seit dem März 2003 nicht mehr. Trotzdem: Auf Grund vergangener Verluste hätten "die Leute Muffe, keiner will Aktien haben." Diese Risikoabneigung gelte für private wie für institutionelle Anleger. Beide sollten jedoch bedenken, schloss Merk: "Aus fundamentaler Sicht sind Anleihen zu teuer, also die Renditen zu niedrig, und Aktien zu billig.

Um Konsequenzen für Anleger ging es in der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Siegfried Bauer, Ressortleiter Wirtschaftsredaktion bei der Südwestpresse. Dass die Unternehmen auf der Kostenseite ihre Hausaufgaben gemacht hätten, zeigt sich für Franz Scholz, den Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse, im gestiegenen Interesse ausländischer Konzerne.

Für Jörg Attinger, Leiter des Vermögensmanagement der Kreissparkasse in Kirchheim, ist es entscheidend, dass die Anleger ihr Vertrauen in die Unternehmen wieder finden. Langfristig sei bei Aktien eine Rendite von acht bis zehn Prozent zu erwarten mit Höhen und Tiefen zwischendurch.

Wohin nun mit 50 000 Euro? "Wer darauf eine spontane Antwort gibt, macht einen Fehler, zuerst muss man sich auf die Kundensituation einstellen", betonte Scholz. Bestehe beim Kunden die Bereitschaft zum Risiko, dürften Kurse auch einmal sinken? Auch risikoscheuen Anlegern riet Merk indes zu einer Beimischung von zehn Prozent Aktien. Da sich Aktien und Rentenwerte gegenläufig verhielten, sei das Risiko somit geringer als bei 100 Prozent Renten. Erst bei 20 oder 30 Prozent in Aktien steige es, da diese siebenfach so stark schwankten. Den Aktienindex zu schlagen, sei übrigens verdammt schwer.

Neben Renten und Aktien, letztere als Fonds, Indexzertifikat oder eigene Mischung aus mindestens zehn Titeln, bieten sich noch Gold, Fremdwährungen oder Immobilien. Mit "null Verzinsung und hohen Transaktionskosten" ist Gold jedoch für Merk "keine ernsthafte Alternative", auch wenn sein Preis noch etwas steigen könnte allerdings in sinkendem Dollar. Auch Fremdwährungen böten mit niedrigen Zinsen in der Schweiz und in Japan, einem wenig attraktiven Englischen Pfund und einem abgegrasten osteuropäischen Markt keine Perspektiven. Allenfalls über eine Euroanlage in der Türkei könne man diskutieren.

Hartnäckig versuchte Siegfried Bauer, den drei Diskussionsteilnehmen persönliche Ratschläge zu entlocken. Doch diese verhalten sich mehrheitlich atypisch: Wird normalerweise von einer Überbetonung von Immobilien abgeraten, baut Scholz gerade an einem Einfamilienhaus, und Attinger plant zurzeit eine Immobilie. Nur Merk bekennt sich zu "75 Prozent Renten und 25 Prozent Aktien". Bei letzteren rät er zum verstärkten Blick auf die Dividende: Aus ihr komme immerhin die Hälfte des Aktienertrags.