Lokales

Wohin führt die Reise?

Viele Organisationen bemühen sich, den Landkreis für Touristen attraktiv zu machen

Wie lockt man Touristen in den Landkreis Esslingen? Dieser Frage widmen sich von der Alb bis nach Esslingen viele Gruppierungen und Vereine. Manche bemängeln, dass es möglicherweise zu viele sind.

Antje Dörr

Kreis Esslingen. Im Landkreis Esslingen lässt sich herrlich Urlaub machen. Die Streuobstwiesen und der Albtrauf laden zum Radeln und Wandern ein, in kleinen Hofläden kann man einheimische Produkte kaufen und wer mit Kindern unterwegs ist, findet garantiert immer ein paar Kälbchen, die sich streicheln lassen. Die Einheimischen wissen das, die Stuttgarter wissen es vielleicht auch noch. Wer von weiter weg kommt, weiß es leider nicht.

Wenn ein Tourist bei Google „Urlaub“ und „Schwäbische Alb“ eingibt, landet er ganz sicher nicht im Landkreis Esslingen. Internetseiten von Ausflugszielen wie dem Freilichtmuseum Beuren oder dem Naturschutzzentrum Schopflocher Alb tauchen auch nach über 100 Treffern noch nicht auf, geschweige denn die Online-Seiten attraktiver Städte wie Kirchheim oder Esslingen. Auch auf der Seite des Schwäbische Alb Tourismusverbands, die bei Google gleich an erster Stelle steht, erfährt man kaum etwas darüber, wie gut es sich im Landkreis Rad fahren, wandern, essen oder einkaufen lässt.

„Dass das nicht optimal läuft, ist kein Geheimnis“, sagt Peter Keck, der Sprecher des Esslinger Landratsamts. Für die überregionale Vermarktung sei allerdings nicht die Tourismusförderung des Landkreises zuständig, sondern der Schwäbische Alb Tourismusverband und die Regio Stuttgart Marketing und Tourismus Gesellschaft. Aufgabe des Landkreises sei es lediglich, Angebote zu bündeln und den Vermarktern anzubieten. Beide Dachorganisationen arbeiteten jedoch daran, ihre Internetauftritte zu verbessern.

Für den Landkreis Esslingen ist es überaus wichtig, von außen wahrgenommen zu werden. Denn der Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Laut Landratsamt wurden 2008 über eine Million Übernachtungen gezählt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr bedeutete das eine Steigerung um fast 18 Prozent. Hauptgrund dafür ist die Messe Stuttgart. Aber auch die Ausweisung von Teilen der Schwäbischen Alb als Biosphärengebiet zieht Besucher über die Grenzen der Region hinaus an.

Ihnen etwas zu bieten, ist das Ziel vieler verschiedener Organisationen. Zunächst einmal betreiben Kommunen wie Kirchheim oder Weilheim selbst Stadtmarketing. Dann gibt es Gruppierungen wie die Schwäbische Landpartie, den Verkehrsverein Teck-Neuffen oder den Verein Schmeck-die-Teck. Über all dem stehen die regionalen Organisationen Schwäbische Alb Tourismusverband und die Regio Stuttgart Marketing und Tourismus Gesellschaft. Und dazwischen versucht sich die Tourismusförderung des Landkreises seit 2008 als selbst ernanntes Scharnier.

Ob zu viele Köche nicht möglicherweise den Brei verderben, darüber wird unter Kreisräten seit einiger Zeit nachgedacht. Bei einer Klausursitzung des Kreistags, die kürzlich in Deizisau stattfand, diskutierten die Räte darüber, wie es mit der Tourismusförderung im Landkreis weitergehen soll. Die Debatte im Ausschuss für Technik und Umwelt könnte spannend werden. Denn eine Forderung wird lauten, dass sich der Landkreis nach nur zwei Jahren aus der Tourismusförderung zurückzieht.

Peter Keck ist mit der Arbeit der Tourismusförderung des Landkreises zufrieden. Aufgabe dieser Stelle sei es ja zunächst einmal, die Vielfalt der verschiedenen Angebote zu beleuchten und diese dann zu vernetzen. „Es ist gelungen, Strukturen aufzubauen, die Vernetzung ermöglichen“, sagt der Sprecher. Die nächste große Herausforderung sei es jetzt, touristischen Nutzen aus dem Biosphärengebiet zu ziehen. Das Besucherlenkungskonzept werde ab sofort umgesetzt, eine Obststraße sei ebenfalls in Planung. Außerdem will der Kreis regionale Produzenten besser mit der Gastronomie vernetzen und Gastwirte zu Biosphärenwirten weiterbilden. Dass es zu wenig Gastronomen gibt, glaubt Peter Keck nicht. „Wir müssen die vorhandene Gastronomie für die Biosphäre begeistern.“

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