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"Wohin soll man Deutsche ausweisen?"

Das Thema Verschärfung des Jugendstrafrechts lässt die Wellen hoch schlagen. "Als nicht gerade integrationsfördernd" bezeichnen Erol Keskin und Erdogan Budak von "Gemeinsam aktiv besser integriert" (Gabi) in Kirchheim die aktuelle Diskussion.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Keskin und Budak sind Mitglieder des Integrationsausschusses der Teckstadt und wundern sich über das Verhalten so mancher Politiker in deutschen Landen. "Die sollten eigentlich Vorbilder sein." Stattdessen geben sie Immigranten das Gefühl, nicht hierher zu gehören.

Die beiden erinnern daran, dass es seit 1978 in Deutschland nicht gelungen ist, die Integration wirklich voranzubringen. Sowohl Erol Keskin als auch Erdogan Budak sind sich sicher, dass Integration nicht von oben verordnet werden kann. "Aber die Politik muss die Weichen dafür stellen". Ein gedeihliches Miteinander könne nur dann gelingen, wenn Menschen nicht mehr in Klischees denken, sondern den anderen offen und unvoreingenommen als Mensch begegnen.

"In Zeiten der Globalisierung sollten Politiker Ausländer nicht für ihren Wahlkampf instrumentalisieren", meint Erdogan Budak mit Blick auf den Wahlkampf des hessischen Ministerpräsidenten und fragt: "Welches Integrationskonzept hat Herr Koch eigentlich?". Budak und Keskin sind beide davon überzeugt, dass die Problematik der Jugendkriminalität nichts im Wahlkampf zu suchen hat. Statt Ausländer auszugrenzen, sollten Lösungen aufgezeigt werden. "Es wäre wichtig, Jugendlichen aus bildungsfernen Familien eine Perspektive zu geben. Sie sollten das Gefühl haben, hier heimisch zu sein."

Jeder Ausländer müsse sich zu seinem eigenen Wohl anstrengen, die deutsche Sprache zu erlernen, um beruflich weiterzukommen. Auch Jugendliche aus sozial schwachen Familien seien sehr wohl lernfähig. Durch die Veränderung der sozialen Marktwirtschaft seien vor allem wenig verdienende beziehungsweise arbeitslose ausländische und Familien mit Immigrationshintergrund betroffen. "Armut und Perspektivlosigkeit bringen Kriminalität mit sich, das ist aber kein spezielles Ausländerphänomen", so Erol Keskin.

Die beiden Mitglieder des Kirchheimer Integrationsausschusses stellen aber auch klar, dass es im Interesse der Ausländer liegt, wenn Kriminelle, egal ob mit ausländischem oder deutschem Hintergrund, bestraft werden. Eine Gesellschaft müsse sich gegen Kriminelle schützen, aber Ausländer dürften dabei nicht unter Generalverdacht gestellt werden. "Wir sind auch nicht dagegen, einen kriminellen 18-jährigen Ausländer auszuweisen, aber einen Jugendlichen, der hier geboren wurde und Deutscher ist, wo soll man den hinschicken?" fragt Erol Keskin. "Wir wollen in Frieden hier leben", sagt Erdogan Budak und appelliert, jeder möge seinen Beitrag dazu leisten.