Lokales

Wohlbefinden für Geist und Seele vermittelt

Erneut hat der Kreislandfrauenverband Nürtingen Verantwortliche aus seinen 18 Ortsvereinen zu einem Bildungs-wochenende gebeten. Beste Erfahrungen bei zurückliegenden Tagungen waren der Anlass fürs Dabeisein.

KREIS ESSLINGEN Immer wieder Zugänge zu Neuem schaffen, Ungewohntes wagen, das Zusammenwirken all' derer, die ihre Verantwortung erkennen und wahrnehmen sind wesentlich in der Weiter- und Erwachsenenbildung des Landfrauenverbandes. Bildungsprozesse, die die Frauen in ihrem ehrenamtlichen Tätigsein berühren und nachhaltige Wirkung zeigen, sie in ihrem Engagement und ihrer Kompetenz unterstützen, gelingen in der Regel dort, wo bei den Verantwortlichen eine aufmerksame Offenheit gelebt wird.

Anzeige

Verbandsvorsitzende Doris Bopp aus Dettingen hat mit der Schwäbischen Bauernschule Bad Waldsee als Tagungsort im attraktiven Oberschwaben einen Volltreffer erzielt. Zusammen mit der Pädagogin Brigitte Doldi, zugleich stellvertretende Leiterin der Bauernschule, hat die Vorsitzende ein Programm auf die Beine gestellt, bei dem das Innehalten und Auftanken, die "Aussicht und Weite", Bildung, Begleitung und Begegnung in der oberschwäbischen Region wesentlich zur Orientierungsfindung beigetragen haben. Das bestens und modern eingerichtete Haus des Landesbauernverbandes wird jährlich von rund 6000 Menschen besucht. Rund 250 Weiterbildungsangebote und Veranstaltungen gibt es dort.

Bernhard Bitterwolf, Lehrer, Musikpädagoge und Dozent begeisterte einen Abend lang zunächst mit der Vorstellung alter bäuerlicher Musikinstrumente. Gekonnt und virtuos wurde alsdann auf Instrumenten der Barockzeit und der Renaissance aufgespielt. Bei einem "Test für Schwaben" wurden die tatsächlich unterschiedlich-regionalen Ausdrucksweisen bei nicht wenigen Dialektwörtern deutlich herausgestellt.

Kulturelle Leckerbissen konnte die Landfrauengruppe mit dem langjährigen Leiter der Bauernschule, Dr. Clemens Frede, bei einer Stadtführung durch Bad Waldsee entdecken. Mit knapp 20 000 Einwohnern ist das mittelalterliche Städtchen durch seine einzigartige Lage zwischen zwei Seen, dem Schloss- und Stadtsee, und seiner Uferpromenade geprägt. Historische Gebäude reihen sich aneinander, ein jedes voller Geschichte. Das hochgiebelige Rathaus von 1426 damals hatte der Ort 600 Einwohner überragt im Stadtkern das Spital zum Heiligen Geist, wie auch das gegenüberliegende Kornhaus. Wundersam prägen die zwei Türme der Stadtkirche Sankt Peter und der imposante Wurzacher Tortum das Stadtbild. Barock und Gotik stehen einträchtig nebeneinander. Als Moorheilbad und Kneippkurort mit zwei Thermalbädern sowie einem milden, voralpinen Reizklima, setzt die Stadt auf die Attribute Gesundheit und Erholung.

Einem besonderen Highlight folgten die Landfrauen "Oberschwäbisch durch's Johr" mit Jürgen Hohl, einer Persönlichkeit, die im Süddeutschen durch Funk und Fernsehen bekannt ist. Auf liebenswert-heitere und zugleich auch knitze Art und Weise wurde ein bunter Bilderbogen über eine reizvolle Landschaft, gelebte Feste und gewachsenem Brauchtum gespannt. "Der Mensch braucht Freude", war eine seiner Thesen und beeindruckend wurde das Jahr durchschritten, um mit der Bitte an die Gäste zu enden: "Pflegen Sie, liebe Landfrauen, ihr eigenes Brauchtum und beziehen Sie immer wieder die Kinder mit ein".

Auch beim Mundartabend mit Marlies Grötzinger wurde oberschwäbische Kultur nicht nur hautnah erfahren, sondern deutlich, "wie im Dialekt sich viel Nachdenklichkeit ausdrücken lässt und wie oberschwäbisch weiblich klingt". Mit selbst hergestellten "Handpalmen" und dem Verzieren von Osterkerzen wurden sowohl kreativ-handwerkliches Können der Frauen bewiesen, wie auch das oberschwäbische Brauchtum und österliche Erfahrungen zur Passionszeit gegenwärtig.

Auch das gehört zu Oberschwaben: Brigitte Doldi war es wichtig, das Lebensbild von drei mutigen Frauen aus diesem Landstrich vorzustellen, nämlich "die drei Marien": Maria Müller-Gögler (1900 1987); Maria Menz (1903 1996); die einen Briefwechsel mit Martin Walser führte, und Maria Beig, 1920 geboren und heute in Friedrichshafen wohnend. Sie ist Trägerin des "Alemannischen Literaturpreises". Diesen Frauen gelang es trefflich, wesentliche Inhalte ihrer Lebensräume in ihren Schriften deutlich zu machen. Und es wurde auch erkennbar, wie viele Schranken und Grenzen sie in ihrem Leben und Schreiben ausräumen oder überwinden mussten in der Zeit, als Frauen alles andere denn als Literaten gefragt waren. Da passt das aktuelle Leitthema der Landfrauen: "Sozialer Mut tut allen gut".

Alle Referenten und auch das umsichtige Hauspersonal erhielten von Doris Bopp Geschenke aus der Heimat der Besucherinnen, besonders gedankt wurde Brigitte Doldi, die die Tagung mit ausstrahlender Fröhlichkeit begleitet und damit eine wohltuende Atmosphäre mitgeprägt hat. Die stellvertretende Kreisvorsitzende Renate Gölz aus Nabern lobte Doris Bopp für die aufgewendete Mühe zur Vorbereitung der wohlgelungenen Tagung im Oberschwäbischen.