Lokales

Wohnen im "Tower" oder zwischen Kanal und Lauter

Eine alte Debatte hat der Dettinger Gemeinderat jetzt wiederbelebt: Es geht um die Wohnbebauung auf dem Gelände der ehemaligen Tuchfabrik Berger, das im Süden an das Wohngebiet Goldmorgen grenzt und im Westen von der Lauter umflossen wird. Bereits vor 15 Jahren war über das Thema heiß diskutiert worden. Seither hat sich auf der Industriebrache nicht viel getan.

ANDREAS VOLZ

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DETTINGEN Bürgermeister Rainer Haußmann erinnerte in der Gemeinderatssitzung mit einigen wenigen Jahreszahlen an die Vorgeschichte der geplanten Wohnbebauung auf dem Berger-Areal: Bereits 1993 hatte der damalige Dettinger Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans gefasst. Auch im städtebaulichen Rahmenplan aus dem Jahr 2000 zählt das 2,3 Hektar große Gebiet zu den Potenzialen im bebauten Ortskern. Im Gegensatz zu sonstigen Baugebieten sei der Eigentümer des Geländes zugleich Investor. Die Gemeinde Dettingen wird in diesem Fall also lediglich einen Bebauungsplan erstellen, für eine "angemessene Bürgerbeteiligung" sorgen und auf Grundlage des städtebaulichen Entwurfs mit dem Eigentümer und Investor, "Wohnbau Birkenmaier", verhandeln. Ziel dieser Verhandlungen ist ein gemeinsamer städtebaulicher Vertrag, in dem es unter anderem um die Erschließungskosten geht, um die Herstellung eines Spielplatzes und um die Abtretung der öffentlichen Flächen.

Uwe Fohmann vom Stuttgarter Stadtplanungsbüro Zoll erläuterte im Gemeinderat die Grundzüge des städtebaulichen Entwurfs. Vier Gebäude der ehemaligen Tuchfabrik sollen erhalten bleiben. Drumherum gruppieren sich 16 Einfamilienhäuser, zehn Doppelhäuser, sieben Reihenhäuser und vier Mehrfamilienhäuser. Insgesamt sind 64 Wohneinheiten geplant. Die Reihen- und Mehrfamilienhäuser runden das neue Baugebiet im Südosten ab, als Übergang zum alten Goldmorgen. Eines der Mehrfamilienhäuser, das die Reihe der fünf neuen Einfamilienhäuser am südlichen Ende der Hinteren Straße beziehungsweise Im Kies abschließen soll, wird einen besonderen städtebaulichen Akzent setzen: Das viergeschossige Gebäude mit einem zusätzlichen Staffelgeschoss, das Bürgermeister Rainer Haußmann im Lauf der Debatte als "Tower" bezeichnete, soll rund 14 Meter in die Höhe ragen.

Ansonsten sind auf dem Berger-Gelände zweigeschossige Gebäude vorgesehen, mit Satteldach oder aber mit Staffelgeschoss und Pultdach. Die fünf Einfamilienhäuser zwischen Kanal und Lauter wiederum liegen in einem Gelände, das steil zur Lauter hin abfällt. Deshalb sollen sie sich auf der Kanalseite zweigeschossig präsentieren und sich somit der umgebenden Neubebauung anpassen, während sie von der Lauter aus betrachtet dreigeschossig wirken. Erschlossen werden diese Häuser über eine Stichstraße, die von der "Stelle" abzweigt, also von der Straße, die zum Friedhof führt. Die übrigen Gebäude werden ebenfalls über Stichstraßen zu erreichen sein, die von der Hinteren Straße abzweigen und sich dann gegebenenfalls noch weiter verästeln. Die wichtigste Stichstraße, die auch zum geplanten Spielplatz führt, ist eine Verlängerung der Aylenstraße.

Parkplätze sind in weitaus größerer Anzahl vorgesehen, als es der Gesetzgeber zwingend vorschreiben würde, wie Bürgermeister Haußmann ausführte: "Parkplätze bürgen auch für Qualität. Eine Wohnung ohne Stellplatz ist nachher nicht mehr zu verkaufen." 56 Tiefgaragenplätze sollen sich auf zwei Tiefgaragen im Bereich der Reihen- und Einfamilienhäuser verteilen. Hinzu kommen 34 Stellplätze im öffentlichen Straßenraum, von denen die hintersten vier, zwischen Reihen- und Mehrfamilienhaus, auch als Privatparkplätze verkauft werden können. Was die Doppel- und Einfamilienhäuser betrifft, sind Garagen oder Stellplätze auf den jeweiligen Grundstücken vorgesehen.

In der Diskussion über den städtebaulichen Entwurf wollte Dietmar Vogt (SPD) wissen, ob die Details mit allen Beteiligten abgesprochen seien. Rainer Haußmann sagte, mit Blick auf den Investor: "Wir sind zwar nicht immer sofort einer Meinung, führen aber faire Verhandlungen." Das gemeinsame Ziel bestehe darin, in städtebaulicher Hinsicht hoheitlich, aber trotzdem marktfähig zu planen. Mit dem Argument der Marktfähigkeit begegnete er auch den Bedenken, die Markus Ochs für die FWG vortrug: Der 14 Meter hohe "Tower" sei zu hoch und zu massiv. "Der Investor macht es mit, und er muss doch die Häuser nördlich davon verkaufen. Da sollten wir die wenigsten Bedenken haben", bemerkte der Bürgermeister zu diesem Punkt.

Da es sich beim Berger-Gelände um eine Industriebrache handelt, stellte Haußmann außerdem die Frage: "Wo wollen Sie in Dettingen künftig massiv bauen, wenn nicht da?" Roland Sigel (CDU/FWV) hatte zuvor das dominante viergeschossige Flachdachgebäude "mit filigraner Gestaltung durch ein Staffelgeschoss" ausdrücklich gelobt und kam später noch einmal auf diesen speziellen städtebaulichen Akzent zu sprechen: "Ich könnte mir vorstellen, dass das sehr reizvoll ist."

Letztlich hat der Dettinger Gemeinderat am Montag einen erneuten Aufstellungsbeschluss gefasst "zur Rechtssicherheit und um das Verfahren in Gang zu bringen", wie Rainer Haußmann betonte, nachdem der alte Aufstellungsbeschluss bereits 13 Jahre zurückliegt. Der städtebauliche Entwurf spielt in dem jetzigen Beschluss noch keine Rolle, der Gemeinderat hat ihn lediglich zur Kenntnis genommen. Außerdem wurde die Verwaltung beauftragt, die Bürger zu beteiligen. Bis dahin sollen die Pläne auch durch Schnitte oder anhand eines aktuellen Modells anschaulicher und plastischer dargestellt werden. Weiterhin soll die Verwaltung die Verhandlungen mit dem Eigentümer beziehungsweise Investor weiterführen, um einen entsprechenden städtebaulichen Vertrag zu erarbeiten. Alle Beschlussvorschläge hat der Gemeinderat schließlich einstimmig abgesegnet.