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"Wollen Hahnweide so erhalten, wie sie ist"

Durch eine Umwandlung des Segelfluggeländes Hahnweide zum Sonderlandeplatz wird sich an der derzeit bestehenden Situation nichts ändern. Dies unterstrichen Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, Vertreter des BWLV sowie der Hahnweide-Flugsportgruppen gestern bei einem Pressegespräch.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM "Diese besondere Welt da draußen wollen wir so wie sie ist erhalten", trat Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker Spekulationen entgegen, eine Umwidmung zum Sonderlandeplatz bringe automatisch mehr Motorflug und damit Lärm mit sich. Die Hausherrin des Fluggeländes verwies in diesem Zusammenhang auf die Vereinbarung mit dem Baden-Württembergischen Luftfahrtverband (BWLV) als dem Platzhalter und den Fluggruppen sowie mit der Firma Schempp-Hirth. Dieser Vertrag regle, wie viele motorgetriebenen Flugzeuge auf der Hahnweide starten und landen dürfen. Es sind dies 56, darunter zwölf Schleppflugzeuge der acht Luftsportgruppen und acht Cessnas der BWLV-Motorflugschule. Diese Vereinbarung wurde 2004 zum Schutze der Feuchtgebiete im Süden des Geländes ergänzt. "Ich habe mit dem BUND gesprochen und wir waren uns einig, dass der Status quo auf dem Segelfluggelände erhalten bleiben soll", informierte Angelika Matt-Heidecker. Stimmen, die behaupten, der allgemeine Luftverkehr des Stuttgarter Flughafens solle auf die Hahnweide verlegt werden, kommentierte sie mit: "Das ist Quatsch."

Siegmund Maier, ehemals BWLV-Vizepräsident und nun "Moderator" der Umwidmung, erinnerte an die Anfänge des Segelflugs an der Teck Ende der 1920er-Jahre und an die Suche nach einem geeigneten Segelflugplatz nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieses wurde auf der Hahnweide gefunden.

Überall in der Republik formierten sich nach dem Flugverbot von 1945 wieder die Segelflieger in Vereinen, um sich von Wind und Thermik in bis dahin ungeahnte Höhen und Weiten tragen zu lassen. Anfangs noch mit Hilfe von Motorwinden. Doch wie in allen Bereichen, entwickelte sich auch der Segelflug. Die Vereine schafften sich Motorflugzeuge an, mit denen sie ihre filigranen Segler direkt unter die Wolken schleppen konnten. Vor allem bei Segelflugwettbewerben war es wichtig, die Flugzeuge möglichst rasch in die Luft zu bekommen. Das war auch auf der Hahnweide nicht anders. Vor genau 40 Jahren war dort der erste Segelflugwettbewerb ausgetragen worden, der sich heute bei den Leistungsfliegern in aller Welt großer Beliebtheit erfreut. Segelflugpiloten wie Klaus Holighaus, Holger Karow, Mario Kiessling, Katrin Wötzel und Conny Schaich standen immer wieder auf dem Siegertreppchen und trugen so zum guten Ruf der Fliegerstadt Kirchheim bei.

1966 eröffnete der BWLV auf der Hahnweide eine Motorflugschule und bot seinen Mitgliedern damit Gelegenheit, den Motorflugschein günstig zu erwerben. "Diese Entwicklung und Erweiterung war aber immer gesetzeskonform", betonte Siegmund Maier und meinte, "seit über 40 Jahren wurde das nie in Frage gestellt." Das Regierungspräsidium Stuttgart als Luftverkehrsbehörde erteilte für die Motorflugzeuge jeweils eine befristete so genannte Außenstart- und Landeerlaubnis. "75 bis 150 Euro kostet diese Sondergenehmigung", verriet BWLV-Geschäftsführer Klaus Michael Hallmayer. "Und der Verwaltungsaufwand seitens unseres Luftfahrtverbandes und des Regierungspräsidiums ist gigantisch."

In Baden-Württemberg wird an einer Vielzahl von Flugplätzen mit einer befristeten und widerruflichen Außenlanderegelung operiert. Wie lange sich dieser Ausnahmestatus aufrecht erhalten lässt, ist ungewiss. Das Innenministerium habe deshalb dem Baden-Württembergischen Luftfahrtverband vorgeschlagen, den "Status quo" durch einen Sonderlandeplatz Hahnweide abzusichern. "Keiner der Vertragspartner hat die Absicht, am jetzigen Zustand etwas zu ändern", hielt Siegmund Maier das Misstrauen der Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide für unbegründet. Auch die Angst vor zunehmendem Fluglärm kann Maier nicht verstehen. "Die Zahl der Starts der Motorflieger war in den letzten Jahren rückläufig." Kam es 2001 zu 18 147 Flugbewegungen, so waren es im vergangenen Jahr 14 875, davon allein 2 000 beim Oldtimer-Fliegertreffen.

"Wir erklären in unserem Antrag, dass wir an dem festhalten wollen, was heute Vereinbarung mit der Stadt ist", so Klaus Michael Hallmayer, der unmissverständlich zu verstehen gab, der BWLV könne keine Gründe erkennen, warum er seinen Antrag zurückziehen sollte. "Auf einem Sonderlandeplatz ist nur ein eingeschränkter Betrieb erlaubt, der durch unseren Vertrag mit der Stadt geregelt ist, und dieser Vertrag läuft bis 2024", meinte der BWLV-Geschäftsführer. Er hielt der Interessengemeinschaft vor, sie vergleiche Äpfel mit Birnen, wenn sie die Verkehrslandeplätze Frankfurt-Egelsbach und München-Jesenwang mit der Hahnweide gleichsetze. "Die Hahnweide ist heute schon an ihren Grenzen. Ein Geschäftsreiseverkehr wäre außerdem grob satzungswidrig. Der BWLV ist ein gemeinnütziger Verein und kein Unternehmen."

"Die Interessengemeinschaft will den Status quo erhalten und wir auch", sah Hans Puskeiler, erster Vorsitzender der Fliegergruppe Wolf Hirth, Gemeinsamkeiten, weshalb er mit der Bürgerinitiative sprechen möchte.

Zu einem Gespräch auf anderer Ebene wird es am Montag kommen. Dann wird sich Kirchheims Oberbürgermeisterin mit den Verwaltungschefs der Umlandgemeinden, Vertretern des BWLV und des Regierungspräsidiums an einen Tisch setzen, um, wie Angelika Matt-Heidecker sagte, "für Rechtssicherheit zu sorgen". Das Ergebnis der Runde wird in der Sitzung des Kirchheimer Gemeinderats am Mittwoch, um 17 Uhr, bekanntgegeben.