Lokales

Wünsche und Kritik bei Gleichaltrigen loswerden

KIRCHHEIM "Ein großer Skaterplatz", liest Lisa von der Karteikarte ab und Paul notiert den Wunsch des Schülers als Stichwort auf einer Liste. Auch "eine Jugenddisco", "Spielplätze für Jugendliche" und "dass wir für

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BIANCA LÜTZ

Busfahrkarten nichts bezahlen müssen" sind Wünsche und Träume, die die Neuntklässler der Ötlinger Eduard-Mörike-Schule notiert haben.

Den meisten von ihnen würde aber nicht mal im Traum einfallen, mit ihren Vorschlägen zum Kirchheimer Gemeinderat zu marschieren und sie dort vorzutragen "die Schwelle ist einfach zu hoch", weiß der 16-jährige Paul Weissinger, der die Klasse 11a des Kirchheimer Schlossgymnasiums besucht und Mitglied des Runden Tischs für Jugendpolitik in Kirchheim ist. Darum setzt er sich zusammen mit anderen engagierten Mitgliedern des Runden Tischs dafür ein, dass Kirchheim einen Jugendrat bekommt. "Wenn der Jugendrat da ist, dann geht ihr mit euren Problemen und Wünschen zu Jugendlichen", erklärt Paul den Neuntklässlern, "und der Jugendrat geht dann zum Gemeinderat." Denn schließlich könnten die Gemeinderäte von alleine nicht wissen, was Jugendliche wollen und brauchen. Der Jugendrat wolle als Vermittler zwischen den jungen Einwohnern und dem Stadtparlament der Erwachsenen dienen.

Paul Weissinger und seine Mitstreiter ziehen von Schule zu Schule und von Klasse zu Klasse. Sie klären die Schüler darüber auf, was der Jugendrat ist, was er bewirken soll und stellen klar, dass sich genügend junge Leute als Kandidaten aufstellen lassen müssen sonst kann das Vorhaben nicht klappen. Unterstützt wird Paul bei seinem Besuch in der Eduard-Mörike-Schule von Lisa Straßberger, die derzeit Auszubildende bei der Stadt Kirchheim ist und das Projekt Runder Tisch begleitet.

"Der Jugendrat hat das Recht, einen Antrag im Gemeinderat zu stellen und Stellung zu nehmen", beschreibt Paul und bezieht sich auf die Anregung eines Schülers: "Zum Beispiel wenn euch der Skaterplatz am Freibad nicht genügt." Außerdem kann der Jugendrat Aktionen und Projekte durchführen und "es stehen ihm 3000 Euro im Jahr zur Verfügung", geht Paul auf das Budget der Institution ein eine Zahl, die die Neuntklässler stutzig werden lässt: "Mit 3000 Euro können Sie ja gar nicht viel machen."

Paul beruhigt sie jedoch: "Das Geld ist nur für eigene Aktionen, etwa um Flyer zu drucken oder eine Veranstaltung zu organisieren. Wenn dagegen ein Sportplatz saniert werden soll, dann zahlt das die Gemeinde" vorausgesetzt natürlich, der Gemeinderat hat dem Anliegen des Jugendrats vorher zugestimmt.

Bewerber sind gefragtNoch bis zum zweiten November können sich interessierte Jugendliche bewerben, die mindestens 13 Jahre alt, aber nicht älter als 18 sind und in Kirchheim wohnen oder dort zur Schule gehen. Im Jugendrat wird es 16 Sitze geben: "Für jede Schulart ist ein Sitz garantiert" kann Paul den Schülern versprechen, dass im Rat auch mindestens ein Hauptschüler sitzen wird das Gleiche gilt für Realschüler, Gymnasiasten, Berufsschüler und Waldorfschüler.

"Wichtig ist uns auch, dass sich junge Schüler aufstellen lassen", sagt Paul. Wenn in dem Gremium nur 17- und 18-Jährige säßen, bestehe die Gefahr, dass die Anliegend der Jüngeren nicht ausreichend berücksichtigt werden. Damit die Wahl gilt, ist ein weiteres Kriterium erforderlich: Es müssen sich mindestens 24 Bewerber zu Wahl stellen. "Dazu brauchen wir euch", stellt Paul klar, dass jeder Einzelne seinen Teil dazu beitragen kann, dass das Projekt Jugendrat gelingt.

Mit dem Infozug durch die Schulen sind Paul Weissinger und Lisa Straßberger zufrieden. "Es kamen viele sinnvolle Vorschläge", freut sich Lisa und berichtet, was auf den Karteikärtchen so alles zu lesen war: "Viele wollen Spielplätze für Jugendliche und Jugendtreffs", sagt sie. Auch mehr Veranstaltungen des Jugendhauses und renovierte Sportplätze werden gewünscht. "Hauptschüler beklagen, dass sie keine Lehrstellen finden", sagt sie. Bei anderen Schularten mit größerem Einzugsgebiet sind es auch Nahverkehr und die Busanbindungen, mit denen die Jugendlichen nicht zufrieden sind.

Insgesamt hat Paul festgestellt, dass das Interesse, für den Jugendrat zu kandidieren, von Schulart zu Schulart erheblich schwankt. "Am Gymnasium ist die Resonanz sehr groß und es melden sich mehr Leute als beispielsweise an Hauptschulen." Das hat unter anderem auch den Grund, dass Hauptschüler oft schon mit 14 oder 15 Jahren kurz vor den Prüfungen stehen. "Da geht der Abschluss einfach vor", weiß Lisa.