Lokales

Würdige Verneigung vor eindrucksvollem Engagement

Lange anhaltender Applaus war Dank für teilweise Jahrzehnte währendes Engagement von insgesamt elf Mitgliedern des Kirchheimer Ratsgremiums, die in jüngster Sitzung von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker verabschiedet wurden. Die selbst aufgeworfene Frage, ob sich das alles gelohnt habe, beantwortete Fritz-Uli Bankwitz als mit 33 Jahren Dienstältester mit einem klarer "Ja".

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Ein berühmtes Zitat des Bundespräsidenten Theodor Heuss stellte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker an den Beginn der Würdigung der elf aus dem Kirchheimer Ratsrund ausscheidenden Gremiumsmitglieder, die mit Ausnahme der Nachrücker alle am 24. Oktober 1999 gewählt wurden. In dieser Zeit entschied das Gremium über einen Zuschuss zur Klage der Bürgerinitiative zur Neubaustrecke Stuttgart-Ulm, die Veräußerung der NWS-Aktien und die Anlageform im Kirchheim-Fonds, die Gründung einer Bürgerstiftung oder auch über die Tiefgarage Schweinemarkt.

Weitere Schwerpunkte waren Bürgeramt, kommunale Wirtschaftsförderung, Strukturen des Kirchheimer Krankenhauses und Sachstandsberichte zum Uhland-Gymnasium mit zähneknirschenden Entscheidungen zur Nachfinanzierung. Als "kommunalpolitisches Highlight" bezeichnete die Oberbürgermeisterin das Verfahren zur Durchführung des Bürgerentscheides zur Nordwest-Tangente. "Sie alle haben unser demokratisches System überzeugend vertreten", attestierte sie den scheidenden Gremiumsmitgliedern, denen sie sehr persönlich für ihr großes Engagement dankte.

Nachdem die Wahl 1999 schon einen spürbaren Verjüngungsschub ins Gremium gebracht hatte, sei nun der Generationswechsel noch deutlicher spürbar, betonte das Kirchheimer Stadtoberhaupt. Um "dem Erfordernis der Objektivität gerecht zu werden", hatte sie die zu verabschiedenden Gremiumsmitglieder streng dem Dienstalter nach "geordnet" und begann mit Fritz-Uli Bankwitz, der insgesamt 33 Jahre dem Gemeinderat angehört hatte.

"Damals waren auf der SPD-Liste drei Rebellen angetreten, die sich relativ wenig um Etabliertes scherten" sagte die Oberbürgermeisterin bei der Verabschiedung des "letzten Stadtrats, der noch vor der Eingemeindung Jesingens und Naberns dabei gewesen ist" und alle vier Oberbürgermeister der Stadt erlebt habe. Die Turbulenzen, die es im Zuge seines Austrittes aus der SPD-Fraktion gegeben hatte, wollte Angelika Matt- Heidecker als unmittelbar Beteiligte nicht verschweigen. "Dies hat getroffen, betroffen gemacht, hat verletzt", machte sie deutlich, stellte aber zugleich fest, dass diese Turbulenzen nicht die Bilanz der fast 33 Jahre währenden Amtszeit verdunkeln sollen.

Nach Fritz-Uli Bankwitz, der zehn Jahre Fraktionsvorsitzender und fünf Jahre zweiter ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters war, wandte sie sich CDU- Stadträtin Hannelore Bodamer zu, die 1975 in den Gemeinderat gewählt wurde.

"Ich bin davon überzeugt, dass Ihre Fraktion Ihnen sehr viel verdankt", stellte sie fest und erinnerte daran, wie viel in dieser Zeit auf dem sozialen Gebiet bewegt wurde. Neben der Mitarbeit beim den verschiedenen Teilsozialplänen habe Hannelore Bodamer auch ihre vielfältigen Erfahrungen aus der Arbeit mit hilfsbedürftigen und problembeladenen Menschen in Gremien, Institutionen und auch in den Gemeinderat eingebracht. Mit zwei Kirchheimer Einrichtungen sei ihr Name bis heute untrennbar verbunden: dem CDU-Kinderfasching und der sich unter ihrer Leitung regelmäßig in der Stadthalle treffende Seniorentanzkreis. "Zudem", so merkte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker abschließend an, "konnte man immer sicher sein, bei Ausstellungseröffnungen, Ehrungen und Empfängen mit Ihnen in der ersten Reihe zu sitzen.

Als "absolute Vollblutpolitikerin auf kommunaler Ebene bezeichnete Angelika Matt-Heidecker anschließend Sybille Köber und erinnerte daran, dass die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, die erste Frau an der Spitze einer Fraktion des Kirchheimer Gemeinderats war. Fast 30 Jahre habe sie der Kirchheimer Kommunalpolitik ihren Stempel aufgedrückt und sei zusammen mit der Pionierin Lore Maier und Hannelore Bodamer alles andere als eine Quotenfrau gewesen. Wurden Sybille Köber anfangs noch eher weibliche Bereiche zugeordnet, habe sich dies durch den Einzug in den Technischen Ausschuss gewandelt, dem sie bis 1994 angehörte, um als Gallionsfigur der Freien Wähler im Finanz- und Verwaltungsausschuss das Sagen zu übernehmen.

Ungeheure Hartnäckigkeit bescheinigte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker der scheidenden Fraktionsführerin und ergänzte, dass sie sich nie gescheut habe, kritische Fragen zu stellen vor allen Dingen, wenn es um Steuer- und Gebührenbelastungen ging. "Sie verstanden es, zu schimpfen" lobte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die 14 Jahre lang als Gemeinderatskollegin miterlebte Streitkultur, die es immer möglich machte, "bereinigt" wieder neue Themen gemeinsam aufzugreifen.

Seit 1980 ist auch CDU-Stadtrat Karl-Heinz Sattel im Gremium, der von Anfang an mit Versiertheit und Leidenschaft im Technischen Ausschuss gekämpft und Bebauungspläne zu einem richtig gehenden Steckenpferd gemacht habe. Von Anbeginn an habe er Verantwortung getragen und wäre zunächst als zweiter stellvertretender und seit 1985 als erster stellvertretender Fraktionsvorsitzender tätig gewesen. Auch das Geschehen rund um den Sport habe immer das Interesse des scharfen Analytikers gefunden, dem nie etwas entgangen sei. 1996 wäre er es gewesen, der die Anregung vorgebracht habe, die Stadt solle sich via Internetauftritt präsentieren.

Quasi als "Alterspräsident" scheide Walter Olpp aus dem Gremium aus, der 1989 von einem aussichtlosen Listenplatz in den Gemeinderat eingezogen sei. Als kritischer, wachsamer Anwalt der Bürger und der Handwerkerschaft, habe er zugleich immer auch als strenger Hüter über die Vergabevorschriften gewacht und sich immer wieder gegen Vergaben an Nicht-Kirchheimer Unternehmen zu Wort gemeldet. Dass er immer wieder auch seinen eigenen Weg gegangen und selbstbewusst die Fraktionslinie verlassen habe, ließ die Oberbürgermeisterin dabei nicht unerwähnt.

Seinem Fraktionskollegen Walter Feess, der seit 1994 dem Gremium angehörte, bestätigte sie, ein Mensch zu sein, der stets versucht habe, zu vermitteln und den Spagat zu schaffen zwischen der Interessenvertretung Jesingen und dem Allgemeinwohl der Stadt Kirchheim. Der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen sei ihm bei seiner Arbeit immer ein ganz besonders wichtiges Anliegen gewesen.

Als neben Walter Olpp zweiten Vertreter der Malerzunft, verabschiedete Angelika Matt-Heidecker auch den 1999 ins Gremium gewählten CDU-Stadtrat Ernst Hummel, der dann auch folgerichtig mit Walter Olpp von den Freien Wählern fraktionsübergreifend gemeinsam gegen das neue Farbkonzept der Gestaltungssatzung für die historische Altstadt zu Felde gezogen sei, weil er sicherstellen wollte, dass "die gute Stube der Stadt" nicht farblich verunstaltet wird.

Von einem "großen Achtungserfolg" sprach Angelika Matt-Heidecker bei SPD-Stadträtin Janine Eick, die "aus dem Stand heraus als fast frisch Zugezogene und dann auch noch Anderssprachige" in den Gemeinderat gewählt worden war und sich mit großem Engagement der sozialen Probleme sowie der Kindergarten- und Schulentwicklung verschrieben und zudem auch sehr aktiv am Agenda-Prozess mitgewirkt habe.

Über die unechte Teilortswahl als Jesinger Bürger in das Gremium gewählt, werde Karl Zimmermann es als dessen Opfer auch wieder verlassen, da nach dem Umzug nach Nabern kein Weg an den "Platzhirschen" vorbeigeführt habe. Trotz seiner guten Verbindungen zur Landesregierung, habe der CDU-Landtagsabgeordnete und Stadtrat aber weder die Zuschusskürzung für die S-Bahn-Verlängerung noch eine positive Entscheidung beim Sozialministerium bei der Krankenhausentscheidung erreichen können.

Erst im Februar 2002 für Stadtrat Fick in die Fraktion der Grünen Alternative nachgerückt, habe Karl-Heinz Schöllkopf bald die Anerkennung aller Gremiumsmitglieder errungen und stets eine Architektur gefordert, die nach sich einfügenden ganzheitlichen Lösungen sucht. Sein fachlich fundiertes Urteil sei vor allem stets dann gefragt gewesen, wenn es galt, auseinanderlaufende Diskussionen wieder auf den Punkt zu bringen.

Im Zuge einer Nachrückaktion im Februar 2004, die sie selbst "maßgeblich mit verursacht" habe, sei Ludwig Kirchner für eine kurze Zeit ins Gremium gerückt. Nicht nur im Gemeinderat habe der passionierte Schachspieler sich eingebracht, dem Analyse und Logik auf den Leib geschneidert seien. Sie dankte ihrem fraktionsinternen Nachrücker daher abschließend dafür, dass er "in einer sehr schweren Zeit für die Kirchheimer Volkshochschule Verantwortung übernommen" habe.

Als Ausdruck des Dankes und als symbolische Anerkennung der geleisteten Arbeit überreichte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker den scheidenden Gremiumsmitgliedern die Rathausmedaille.