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Wunschlos glücklich

KIRCHHEIM Mathilde Schäfer feiert morgen ihren 90. Geburtstag und setzt die Tradition fort die im

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ANJA WEISSINGER

Jahre 1956 begann, als der Teckbote über den 90. ihrer Großmutter, und 24 Jahre später über den 90. ihrer Mutter berichtete. Heute kann Mathilde Schäfer auf ein sehr bewegtes, aber nicht immer leichtes Leben zurückblicken.

1914 in Ötlingen geboren, konnte sie nur sieben Jahre zur Schule gehen. Ihr Vater war bereits kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges vermisst und ihre Mutter hatte als Kriegerwitwe nicht das nötige Geld, Mathilde weiterhin zur Schule zu schicken. Obwohl sie eine gute Schülerin war, absolvierte sie dann eine Ausbildung zur Näherin und war auch kurze Zeit in diesem Beruf tätig.

Im Kirchenchor lernte sie den sechs Jahre älteren August kennen und heiratete ihn im Jahre 1936. Sechs Jahre später wurde die gemeinsame Tochter Ursula geboren. Doch der Zweite Weltkrieg zerstörte das junge Familienglück. Nur zweimal bekam der Soldat seine Tochter zu Gesicht, und das auch nur, weil Mathilde mit ihrer Tochter nach Stuttgart auf den Bahnhof fuhr und den Kindsvater auf der Durchreise ins Kriegsgebiet abpasste. Sein Besuch an Weihnachten 1943 sollte der letzte sein: Seit 1945 ist er in Polen vermisst. "Unseren Frieden sollten wir mehr schätzen", sagt sie traurig.

Die Nachkriegszeit hat sie nicht so schlimm in Erinnerung. Gemeinsam mit ihrer Mutter betrieb sie eine kleine Landwirtschaft: "Als Selbstversorger mussten wir keinen Hunger leiden". Später arbeitete sie bis zu ihrer Pensionierung auf dem Postamt. "Einen Zwei-Räder-Karren voll mit Paketen, hab ich sogar an Weihnachten durch den hohen Schnee gezogen", berichtet die Jubilarin stolz.

Ihr ganzes Leben ist von Arbeit geprägt und noch immer ist vor allem die Gartenarbeit ihre Leidenschaft: "Wenn ich arbeiten kann, bin ich gesund", weiß sie heute. Sollte es einmal regnen, dann liest sie die Zeitung oder zaubert ein leckeres Menü für ihre Familie denn kochen ist ihr zweites Steckenpferd.

Aktiv ist sie auch sonst noch. Jedes Jahr geht es zweimal mit Tochter und Schwiegersohn in den Urlaub: Im Sommer auf die Insel Sylt und im Herbst nach Brixen. Auch die Vogesen und Venedig sind für sie begehrte Urlaubsziele. "Nix Schöneres gibt's nicht" schwärmt sie.

Ein besonderes Ereignis war für die alte Dame auch die Graduierung ihres Enkelsohnes in Cambridge, zu deren Anlass sie im Jahre 2002 sogar nach England reiste.

Ihren Geburtstag wird sie morgen im Kreise der Familie gebührend feiern. Ihr größter Wunsch ist bereits in Erfüllung gegangen: Ihr Enkelsohn wird extra zu ihrem 90., diesmal aus Amerika, einfliegen. Auch sonst kann sie zufrieden von sich sagen: "Ich habe alles, was ich mir wünsche!"