Lokales

Wurde die Rathauslinde verstrahlt?

Warum musste die Linde vor dem Schlierbacher Rathaus sterben? Unter dieser Überschrift veranstaltete die Bürgerinitiative Mobilfunk einen Vortrag im Schlierbacher Bürgersaal. Für den Referenten, den Karlsruher Physiker Dr. Volker Schorpp ist die Antwort klar: Die Linde starb den Strahlentod.

Volkmar Schreier

Schlierbach. Schuld am Tod des Baums sind nach Meinung des Antimobilfunkaktivisten Schorpp die Mobilfunksender in Schlierbach. Doch die schädlichen Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung beschränken sich nicht nur auf Bäume.

„Schlüssige Indizien“ meint Schorpp dafür ausgemacht zu haben, dass hochfrequente Strahung (HF), wie sie beim Einsatz von Mobilfunk Verwendung findet, Organismen schädigt. Egal ob Menschen, Pflanzen oder Tiere – alle Lebewesen seien davon betroffen. Schorpp spricht hier von einer „multiplen HF-Verseuchung“ der Umwelt, ausgelöst durch Mobilfunknetze, aber auch im häuslichen Umfeld durch Scnurlostelefone für den Festnetzbetrieb.

Gerade die Basisstationen der Schnurlostelefone seien, so Schorpp, für viele Beschwerden und Krankheitssymptome beim Menschen verantwortlich. „Wir haben mehrere ärztliche Beobachtungen eines Kausalzusammenhangs“, sagt Schorpp, der die Strahlung für Schlafstörungen, Bluthochdruck oder auch Depressionen verantwortlich macht. Er setzt auch die zunehmende Verbreitung von Mobilfunkanwendungen mit den ansteigenden Verschreibungen von Ritalin zur Therapie von Hyperaktivität bei Kindern in Relation und sieht auch hier einen deutlichen Zusammenhang.

Immerhin können Betroffene hier zur Selbsthilfe greifen und die Schnurlostelefone durch Kabeltelefone ersetzen oder den ständig funkenden Basisstationen bei Nichtbenutzung oder nachts den Strom abdrehen.

Nicht nur der Mensch, auch die Tierwelt sei mittlerweile durch den „Cocktail künstlicher elektromagnetischer Wellen“ arg in Mitleidenschaft gezogen. Schorpp berichtete von der Zunahme von Missbildungen bei Kälbern, die erst nach der Inbetriebnahme eines Mobilfunkmastens in Bayern aufgetreten seien. Besonders betroffen seien auch Frösche und Kröten. Da Wasser besonders viel der Strahlung aufnehme, sei die Entwicklung des Laichs und der Kaulquappen extrem gestört. Schorpp spricht hier von der „Störung und Zerstörung“ des Lebens durch elektromagnetische Wellen und Felder“.

Auch vor Pflanzen machten die Strahlen nicht halt. Linden, Rosskastanien und Akazien – das seien hervorragende Indikatoren für eine Belastung mit Hochfrequenzstrahlung. Anhand von vielen Bildern zeigt er den zahlreichen Zuhörern auf, welche Schadensmuster an Bäumen auftreten können.

Stärkstes Indiz für eine Schädigung durch HF-Strahlung sei immer die sogenannte senderseitige Schädigung: Die Bäume verlören zunächst auf der dem Mobilfunksender zugewandten Seite ihre Blätter, bevor dann schließlich der Baum eingehe. Andere Faktoren wie Trockenheit, Luftverschmutzung oder Krankheiten glaubt Schorpp bei den von ihm beobachteten Bäumen ausschließen zu können. Folglich bliebe als Grund für das Baumsterben nur die Mobilfunkstrahlung übrig. Auch für den Fall, dass es zwischen betroffenem Baum und Sender keinen direkten Sichtkontakt gibt, hat der Physiker eine Erklärung parat: Die Strahlung würde von umliegenden Gebäuden reflektiert und umgelenkt, das elektromagnetische Feld mithin verwirbelt. Gerade Straßenzüge hätten einen besonderen Effekt: „Gassen kanalisieren die Strahlung.“

Im Falle der Linde vor dem Rathaus ist sich der Karlsruher Physiker sicher: Sie sei ein klassisches Opfer der hochfrequenten Strahlung der Mobilfunksender geworden, denn auch dieser Baum habe das typische Schadensmuster gezeigt. Auch weitere Bäume in Schlierbach seien betroffen. Schorpp: „Weil ich so viel Erfahrung habe, kann ich ziemlich sicher sagen, dass diese Bäume HF-geschädigt sind.“ Einen wissenschaflich haltbaren Beweis für seine Thesen kann indes auch Volker Schorpp nicht liefern. Vielmehr sieht er die Mobilfunkbetreiber und auch die Politik in der Beweispflicht: „Mir muss erst einmal einer erklären, woher das sonst kommt – und zwar stichhaltig.“

Anzeige