Lokales

Wurzeln des Pietismus

Am Sonntag, 1. Januar, um 11 Uhr findet eine Matinee statt im Johann-Ludwig-Fricker-Haus in der Milchgasse 6 in Dettingen/Erms. Der Pietismusforscher Reinhard Breymayer referiert über Friedrich Christoph Steinhofer (1706 1761). Veranstalter ist der Wilhelm-und-Louise-Zimmermann-Geschichtsverein.

GÜNTER RANDECKER

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DETTINGEN / ERMS Vor 300 Jahren wurde Friedrich Christoph Steinhofer in Owen als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Sein Vater wirkte in der Owener Marienkirche 57 Jahr lang. Friedrich Christoph Steinhofer besuchte sieben Jahre lang die Lateinschule in Kirchheim, dann die Blaubeurener Klosterschule und das Tübinger Stift. Nach seiner Vikariatszeit in Biberach wurde er 1733 Hofkaplan des Reichsgrafen Heinrich XXIX. von Reuß in Ebersdorf und 1737 ebenda Hofprediger. Als 43-Jähriger kehrte er in den württembergischen Kirchendienst zurück und übernahm für vier Jahre die Pfarrstelle in Dettingen/Erms, anschließend das Pfarramt in Zavelstein, ehe er nach vierjähriger Tätigkeit in Eningen nach Weinsberg als Dekan wechselte.

Steinhofer gilt als einer der Mitbegründes des schwäbischen Pietismus. Diese Erneuerungsbewegung hat starke Wurzeln im Ermstal und auf der Alb. Aus diesem Grunde findet dort der Vortrag am Neujahrstag statt.

Während seiner Dettinger Zeit veröffentliche Steinhofer 1751 das Predigtbuch "Tägliche Nahrung des Glaubens". Bücher wie dieses fanden Eingang in den Buchbestand seiner Gemeindeglieder. Steinhofers Dettinger Kanzelreden bildeten den "Evangelischen Glaubens-Grund", ein mehrmals aufgelegtes Werk mit dem Untertitel der Erstausgabe "In der heilsamen Erkenntniß der Leiden Jesu Christi / aus den vornehmsten Umständen der heiligen Passions-Geschichte in XXIII Predigten". Das Buch erschien 1854 im Tübinger Verlag Christoph Heinrich Bergers und umfasste 564 Seiten.

Über die Entstehungsgeschichte des Werkes schrieb der Pfarrer, das ganze Buch sei "ein einiger Glaubens-Gedancke", den der Leser "unauslöschlich in seinem Herzen trage".

Johann Jacob Moser, der Steinhofers Sonn-, Fest- und Feiertagspredigten zu Liedern umschrieb, urteilte über Steinhofers Predigtstil: "Sein . . .Vortrag war vortrefflich, überzeugend und hinreißend". Tübinger Theologiestudenten kamen extra in die Ermstalgemeinde, um Steinhofer zu hören. Auch Johann Albrecht Bengel benutzte Steinhofers Bücher. Friedrich Christoph Oetinger schrieb 1751 in einem Brief: "Steinhofer hat in Dettingen eine Gemeinschaft errichtet, da ein Müller alle seine Leutchen unterhält."

Grabplatte in OwenFriedrich Christoph Steinhofer starb am 11. Februar 1761 in Weinsberg. In der Dettinger Wilhelm-Zimmermann-Gedenkstätte im Johann Ludwig-Fricker-Haus sind eine Reihe der herausragenden Steinhoferschen Schriften ausgestellt.

Ein steinernes Dokument bildet die Steinhofersche Grabplatte von 1759 an der Außenmauer des Owener Marienkirche, unweit des Grabes von Wilhelm und Louise Zimmermann. Der Text stammt wohl vom damals 53-jährigen Friedrich Christoph Steinhofer.

Die Schlusszeile des Owener Grabsteins ist aus den ersten drei Predigten von Steinhofers Dettinger "Glaubens-Grund" entnommen: "Ehre dem Gottes-Lamm, das uns erkauft hat von der Erde".