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Zähneknirschende Zustimmung im Ratsrund

Eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 310 000 Euro genehmigte der Kirchheimer Gemeinderat für die inzwischen abgeschlossene Kanaldurchpressung in der südwestlichen Alleenstraße. Als Grund für die hohe Überschreitung der für das Micro-Tunneling vorausberechneten Kosten werden nicht voraussehbare "schlechte geologische Verhältnisse" angegeben.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Dass es wohl keine Alternative zu einer zähneknirschenden Zustimmung geben könne, machte SPD-Fraktionschef Walter Aeugle deutlich, der zunächst die im Kirchheimer Ratsrund bekannte, bedauerlicherweise aber offensichtlich noch immer gültige Erkenntnis zitierte, dass es "vor der Hacke dunkel ist". Er räumte ein, dass bei der Kanaldurchpressung trotz vorliegendem geologischem Gutachten und entsprechender Voruntersuchungen der Untergrund im Bereich der Baumaßnahme offensichtlich unzählige und so wohl tatsächlich nicht vorherahnbare Überraschungen bereit gehalten habe. Nachdem aber längst "das Kind in den Brunnen gefallen" sei, zeigte er sich überzeugt davon, dass nun auch die zusätzlichen Kosten geschultert werden müssten.

Stadtrat Michael Holz von der Grünen Alternative tat sich angesichts der Höhe der zusätzlich entstandenen Zusatzkosten der Kanaldurchpressung schwer, die "Unwägbarkeiten im Untergrund" einfach so zu akzeptieren und zur Tagesordnung überzugehen. Schließlich müsse grundsätzlich darüber nachgedacht werden, wie mit solchen Situationen umzugehen sei, die sich schließlich auch bei anderen Tiefbaumaßnahmen trotz vorliegender Expertisen durchaus wiederholen könnten.

CDU-Stadtrat Siegfried Pöschl wollte dagegen eher "eine Lanze für Bauleitung und Verwaltung brechen". Die an bestimmten Punkten durchgeführten geologischen Probebohrungen und die darauf basierenden Aussagen der Gutachter bewertete der Tiefbaufachmann als "gut bis sehr gut", machte aber zugleich auch deutlich, dass man eben "leider Pech gehabt" habe, wenn wie hier geschehen direkt neben einer Stelle, an der Probebohrungen durchgeführt wurden, dann "völlig unerwartet anderes Material auftaucht".

Keinen Zweifel wollte der CDU-Stadtrat daher daran aufkommen lassen, dass die Ausschreibung völlig richtig war und es angesichts der höchst unerfreulichen Situation jetzt tatsächlich nur noch darum gehen könne, zu retten was zu retten ist. Mit der abschließenden Bewertung "schlimm, aber nicht vermeidbar," signalisierte er dann auch die Zustimmung der CDU-Fraktion zur Bereitstellung der erforderlichen Mittel.

Wie schon Siegfried Pöschl bestätigte anschließend auch Stadtrat Bernhard Most (FDP / KiBü) im Blick auf die höchst unerfreuliche finanzielle Situation, dass die zusätzlichen Forderungen der beauftragten und von den Unwägbarkeiten im Untergrund tatsächlich immer wieder überraschten Firma wohl nicht zu beanstanden seien. Er erinnerte aber zugleich auch daran, dass er vor dem hier gewählten Verfahren einer Kanaldurchpressung statt einer offenen Bauweise gewarnt habe. In Frage stellte er daher auch noch einmal, ob die angelaufene Maßnahme mit Beginn der ersten auftretenden Schwierigkeiten nicht doch noch hätte gestoppt werden können.

"Zähneknirschend und mit einer Faust in der Tasche" signalisierte anschließend Stadtrat Reinhold Ambacher die Zustimmung der Freien Wähler. Grundsätzlich überzeugt davon, dass die Unbotmäßigkeiten im Untergrund eigentlich doch hätten erkannt werden müssen, räumte aber auch er ein, dass man in einer solchen Situation "wie beim U-Bootfahren" vielleicht doch tatsächlich nicht voraussehen könne, was kommt.

Bei drei Enthaltungen wurde schließlich dafür votiert, die überplanmäßige Ausgabe für die Mehrkosten der Kanalbaumaßnahme in der südwestlichen Alleenstraße in Höhe von 310 000 Euro zu akzeptieren. Als Deckung wurde die erst im kommenden Jahr ausgabenrelevante Haushaltsstelle "Modernisierung Innenstadt Max-Eyth-Straße Beleuchtungskonzept" angegeben.