Lokales

Zahlen lassen die Fraktionen optimistisch in Zukunft blicken

Die Zeit zwischen den Jahren nutzten die Lenninger Gemeinderatsfraktionen, um ihre Stellungnahmen und Anträge zum Haushalt 2007 auszuarbeiten. Während der jüngsten Sitzung hatten die Fraktionsvorsitzenden des Wort.

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN Den Reigen eröffnete Karl Sigel für die Bürgerliche Wählervereinigung (BWV). Seine Partei und alle anderen Fraktionen auch rechnen mit einem stabilen wirtschaftlichen Aufschwung. "Die erfreulichen Zahlen geben Hoffnung, neue Wege zu begehen und mit Mut und Zuversicht neue Projekte zu verwirklichen", erklärte Karl Sigel. Mit Schrecken sind ihm jedoch die Fehlbeträge in den kommenden Jahren ins Auge gefallen, auch wenn Lenningen 2007 einen Überschuss von etwa 83 000 Euro erwirtschaftet.

In seiner Rede forderte der Fraktionsvorsitzende, dass für den Neubau einer Mehrzweckhalle Unterlenningen ein ganzheitliches Konzept für den gesamten Bereich erstellt werden soll samt Bahnübergang und Fußüberquerung. Erst danach sollte mit dem Bau begonnen werden. Der Planansatz könne deshalb ebenso gestrichen werden wie der für eine Ballspielhalle. "Zuerst sollte in einer Klausur-Tagung mit den Schulen und Sportvereinen der Bedarf für solch eine Halle geklärt werden auch im Hinblick auf ständig sinkende Kinderzahlen", so Karl Sigel.

Den eingestellten Betrag für den Spielplatz Buch will die BWV für die Erweiterung der Parkplätze an der Sporthalle und die Anlage eines Festplatzes an gleicher Stelle verwenden. Er bezweifelt, dass der Planansatz für die Unterhaltung von Gemeindestraßen ausreichend ist und wünscht darüber eine Beratung, ebenso in Sachen Feldwege. Ferner regte seine Fraktion die Umgestaltung des Heinrich-Scheufelen-Platzes im Zuge der Erneuerung der Leitung zwischen Hochbehälter Oberlenningen und Unterlenningen an. Wie alle anderen Fraktionen auch, ist die BWV für die Neubesetzung einer Bauhofstelle.

"Wir als Gemeinde sind nicht dazu da, Gelder anzuhäufeln, wohl aber anzusparen, um alle notwendigen Maßnahmen verwirklichen zu können", erklärte Wolfgang Tröscher für die Allgemeine Wählervereinigung (AWV). Er ist froh, dass die Zeit des großen Jammerns zumindest vorübergehend vorbei ist und auch Lenningen wieder optimistischer in die Zukunft blicken kann. Seine Fraktion fordert eine Liste der gemeindeeigenen Immobilien mit Renovierungsbedarf, damit entsprechende Entscheidungen getroffen werden können. Er unterstützt den Versuch zur Förderung von Mehrtagestourismus, nicht zuletzt im Hinblick auf die Themen Landschafts- und Vogelschutz.

Die Gemeindestraßen sind nach Ansicht von Wolfgang Tröscher nicht in bestem Zustand, abgesehen von den beiden Großprojekten bleibe nur Flickwerk. Der Ansatz müsste deshalb erhöht werden, ebenso der für die Feldwegeunterhaltung. Die AWV steht hinter Hochwasserschutz und Ganztagesschule und unterstützt grundsätzlich das Neubauvorhaben Turn- und Festhalle Unterlenningen, Voraussetzung dafür ist eine fundierte Kostenzusammenstellung. Eine Ballspielhalle lehnt die Fraktion zum jetzigen Zeitpunkt ab, ebenso aus Angst vor Vandalismus den Spielplatz Buch. Dieses Geld sollte stattdessen in den in Vergessenheit geratenen Festplatz an der Sporthalle investiert werden.

Der Freien Frauenliste Lenningen (FFL) liegen die familienpolitischen Themen am Herzen. "Grundschule mit Hort, Ganztagesschule, Stärkung der Vereine sowie betreutes Wohnen und andere Formen des Wohnens im Alter sind im Moment noch Visionen. Die Rahmenbedingungen dafür können erweitert werden und verschieden aussehen, vor allem aber müssen sie gemeinsam, passend für unsere Gemeinde ausgestaltet werden", erklärte Inge Kodera, für die die Grundlage der Zukunft jedoch klar die Kinder sind.

Ehrenamt setze Hauptamt voraus, weshalb die FFL eine Hilfestellung für die Mensa im Schulzentrum fordert. Geld beantragt die Fraktion auch zur Aufstockung der Sekretärinnenstunden in den Schulen, da zunehmend immer weniger Zeit für pädagogische Arbeit bleibe. Eine Lanze für die Musikschule will Inge Kodera ebenfalls brechen: "Der Neubau einer Turn- und Festhalle bei der Grundschule Unterlenningen könnte zu einem Kulturzentrum für Lenningen werden." In Bezug auf einen Generationen-Mix schlug sie statt eines Spielplatzes beim Seniorenwohnheim beim Jahnplatz für die zweite Bauphase Wohnungen für junge Familien vor. Ferner regte Inge Kodera an, ob interessierte Langzeitarbeitslose im Bauhof eingesetzt und Jugendliche monatlich eine Seite im Mitteilungsblatt zur Verfügung gestellt bekommen können.

Georg Zwingmann setzte seinen Schwerpunkt ebenfalls auf soziale Themen. "Wir sollten Geld auch in Entwicklungsprozesse investieren, deren Ausgang niemand mit Sicherheit voraussagen kann, die aber Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen in die Lage versetzen, Gestalter ihrer eigenen Zukunft zu sein", erklärte er. Mit dem Lenninger Netz sei beispielhaft begonnen worden, es stehe für die Neugestaltung des Generationenvertrags. Eine hauptamtliche Struktur fördere, unterstütze und sichere die ehrenamtliche Netzwerkarbeit. Nachdem sich 105 Eltern dazu bereit erklärt hätten bei der Mensa mitzuarbeiten, forderte Legal für die Küche eine Personalstelle mit 25 Wochenstunden, befristet auf zwei Jahre.

Sein Schlagwort lautete "Netzwerk familienfreundliches Lenningen", an dem Schulen, Familienbildungsstätte Kirchheim, Kreisjugendring Esslingen, Schulträger, Kindergärten, Elternbeiräte, Schülermitverantwortung und Gemeinderat beteiligt sind. Damit dieser Prozess in Gang kommt, wünscht sich Georg Zwingmann eine externe Beratung und Prozessbegleitung, ähnlich wie es bei technischen Vorhaben der Fall ist. Nach Ansicht von Legal sollten die Sekretariatsstunden und der Fortbildungsetat für Erzieherinnen erhöht werden. Ferner sollte die Gemeinde den "Lenninger Familientag" im Mai unterstützen und einen hohen Betrag im Haushalt einstellen, damit Ergebnisse bezüglich des Energiekonzepts schnell umgesetzt werden können.

"Für uns als Kommune stellt sich immer mehr die Frage, wie schaffen wir den Spagat zwischen der Notwendigkeit und dem Wunsch, die Gemeinde so weiterzuentwickeln und zukunftsmäßig zu gestalten, ohne dass die große Hypothek einer erdrückenden Schuldenlast uns handlungsunfähig macht", erklärte Dieter Beuttel von der UBL (Unabhängige Bürger Lenningen). Das Prädikat Lenningen als Schulgemeinde will er trotz hoher Investitionen erhalten und wegen der schlechten baulichen Substanz der Unterlenninger Halle eine rasche Entscheidung in dieser Sache. Seiner Meinung nach sollten Mittel für die "Zukunftswerkstatt familienfreundliche Kommune" eingestellt und ein Energiekonzept erstellt werden.

Die Sanierung des Oberlenninger Rathauses liegt Dieter Beuttel am Herzen, weshalb er eine terminliche Verschiebung nicht versteht. Die Unterbringung der Verwaltung in zwei verschiedenen Ortsteilen, bestehend aus drei Gebäuden und zwei Verwaltungsstellen, wertet er problematisch. "Die Infrastruktur muss teilweise mehrfach vorgehalten werden, bei Infovermittlungen treten Schwierigkeiten auf und beim Bürger herrscht Verwirrung", zählte er die Nachteile auf. Er wünscht sich daher, dass so früh als möglich die Effizienz der Verwaltung verbessert wird.