Lokales

Zahlreiche Schüler mit defekten Rädern unterwegs

Kein gutes Zeugnis konnte die Kirchheimer Polizei den radelnden Schülern ausstellen. Bei einer rund dreiwöchigen Aktion wurde die Verkehrssicherheit der Drahtesel überprüft. Und was sich da zeigte, veranlasste die Polizei, ihre Kontrollaktion im Dezember zu wiederholen.

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM Thomas Pitzinger, Revierleiter der Kirchheimer Polizei, zeigte sich sichtlich geschockt. Rund drei Wochen hatten seine Beamten die fahrradfahrenden Schüler rund um die Schulen kontrolliert und dabei erhebliche Verkehrsverstöße aufgedeckt. Rund 300 Fahrräder wurden bei dieser Aktion kontrolliert und 50 Prozent davon erhielten einen sogenannten Mängelbericht überreicht. Obwohl es zu Schulbeginn am frühen Morgen noch recht dunkel war, fuhren rund 75 Prozent der Schüler ohne Licht. Teilweise gab es an den Drahteseln gar keine Beleuchtung oder war die Lichtanlage defekt und, so Pitzinger, "manche waren einfach zu faul, um den Dynamo einzuschalten. Wir werden die Aktion deshalb im Dezember nochmals starten, die jungen Leute gefährden sich ja selbst", machte der Polizeibeamte klar.

Er will auch einen Appell an die Eltern richten, auf die "Vehikel" ihrer Kinder zu schauen. Dieser bezieht sich allerdings nicht nur auf die mangelnde oder gar nicht eingeschaltete Beleuchtung sondern auch auf andere Dinge. Zwar sei zum Beispiel keine Helmpflicht vorhanden, doch bei Unfällen zeige sich immer wieder, dass mit einem entsprechenden Schutz die Verletzungen wesentlich geringer ausgefallen wären. Pitzinger "kramt" in einer Statistik und die macht die großen Gefahren von nicht verkehrssicheren Rädern schnell klar. So gibt es im Jahr durchschnittlich über 70 000 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern. So war laut Statistik jeder siebte im Straßenverkehr Verunglückte und jeder elfte Verkehrstote ein Radfahrer. Zahlen, die neben den Schülern vor allem die Eltern aufschrecken sollten. Der Beamte macht klar, dass auch für Radfahrer die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung gelten. Hierbei ist vor allem das allgemeine Rechtsfahrgebot zu beachten, wenn vorhanden, müssen die Radwege benutzt werden und immer muss die Verkehrssicherheit des Rades gewährleistet sein.

Und auch hier musste die Kirchheimer Polizei bei ihren Kontrollen viel Unerfreuliches registrieren. Defekte Bremsanlagen wurden moniert, bei manchen "Vehikeln" konnte überhaupt keine Bremswirkung festgestellt werden und auch bei der verlangten "Zusatzausrüstung" wie weiße Frontrückstrahler, die sogenannten Katzenaugen, und vom Licht unabhängige Rückstrahler fehlten bei sehr vielen der Kontrollierten.

Wenn alle Faktoren zur Verkehrssicherheit eingehalten sind, dann macht Rad fahren Spaß und es ist zudem preiswert. Es entstehen keine Betriebskosten. Weder Treibstoff noch Versicherung oder Steuern müssen bezahlt werden. Und Radfahrer, so Pitzinger, erreichen ihr Ziel oft schneller als Autofahrer und Parkplatzprobleme gibt es bei den Zweirädern auch nicht. Und der sportlich ambitionierte Polizeibeamte weiß noch einen Grund für das Radeln: "Wer Rad fährt, lebt gesünder und außerdem schont der Radler Natur und Umwelt."

"Doch diese positiven Aspekte lasse ich nur gelten, wenn dann auch am Gefährt alles in Ordnung ist", betont Pitzinger. Um die Sache in den Griff zu bekommen, erhalten die beanstandeten Radler von den kontrollierenden Polizisten ein sogenanntes Fahrradkonrollblatt, auf dem alle Mängel aufgelistet werden. Notiert werden im Mängelfall Name und Adresse des Bikers und der Eltern, und wenn es sich um ein wirklich verkehrsunsicheres Gefährt handelt, dann darf es ab der Kontrolle auch nicht mehr benutzt werden. Nach diesem Mängelbericht muss das Rad innerhalb von 14 Tagen beim Polizeirevier vorgezeigt werden. Dort wird dann genauestens kontrolliert, ob die Mängel auch beseitigt wurden. Pitzinger macht auch noch klar, dass sogenannte Steckleuchten nach der Straßenverkehrsordnung eigentlich nicht zugelassen sind, dies allerdings werde von seinen Beamten nicht "so streng gesehen." Wird nämlich die Batterie schwach, kann es sein, dass man plötzlich gänzlich ohne Licht dasteht. Zuverlässig hilft hier nur eine Lichtanlage mit Dynamo.

Größtenteils akzeptierten die Schüler die morgendlichen Kontrollen der Polizisten, manche allerdings nur murrend. "Das ist doch nicht das Wichtigste, was die Polizei zu tun hat", moserte einer der Schüler. Aber das sind Ausnahmen, wissen die zur Kontrolle eingesetzten Beamten aus Erfahrung. Lachen können sie allerdings immer noch über mehr oder weniger clevere Ausreden der Betroffenen. "Das Lichtkabel ist gerade erst gerissen, die Lampe muss mir heute Nacht geklaut worden sein, mein Vater ist beruflich im Stress, hatte noch keine Zeit zur Reperatur, was, ich habe gar keine Lampe!?" Ob es im Dezember neue Ausreden gibt, darauf sind die Polizisten gespannt.