Lokales

Zeichen stehen nicht auf Veränderung

"Steigt die Gewerbesteuer oder nicht?" So lautet die haushaltsbestimmende Frage in Kirchheim. Die Zeichen im Gemeinderat stehen nach der Generaldebatte nicht auf Veränderung, ganz entgegen dem drängenden Ansinnen der Verwaltung. Dass alles beim alten bleibt, wünschen auch die Teilorte unter einem anderen Blickwinkel: Nabern und Jesingen bangen um ihre Ortschaftsverwaltungen.

ANDREAS VOLZ/IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Nabern hat seine Hausaufgaben gemacht", betonte Jürgen Hülß unter Verweis auf überplanmäßige Mehreinnahmen von einer Million Euro in der Braike. Er bezeichnete den "intakten Teilort" als "Erfolgsmodell". Entsprechend verdrossen zeigte sich der stellvertretende Ortsvorsteher daher, dass die Verwaltungsspitze weder den Beschluss des Gemeinderates zum Neubau der Gießnauhalle noch das "vertraglich eindeutig geregelte Recht der Bürgerschaft auf Beibehaltung der Ortschaftsverwaltung" respektiere. Die Idee, die Gießnauhalle über eine Genossenschaft zu finanzieren, überzeugt die Naberner nicht. Mit privaten Investoren sei nicht zu rechnen, die Vereine litten ohnhin finanziell unter der bevorstehenden Änderung der Besteuerung. Als "Anregung zum Wohle Kirchheims" empfahl Jürgen Hülß, entlang der Neuen Straße hinter dem Edeka-Markt in Nabern ein Kleingewerbegebiet auszuweisen, um so die Abwanderung von Betrieben aus Nabern und damit Kirchheim zu stoppen.

"Licht und Schatten" nahm Jesingens Ortsvorsteher Johannes Züfle wahr. Licht sehe man vor allem bei der schrittweisen Sanierung der öffentlichen Schulen und Kindergärten. Schatten dagegen gebe es im Hinblick auf die Nullrunde, die der Teilverwaltungshaushalt Jesingen nun einlege. "Dass nun aber quasi ganz das Licht ausgeknipst werden soll und Ortsvorsteher und Ortschaftsverwaltung abgeschafft werden sollen", prangerte Züfle heftig an. Auch er klagte über mangelnde Wertschätzung der Jesinger "Verrenkungen" um die Haushaltskonsolidierung in der Kernstadt. Licht erkannte Züfle jedoch zum Ende seiner Rede wieder: Durch die Aufnahme ins Landessanierungsprogramm bestünde für Jesingen die Möglichkeit, im Rahmen einer übergeordneten Planung gezielte Einzelmaßnahmen zu verwirklichen, etwa die Gestaltung der Ortsdurchfahrt.

Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik wollte sich dieses Mal die Hinweise auf den Bauzustand der Eduard-Mörike-Halle ersparen. Deshalb beließ er es bei folgendem drastischen Bild: "Schließlich gammelt die Halle unter aller Augen seit Jahren vor sich hin. Kommen dann die großen Kosten, hat es mal wieder keiner gewusst." Dem aktuellen Haushalts- und Finanzplan kann Kik nicht entnehmen, dass die Absicht, die Halle zu renovieren, sonderlich ernst gemeint sei. Ähnliches gelte für den Ötlinger Bahnhof. Auch hierfür seien einmal eingeplante Mittel im Finanzplan wieder ausgedünnt worden.

Außerdem fordert der Ötlinger Ortschaftsrat, den Bebauungsplan "Halde I" zu überarbeiten, um auch den Bau von Ein- oder Zweifamilienhäusern zu ermöglichen. Ebenso stellten die Ötlinger den Antrag, einen Kinderspielplatz für dieses Baugebiet zu planen. Unter anderem verwies Hermann Kik noch darauf, dass der Bauplatz am Rathaus aktiver vermarktet werden müsse, und dass die Nordwest-Tangente dringend nötig sei, um die Stuttgarter Straße in Ötlingen zu entlasten.

Dass sich die sprichwörtliche Bescheidenheit seines Ortsteils auch 2007 fortsetzen werde, kündigte Lindorfs Ortsvorsteher Manfred Haack an. Als Beispiel dafür trug er die Bitte vor, den neuen Hartplatz, "der sehr gut angenommen wird", noch mit zwei Hockeytoren und einfachen Sitzbänken auszustatten. Ein besonders wichtiges Anliegen für die Lindorfer ist die "maßvolle Erweiterung der Aussegnungshalle um zirka 40 Sitzplätze", weil bei Trauerfeiern ein Teil der Gäste immer im Freien stehen müsse. Für die Erweiterung der Ortsmitte bat Manfred Haack um die Unterstützung der Verwaltung, um die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm sowie um eine Überprüfung, ob und in welcher Höhe Fördermittel des Landes zu erwarten sind.