Lokales

Zeitgemäße Architektur passt ins Bild

Notzinger Gemeinderat gab grünes Licht für Bauprojekt in der Ortsmitte

Aller guten Dinge sind drei: Während die ersten beiden Vorschläge für die Bebauung auf dem gemeindeeigenen Grundstück in der Notzinger Ortsmitte nicht auf ein ungeteiltes Echo im Gemeinderat stießen, gab es nun große Zustimmung für den dritten Entwurf.

So könnte künftig die Ecke an der Hochdorfer und Ötlinger Straße in Notzingen aussehen.
So könnte künftig die Ecke an der Hochdorfer und Ötlinger Straße in Notzingen aussehen.

Notzingen. Das freie, sich im Gemeindeeigentum befindende Grundstück an der stark frequentierten Ecke Hochdorfer Straße/Ötlinger Straße in Notzingen stellt hohe Anforderungen an die Planer, das ist allen Beteiligten klar. Auch der Untergrund kann hier die eine oder andere Überraschung bereithalten, denn hier verläuft das alte Bett des Bodenbachs. Wegen der schwierigen Ein- beziehungsweise Ausfahrt und der daraus möglicherweise resultierenden Unbeliebtheit wollen die Architekten deshalb auf eine Tiefgarage verzichten, zumal sie das Projekt deutlich verteuern würde. Statt dessen wird es „normal“ unterkellert.

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Entscheidend ist jedoch, was überirdisch zu sehen ist. Und das fand breite Zustimmung im Ratsrund. „Wir wollen mit unserem Entwurf die Straßenkante stärken und die Häuser an den Bestand anpassen. Die Gebäude stehen selbstbewusst da – mit der Platzsituation an der Ecke und der Passage in den Hinterhof“, beschrieb Architekt Bertram Kiltz das Konzept, das er mit seinem Geschäftspartner Norbert Kazmaier entwickelt hat. Statt wie in den beiden vorangegangenen Plänen gibt es statt Flachdächern nun die mehrheitlich im Gemeinderat gewünschten Satteldächer. Zudem passen sich die Häuser mit jeweils zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss der umgebenden Bebauung an, sind sogar niedriger.

„Im Hinterhof ist Parken unter Bäumen geplant. Die Fläche kann sich zu einer Art Innenhof entwickeln, mit Sitzmöglichkeiten für die Bewohner“, führte der Architekt weiter aus. Die Häuser orientieren sich in Richtung dieses Hofs, der ruhigen Seite hin. „Nahezu alle Wohnungen sind barrierefrei und haben eine Größe von 45 bis 105 Quadratmetern. Dieser Mix ermöglicht generationenübergreifendes Wohnen“, so Bertram Kiltz. Im Erdgeschoss sind Gewerbeflächen angedacht, sei es eine Bäckerei mit Café und Außensitzplätzen oder Dienstleister. „Es ist ein völlig neues Konzept, das sich aus den Beratungen mit Professor Wolfgang Schreiber und den Anregungen im Gremium ergeben hat“, fasste der Architekt seine Präsentation zusammen.

Der Stadtplaner Wolfgang Schreiber ergriff nun seinerseits das Wort. „Die vielen Stadien, die wir durchlaufen haben, zeigen, dass es sich hier um ein nicht ganz einfaches Grundstück handelt. Es ist verlärmt, befindet sich in der gefühlten Ortsmitte und hat einen ungünstigen Zuschnitt, was keine beliebige Bebauung zulässt“, zählte er sämtliche Unwegbarkeiten auf und sparte nicht mit Lob für die nun gefundene Lösung: „Die Gebäude zeigen jetzt eindeutig ein gutes Gesicht. Die Architektur ist zum einen zeitgemäß und zum andern ins Ortsbild eingepasst – ein echter Gewinn für Notzingen.“

Der Stadtplaner sieht diese Planung als richtungs- und zukunftsweisend. „Irgendwann geht die Veränderung weiter. Der Winkel ist jetzt so gegeben, dass eine solide, städtebauliche Quartiersentwicklung möglich ist“, so seine Überzeugung. In diesem Zusammenhang sprach er den unverwechselbaren, einstigen Gasthof Hirsch an. „Das ist ein Pfundsgebäude. Es wäre gut, wenn es erhalten werden könnte“, erklärte Wolfgang Schreiber. Die benachbarte Scheune hält der Stadtplaner dagegen auf lange Sicht gesehen nicht für zwingend notwendig.

Mit der Planung zufrieden zeigte sich das Gremium, wenngleich weitere Anregungen kamen. Bürgermeister Sven Haumacher findet „das Ganze super“ und Herbert Hiller sprach den Architekten gar ein Kompliment aus. „Ich bin richtig begeistert, der Entwurf ist wirklich gelungen. Man sieht, es sind keine Häuser aus dem 19. Jahrhundert, aber sie fügen sich gut ein – es sind keine Flachdächer“, freute er sich. Er regte an, mit den Verantwortlichen der Arche zu sprechen, um zu erfahren, was sie für die Zukunft des einstigen Hirschs planen. „Wir brauchen in direkter Nachbarschaft keine zwei Cafés oder zwei Dorfplätze“, so Herbert Hiller. Der Verein „Die Arche – therapeutische Wohngemeinschaft“ ist Eigentümer des historischen Gebäudes.

Petra Grosch hält die Parkplatzsituation für schwierig. Dem hielt Bertram Kiltz entgegen: „Es gibt in beiden Straßen kein Parkverbot – und Tempo 30 auf der Landesstraße ist künftig ja möglicherweise ein Thema.“ Roland Böbel findet die Lösung mit dem Platz an der Ecke gelungen, da dadurch der Kreuzungsbereich übersichtlich bleibt. „Schade finde ich dagegen, dass der Innenhof an 15 Pkws ,verschwendet‘ wird“, brachte er wie Petra Grosch eine Tiefgarage ins Gespräch. Ins gleiche Horn bliesen daraufhin noch weitere Gemeinderäte, ehe Wolfgang Schreiber zu bedenken gab: „Eine Tiefgarage würde das Projekt um etwa 300 000 Euro verteuern. Ein Vollgeschoss haben wir schon rausgenommen – und damit sind wir jetzt bei der berühmten Wollmilchsau – doch irgendwer muss zahlen.“

Da die Gemeinde Notzingen nicht als Investor fungiert, wollen die Architekten in diesem Frühjahr in die Vermarktung gehen. „Die Entscheidung heute im Gemeinderat ist der Startschuss im neuen Jahr. Wir warten, wie sich das Interesse entwickelt, und machen dann weiter“, gab Bertram Kiltz die Marschroute vor.

Einstimmig stimmte der Gemeinderat am Ende der ausführlichen Beratung diesem Vorgehen zu.