Lokales

Zeitschaltuhr für die Kaffeemaschine

Der Esslinger OB trat ans Mikrophon und die Strahlkraft der Lampen im Bürgersaal des Alten Rathauses nahm merklich ab. Keine neue Energiesparmaßnahme, auch wenn es darum bei der Abschlussveranstaltung der dritten Ökoprofit-Runde ging. Jürgen Zieger und Landrat Heinz Eininger überreichten Vertretern von elf an diesem kreisweiten Projekt teilnehmenden Unternehmen das Ökoprofit-Siegel.

ELISABETH SCHAAL

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ESSLINGEN Als Firma die Umwelt entlasten und dabei noch Geld sparen das ist Ziel der jeweils auf ein Jahr angelegten Ökoprofit-Runden. Vor gut dreieinhalb Jahren von einer Esslinger Agenda-Gruppe um Initiatorin Elisabeth Nill gegründet, war deren Arbeit unter der Ägide der Stadt so erfolgreich, dass sich in der zweiten und dritten Runde auch Unternehmen aus dem Landkreis eingeklinkt hatten. Dieser stieg daraufhin ebenfalls in die Trägerschaft ein. Die Zahl aller bisher teilnehmenden Firmen hat sich auf 43 summiert.

Auf rund 768 000 Euro belaufen sich die jährlichen Einsparungen der elf Firmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser und Abfall sowie bei den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen. "Es wurde so viel Strom gespart, wie 4000 Vier-Personen-Haushalte jährlich verbrauchen. Und das eingesparte Wasser hätte für 275 900 Badewannenfüllungen zu jeweils 150 Litern gereicht", verdeutlichte Uwe Götz von der das Projekt begleitenden Münchner Firma Arqum, Gesellschaft für Arbeitssicherheits-, Qualitäts- und Umweltmanagement. An Papier und Kartonagen eingespart wurden fast 4500 Kilogramm, an Restmüll 40 000 Kilo: "Diese Effekte kommen weiterhin jedes Jahr zum Tragen. Das verdeutlicht, welche Erfolge man auch volkswirtschaftlich betrachtet durch Umweltmanagement erzielen kann", so Götz.

Viele der Verbesserungen der Einbau von Zeitschaltuhren an Kaffeemaschinen oder das Ersetzen der Warmhalteplatten mit Thermoskannen, die Umstellung der Kopierer auf doppelseitiges Drucken resultieren aus dem Erfahrungsaustausch mit den Partnerbetrieben. "Die Beteiligten mussten das Rad nicht neu erfinden", sagte OB Zieger. Er wisse, dass der Einstieg in eine umweltorientierte Unternehmensführung gerade für klein- und mittelständische Betriebe mit hohem Aufwand verbunden sei. Doch mit ihrer erfolgreichen Teilnahme am Projekt hätten sie bewiesen, "dass umweltgerechtes Handeln und ökonomische Realität nicht im Widerspruch stehen".

Ein Aspekt, den auch der Landrat hervorhob: "Mit diesem Projekt wird wirtschaftliches Interesse an einer Kosten sparenden Produktion oder Dienstleistung mit der realen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes verbunden." Nicht vergessen werden dürfe, so Eininger, dass die mit dem Titel "Ökoprofit-Betrieb" ausgezeichneten Unternehmen mit einem "Imagegewinn" belohnt würden.

Es habe sich nicht nur gezeigt, dass ökologisches Wirtschaften profitabel sei, sagte Anke Ziesenis von der Agenda-Gruppe Ökoprofit. Vielmehr würden Kosteneinsparungen unter dem Strich auch "einen wichtigen Beitrag zur Standort- und Arbeitsplatzsicherung leisten". Sie lobte, dass viele der Maßnahmen von den Ideen und der konsequenten Umsetzung durch die Mitarbeiter leben: "Besonders motivierend waren die ersten Aha-Erlebnisse, wenn etwa Energieräuber ertappt wurden."

Ihr Team hoffe, dass Ökoprofit weiterlaufe. Derzeit werde versucht, die evangelische und die katholische Gesamtkirchengemeinde Esslingen für eine neue Runde zu gewinnen. Zustimmendes Kopfnicken war bei den zahlreich erschienenen Firmenvertretern auszumachen, als einer bei der Vorstellung der einzelnen Projekte das Engagement so zusammenfasste: "Es hat mich sehr erstaunt, wie einfach und mit wie wenig Geld sich viel Geld sparen lässt und man damit auch noch etwas für die Umwelt tun kann."

Im Ökoprofit-Klub 2005 sind aus dem Verbreitungsgebiet des Teckboten die Firmen GO Druck Media Verlag und das Autohaus Schmauder aus Kirchheim vertreten. Sie gehören zu den Betrieben, die im Anschluss an das Einsteigerprogramm weiterhin an Umweltthemen dranbleiben und am Erfahrungsaustausch interessiert sind.