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"Zeitung in der Schule denn: Lesen macht kluch"

Das Projekt "Zeitung in der Schule" hat begonnen. In 22 Schulklassen im Verbreitungsgebiet gehört die Zeitung wieder zur Pflichtlektüre. 1168 Schüleraugen blicken von heute an jeden Morgen intensiv in den Teckboten. Bis Weihnachten haben die Schülerinnen und Schüler Zeit, sich an das tägliche Lesen zu gewöhnen und zu lernen, dass diese Pflicht wirklich Spaß macht.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Sinn und Nutzen des Projekts "Zeitung in der Schule" kurz "ZiSch" genannt lässt sich in

(O:21070320.JP_drei Worten erklären: "Lesen macht kluch." Diese Devise gab Dr. Winfried Spiegel vom Aachener IZOP-Institut den Lehrkräften beim vor-bereitenden Einführungsseminar in schriftlicher Form mit auf den Weg. Und wenn die Schüler klüger werden, dann haben auch die Lehrer was davon. "Das ist zwar kein materieller Gewinn, dafür aber ein ideeller", sagte Spiegel im Manfred-Henninger-Saal der Kreissparkasse in Kirchheim: "Sie tun etwas für das Lesen, und Sie tun Ihren Schülerinnen und Schülern etwas Gutes, Sie geben Ihnen etwas fürs Leben mit."

Was die Schüler bei "ZiSch" lernen sollen, haben sie in der Regel schon nach wenigen Tagen verinnerlicht: Es geht hauptsächlich um das "selektive Lesen". Das bedeutet nichts weiter, als dass kein Zeitungsleser die Zeitung von vorne bis hinten komplett durchlesen würde. Jeder pickt sich das heraus, was ihn auch wirklich interessiert. Das Interesse kann durch die Überschrift geweckt werden, durch ein Bild, durch das Thema allgemein oder durch die Rubrik. Selbst wer nur den Sport liest und alles andere mehr oder weniger schnell überblättert, hat für sich genommen alles richtig gemacht. Es gibt in der Zeitung keinen "Pflichtteil", den alle lesen müssen. Für die Auswahl der zu lesenden Artikel gilt allein die Devise: "Erlaubt ist, was gefällt." Das bedeutet natürlich auch, dass es erlaubt ist, alles wegzulassen, was einem nicht gefällt.

Für die aktiven "ZiSchler" bietet sich außerdem die Gelegenheit, selbst zu bestimmen, was gefällt und was deshalb auch in der Zeitung stehen soll. Zum einen schwärmt jede Klasse für sich aus, um bei einer "außerschulischen Lehr- und Lernveranstaltung" auf Recherche zu gehen. Was die Schüler dann in der Kantinenküche, im Gespräch mit Deutschlands Sprintstar Tobias Unger, in den Katakomben des Hallenbads oder aber bei Polizei und Feuerwehr sehen und erleben, fassen sie in eigenen Artikeln zusammen. Der Teckbote veröffentlicht diese Artikel möglichst zeitnah auf speziellen "ZiSch"-Seiten.

Die zweite Aufgabe für jeden Schüler und jede Schülerin trägt den Namen "Langzeitarbeit": Dabei sammeln alle über den gesamten Projektzeitraum hinweg Artikel, die zu einem Thema eigener Wahl in der Zeitung erscheinen. Das können Naturkatastrophen sein, die Nachwehen der Bundestagswahl oder auch die Binnenschifffahrt auf dem Neckar. Diese Artikel werden zusammengestellt und ausgewertet. Für die besten drei Arbeiten hat die Stiftung Kreissparkasse einen Geldpreis ausgelobt. Sofern sich die Ergebnisse in Artikelform darstellen lassen, finden die Gewinner ihre Langzeitarbeiten ebenfalls auf einer "ZiSch"-Seite im Teckboten wieder.

Ob sich die Schüler Themen aussuchen wie den Tourismus in Sibirien, die Agrarsubventionen der EU, die Kartenvergabepraxis bei der Fußball-WM, die Entwicklung der Spritpreise oder aber die Teckboten-Weihnachtsaktion es werden in jedem Fall vielfältige neue Interessen geweckt. Aus Erfahrung wusste Winfried Spiegel beim Einführungsseminar zu berichten: "Wir bekommen viele Arbeiten, bei denen die Lehrer kommentieren: ,Der hat sich vorher noch nie für so etwas interessiert."

Die Zeitung kann sogar neues Interesse am Unterrichtsstoff wecken. So nannte einer der Lehrer beim Vorbereitungsseminar folgenden Grund, warum er "ZiSch" anbieten möchte: "Ich will den Schülern klarmachen, dass das, was im Lehrplan steht, sich fast täglich in der Zeitung widerspiegelt." Lernen fürs Leben und nicht für die Schule dieser Devise folgt auch ein anderer Lehrer, der "ZiSch" in seiner Abschlussklasse anbietet: "Die Schüler wollen bald einen Beruf ergreifen. Da müssen sie schon in der Schule lernen, wie wichtig das Zeitunglesen ist."