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"Zen in der Kunst, Fugen in einer Leichtigkeit auf der Gitarre zu spielen"

OWEN Nachdem der Owener Gitarrist und Komponist Georg Lawall im vergangenen Jahr seine Gedanken zur Musik und zu ihren interdisziplinären, globalen und kosmischen

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ANDREAS VOLZ

Zusammenhängen in seinem Gitarrenlehrbuch "Die Coole Schoole" veröffentlicht hat, widmet er sich in seiner neuesten Produktion wieder ganz der musikalischen Praxis: Im Sommer hat er "die schönsten und besten Stücke der klassischen Musik" exemplarisch auf der Gitarre eingespielt und auf CD gebannt.

Mit "Fantasias", "Fugas" und "Sonatas" sind drei dieser Werke nach den entsprechenden Gattungen benannt. Die vierte CD ist mit "Guitar Recital" betitelt und verspricht in etwa das "best of", was sich Georg Lawall überhaupt nur denken kann von den schönsten Stücken also die allerschönsten und wohl auch die bekanntesten. Allerdings möchte er noch ein bisschen daran herumfeilen und die unverwüstlichen Evergreens "Für Elise" und "Halleluja" dazupacken, sodass der Charakter der "Zugaben-Highlight-CD" noch besser zur Geltung kommt.

"Das Werk ist so lange im Wandel begriffen, bis es veröffentlicht wird", sagt Georg Lawall zur Philosophie seines Schaffens, die er bei der "Coolen Schoole" bereits genauso angewandt hat und immer noch anwendet. "Der Deal mit einer großen Firma ist noch nicht unter Dach und Fach": Auch mit seinem Vertriebssystem bleibt der Owener Gitarrenvirtuose also seiner eigenen Methode treu. So kann er "handgestrickt" auch Wunsch-CDs zusammenstellen, auf denen beispielsweise nur Sor-Stücke oder nur eigene Kompositionen zu hören sind. Das wiederum ist der Vorteil des Eigenverlags: "So etwas kann man mit kleinen Stückzahlen eben machen."

Fernando Sor, Georg-Friedrich Lawall und sein "Namensvetter" Georg Friedrich Händel sind die Komponisten, die in den vier Stunden CD-Gitarrenmusik am häufigsten vorkommen, oft auch in speziellen Bearbeitungen durch den komponierenden Solisten. In einem Fall hat er nicht nur Präludium und Fuge von Händel für Gitarre bearbeitet, sondern auch gleich noch ein eigenes Maestoso davorgestellt "im Stile Händels, da war ich so frei. Ich dachte, da muss einfach was hin".

Für Georg Lawall ist das keine Respektlosigkeit vor den großen Kollegen aus vergangenen Jahrhunderten, sondern viel eher eine kongeniale Art der Ehrerbietung. "Händel zitiert sich selbst auch immer wieder. Und wer es nicht weiß, der würde bei dem Maestoso sagen: ,Das ist ein typisches Händel-Intro.' Die haben damals alle improvisiert. Und außerdem haben sie ja nicht für die Ewigkeit gearbeitet, sondern für den Tagesbedarf." Händel selbst schreibe, dass es Kopien "seiner" Werke gebe, die er gar nie geschrieben habe. Lawall sieht darin einen Zusammenhang zwischen Erfolg und Misserfolg zu Lebzeiten: "Wer weniger Erfolg hat, wird seine Arbeiten sauberer editieren. Händel hatte viel zu wenig Zeit. Er wäre gar nicht dazu gekommen, so etwas wie ,Die Kunst der Fuge' zu schreiben."

Damit kommt Georg-Friedrich Lawall auf Johann Sebastian Bach zu sprechen, von dem er ebenfalls Fugen aufgenommen hat. Die "Fugas"-CD trägt den Untertitel "Zen in der Kunst der Fuge". In Anlehnung an den berühmten Herrigel-Titel "Zen in der Kunst des Bogenschießens" schreibt der Owener im Beilagentext: "Oft genug habe ich im Unterricht auf die Querverbindung von Pfeil und Bogen und Gitarre hingewiesen. Die exakten Lautstärken und Register der Dynamikpunkttechnik korrespondieren mit Weite und Sehnenspannung. Auch die ersten Saiteninstrumente waren vom Bogen inspiriert."

Das Paradoxe am Zen in der Kunst des Bogenschießens beschreibt Georg Lawall folgendermaßen: "Der Bogen ist ja mit Kraft gar nicht zu spannen, sondern nur mit absichtslosem Willen." Entsprechend ist es für ihn das höchste Ziel in der "Kunst, Fugen auf der Gitarre zu spielen", die Musik so darzustellen, dass sie einfach läuft wie eine Spieluhr. Die Zuhörer sollen keinesfalls den Eindruck haben, dass da Arbeit dahintersteckt. "Die Musik ist dann nur Musik. Das schwerste, was es überhaupt auf der Gitarre gibt, besteht darin, das polyphone Spiel in einer Leichtigkeit zu spielen, als ob es gar nicht schwer wäre."

So erinnert sich Georg Lawall immer wieder gern daran, dass schon vor rund 20 Jahren ein Kritiker, der für eine große deutsche Tageszeitung schrieb, im Tonstudio nachgefragt habe, ob es bei seinen Aufnahmen auch mit rechten Dingen zugegangen sei. "Man ist erstaunt, dass es auf der Gitarre möglich ist, so viele Töne im richtigen Tempo zu spielen. Viele sagen vorschnell: ,Das geht auf der Gitarre halt nicht besser.'" Lawall geht es aber speziell darum, die unterschiedliche Dynamik auf der Gitarre exakt herauszuarbeiten. Er vergleicht das mit einem plastischen Bild, bei dem Licht und Schatten streng gegeneinander abgesetzt sind: "So ist das hier mit der Dynamik."

Für Georg Lawall gibt es einen großen Unterschied zwischen "Musik machen" und "Töne produzieren". Er versucht, eine "kulturelle, ganzheitliche Haltung" und einen "Sinn für Tiefgang" zu vermitteln. Als Gitarrist setzt er sich deshalb vor allem für den katalanischen Komponisten Fernando Sor ein, der hauptsächlich für seine Gitarrenwerke berühmt ist. "Dabei war Sor in seiner Zeit der erfolgreichste Ballettkomponist. Mit ,Cendrillon' hat er in dieser Gattung das epochale Werk der Vorromantik geschaffen." Allein in der Oper hatte er keine Chance, sich einen Namen zu machen, weil Meyerbeer damals die Pariser Szene beherrschte. Sor erhielt keine Kompositionsaufträge.

Mit seinen Orchesterwerken sei Sor auf der Höhe seiner Zeit gewesen "so gut wie Cherubini". Was ihn aber als Komponist einmalig macht, das ist seine Gitarrenmusik. "Für dieses Instrument gibt es aus der Zeit und in den Jahrhunderten davor und danach nichts Besseres", konstatiert Georg Lawall. Für seine Beschäftigung mit Fernando Sor gilt folglich im Besonderen, was der Owener über seine neuesten Einspielungen generell zu sagen hat: "Die CDs sind Produkte jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit der Gitarre und der Musik. Was macht man lieber, als das weiterzugeben?"

INFOGeorg Lawalls CDs sind telefonisch unter 0 70 21/5 56 34 und per E-Mail unterinfo@georg-lawall.de zu bestellen oder aber "in ausgewählten Läden in Kirchheim" erhältlich. Im Konzert ist Georg Lawall am heutigen Freitag um 19.30 Uhr in Eisslers Scheune in Lichtenwald zu erleben und am Sonntag, 20. November, um 19 Uhr in der katholischen Kirche Sankt Mariae in Oberlenningen.