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Zerbrechliche Drahtgebilde und großer malerischer Impetus

KIRCHHEIM Zwei Kirchheimer Künstler, Boba Cvorkov und Gust Dunz, stellen derzeit auf Einladung des Kunstvereins im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im

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FLORIAN STEGMAIER

Kirchheimer Kornhaus Facetten ihres vielfältigen künstlerischen Schaffens aus.

In den Arbeiten von Boba Cvorkov Zeichnungen und Drahtobjekte, auf seine großformatigen Malerein hat der Künstler bewusst verzichtet scheint vor allem der lineare Duktus die entscheidende künstlerische Schnittmenge zu sein. Gerade beim Betrachten der Zeichnungen fühlt man sich an die bereits in der Renaissance ausführlich diskutierte Ambivalenz von "segno" und "colore", von Linie und Farbfläche erinnert.

Dieser lineare Duktus spricht in seiner Entschiedenheit, seiner bewussten und willentlichen Setzung unweigerlich den Verstand des Betrachters an, wohingegen die buntfarbigen Flächen es dominieren Gelb- und Orangetöne mehr die Gefühlsebene berühren und zugleich Räume zu eröffnen scheinen, in denen die teils fragilen, organisch anmutenden Formen zu schweben und zu schwingen beginnen. Zwei scheinbar konkurrierende Prinzipien, die sich aber in den grafischen und malerischen Arbeiten von Boba Cvorkov zu einer geglückten Einheit aufheben.

Auch in seinen Drahtobjekten greift sich die Linie Raum, weitet ihre Dominanz ins Dreidimensionale aus. Bemerkenswert, gerade bei den plastischen Arbeiten, ist das Mit- und Ineinander-Verwoben-Sein von organischer und anorganischer Form. Kraft seines sensiblen und souveränen künstlerischen Zugriffs haucht Cvorkov seinen auf den ersten Blick skelettartigen, zerbrechlichen Drahtgebilden eine beeindruckende Dynamik und Vitalität ein.

Beim zweiten Künstler der Ausstellung Gust Dunz steht die Auseinandersetzung mit Landschaft zwar nicht ausschließlich, dennoch gewichtig im Mittelpunkt seines aktuellen Schaffens. Dunz verspürt eine ausgeprägte Affinität zum mediterranen Raum und dessen landschaftlichen und kulturellen Reichtum. Vor diesem Hintergrund sind etwa die Zypern-Serie oder die Andalusien-Serie zu sehen. Die Landschaft und die andere Qualität des Lichts prägt die Wahl der Farbigkeit. Es dominieren satte, erdige Farbtöne. Die Bilder von Dunz sind ruhige Welten. Ruhig, jedoch nie ereignisarm oder statisch. Ihre Dramatik und Energie erschließt sich manchmal erst auf den zweiten Blick, was sie umso reizvoller macht. In den meisten seiner Arbeiten auf Papier bündelt er die Farbe zu intensiven, kompakten Feldern. Ein ausgesprochener Drang, Dichte ins Blatt zu bringen, wird spürbar.

Mit einem genuin zeichnerischen Medium, nämlich trockener Pastellkreide geht Dunz in die Fläche und trägt auf diese Art einen großen malerischen Impetus in die Arbeit hinein. Zum Faszinosum der Farbe gesellt sich somit der Reiz am kreativen Umgang mit geometrisch fassbaren Formen, die der Künstler mit sensiblem und sicheren Gespür für Komposition fein austariert ins Bild setzt.

Neben den erwähnten mediterranen Remineszensen begegnen in der Ausstellung auch Landschaften, die nicht mehr geografisch zu verorten sind, sich vielmehr mit dem Ur-Bild von Landschaft auseinandersetzen, mit der grundsätzlichen Situation einer Trennung von Oben und Unten mittels eines letztlich imaginären Horizonts. Dieser Horizont wird bei Gust Dunz gern zum "Ereignis-Horizont", dadurch nämlich, dass das Aufeinandertreffen von Oben und Unten nicht immer ganz glatt und friedlich verläuft, vielmehr greifen die Sphären auch durchaus dramatisch ineinander. So entstehen in diesem Grenzbereich Andeutungen vielleicht von Topografie, vielleicht von Spuren menschlichen Tuns , die sich ganz bewusst einer eindeutigen Klärung verweigern.

Für eine ansprechende musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung sorgte Barockviolinist Bernhard Moosbauer, der auch am kommenden Mittwoch, 22. Februar, um 19.30 Uhr mit seiner literarisch-musikalischen Soirée "La Serenissima" im Kornhaus zu Gast sein wird.

Die Ausstellung "Boba Cvorkov/Gust Dunz Malerei, Zeichnung, Drahtobjekte" ist noch bis Sonntag, 12. März, zu sehen.