Lokales

Zerstörung mit Ansage: Genmaisfeld heimgesucht

Das mit gentechnisch verändertem Mais bepflanzte Versuchsfeld der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen beim Hofgut Tachenhausen wurde am Pfingstmontagmittag von bundesweit agierenden Genversuchsgegnern zerstört. Hochschul-Professor Dr. Andreas Schier beziffert den dadurch entstandenen Schaden auf rund 50 000 Euro.

VOLKER HAUSSMANN

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OBERBOIHINGEN Ein zufällig vorbeikommender Radfahrer hat laut Pressestelle der Polizeidirektion Esslingen gegen 14 Uhr das zerstörische Treiben auf dem im Gewann Rübholz gelegenen Versuchsfeld beobachtet und die Polizei alarmiert. Die Ordnungshüter rückten mit acht Streifenwagen an und beendeten die Zerstörungsaktion der 21 Genversuchsgegner, die auf dem knapp ein Hektar großen Feld Maispflanzen ausrissen und niedertrampelten. Nachdem sie den Beamten ihre Personalien angegeben hatten, zogen die Aktivisten friedlich ab. Die Staatsschutz-Abteilung der Esslinger Kripo hat die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen.

Zu der Aktion bekennt sich die Gruppierung "Gendreck weg", die im Jahr 2005 ins Leben gerufen worden war und aus ihrer Absicht, Genmaisfelder zu zerstören, indem die Aktivisten Pflanzen ausreißen, keinen Hehl macht. Zur Vorgehensweise von Gendreck weg gehört, dass die Aktionen auf der Homepage der Gruppe angekündigt werden. Auch die Aktion in Oberboihingen stand im Internet, und zwar mit folgendem Wortlaut: "In Oberboihingen wird es am Pfingstmontag eine Feldbegehung geben. Um 13 Uhr haben einige Menschen angekündigt, am Bahnhof Oberboihingen bei Nürtingen zu einem von mehreren Genmais-Feldern in der Nähe aufzubrechen."

Die Ankündigungspraxis der Gruppe ist Professor Schier, wie er sagt, bekannt, auch die Polizei habe er bereits auf die "Gendreck weg"-Internetseite aufmerksam gemacht. Die Beamten fahren laut Schier regelmäßig Streife am Versuchsfeld. Die Pfingstmontagsaktion scheint dennoch weder bei der Hochschule noch bei der Polizei registriert worden zu sein, denn es wurde offenkundig kein Versuch unternommen, das Feld vor den Aktivisten zu schützen.

Der bei der Aktion entstandene Schaden ist beträchtlich. Professor Schier veranschlagt ihn auf 50 000 Euro. Zwar seien nicht alle Pflanzen ausgerissen oder zertrampelt worden; durch die teilweise Zerstörung sei jedoch ein Vergleich der einzelnen Versuchsglieder untereinander nicht mehr möglich und damit der Versuch voraussichtlich komplett zerstört, befürchtet Schier. Erst Ende April war auf dem 0,9 Hektar großen Versuchsfeld, das mittlerweile näher an den Wald gerückt wurde, das gentechnisch veränderte Saatgut der Firma Monsanto ausgesät worden. "Der Versuch stand super da", macht Schier seinem Ärger über die Zerstörung Luft.

Nicht zum ersten Mal steht der Nürtinger Hochschul-Professor vor einem zerstörten Versuchsfeld. Seit elf Jahren laufen an der Hochschule Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Zuerst waren es Zuckerrüben, seit einigen Jahren ist es Mais. Fünf Mal wurde das Versuchsfeld bereits von Genversuchsgegnern heimgesucht, das letzte Mal vor zwei Jahren.

Schier lässt sich dennoch nicht beirren. Das Versuchsfeld gehört im Rahmen der praxisnahen Ausbildung der Hochschule zum Unterricht. Auch im nächsten Jahr will er deshalb wieder seinen Genmais pflanzen.

Für die Pflanzen ausreißenden und Felder zertrampelnden Genversuchsgegner hat Schier überhaupt kein Verständnis. "Wir halten uns an Gesetze und Vorgaben. Doch was hilft's? Die Versuche werden zerstört." Ganz besonders stört ihn die Praxis von "Gendreck weg", die Aktionen vorher anzukündigen. "Dieser öffentliche Aufruf zur Zerstörung ist ein Skandal", findet er.