Lokales

Zeugen erscheinen nicht

Im Frickenhausener Türsteher-Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht (wir berichteten), gibt es bereits am zweiten Verhandlungstag erste logistische Probleme. Rund zwei Drittel der geladenen Zeugen sind verhindert, wollen nicht kommen oder befinden sich im Urlaub. Zähneknirschend musste die siebte Strafkammer das gestrige Beweisprogramm straffen.

BERND WINCKLER

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FRICKENHAUSEN Sollte sich die Anklage gegen die drei beschuldigten Frickenhausener Ex-Türsteher bestätigen, dann drohen ihnen hohe Haftstrafen. Allein die angeklagte schwere räuberische Erpressung wird mit der Mindeststrafe von fünf Jahren bedroht. Dazu kommen dann laut Anklage noch "Nötigungen, versuchte räuberische Erpressungen, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Rauschgifterwerb". Alles Vorwürfe, die zwei der Türsteher von sich weisen, wobei der dritte schweigt.

Zeugen könnten da weiterhelfen, vor allem um die Vorgänge vom Juli 2004 in der Diskothek "Skaylab" in Frickenhausen. Da sollen die Angeklagten den Inhaber krankenhausreif geprügelt haben, weil er die Türsteher gegen andere austauschte. In Türsteher-Kreisen gelten solche Praktiken von Diskotheken-Betreibern als "unfair", wie es einer von ihnen ausdrückte, die Fausthiebe und Fußtritte gegen den Chef bestreitet er aber: Man habe nur mit ihm geredet und dann sei lediglich eine Ohrfeige verpasst worden. Dass das Opfer dabei mit dem Kopf auf den harten Boden aufschlug, will man nicht beabsichtigt haben.

Doch die Zeugen hierzu sind noch nicht parat. Richter Heinz Layher stellte am gestrigen zweiten Verhandlungstag fest, dass sich viele der geladenen Zeugen entschuldigt haben. Von einigen ist bekannt, dass sie sich im Ausland aufhalten. Hier bestehe die Möglichkeit, dass sie gar nicht erscheinen: "Wir können einen Zeugen in Wien nicht verpflichten, hierherzukommen", sagte der Richter gestern. Doch gerade dieser Zeuge soll einige der Vorgänge in Frickenhausen beobachtet haben. Ebenso die Vorwürfe eine Diskothek in Stuttgart betreffend, die die Angeklagten laut Beschuldigung gewaltsam als Türsteher übernehmen wollten. Dafür habe man Gäste provoziert und dem Inhaber einen Fausthieb ins Gesicht verpasst.

Bei einer Echterdinger Diskothek sollen die Angeklagten einem Kellner mit Faustschlägen die Nase gebrochen haben, um zu bewirken, dass vorhandene Türsteher entfernt und sie selbst eingestellt werden.

Zunächst wartete das Gericht gestern auf den Auftritt des ersten Zeugen. Weil er nicht auftauchte wurde erneut eine Prozesspause eingelegt. Auf diese Weise sind die Juristen gezwungen, Verhandlungstage bis zum Jahresende einzuplanen, was das Verfahren verteuert. Schon jetzt ist im Gespräch, gegen unentschuldigt ausbleibende Zeugen Ordnungsgelder zu verhängen. Können oder wollen sie diese Strafen nicht zahlen, droht ihnen Ordnungshaft. Doch mit einer solchen Drohung will Richter Layher derzeit noch nicht aufwarten. Er hoffe auf die Vernunft der geladenen Zeugen, sagte er.

Der Prozess geht am 16. August weiter.