Lokales

Zeugin verstrickt sich in Widersprüche

Angeklagter bestreitet weiterhin sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung

Nach wie vor beteuert ein 43-Jähriger aus Nürtingen vor dem Stuttgarter Landgericht seine Unschuld. Er soll seine siebenjährige Stieftochter und eine 15-jährige Cousine sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Die Cousine verstrickte sich am zweiten Prozesstag in erhebliche Widersprüche, weshalb der Anwalt des Beschuldigten davon ausgeht, dass die heute 21-Jährige lügt.

Bernd Winckler

Stuttgart/Nürtingen. Beinahe wäre es am gestrigen zweiten Prozesstag gegen den 43-Jährigen vor der Großen Jugendschutzkammer des Landgerichts zum Eklat gekommen, als die Zeugin schilderte, wie sie angeblich von dem Angeklagten im Dezember 2001 in einem Waldstück zwischen Oberlenningen und Kirch­heim vergewaltigt wurde. Es sei dabei keinesfalls von einem einverständlichen Sex die Rede gewesen, sagte die Zeugin aus, verstrickte sich aber bei Rückfragen in heftige Widersprüche hinsichtlich Tatort und Tatzeiten.

Schließlich musste sogar der Vorsitzende Richter die Zeugin darauf hinweisen, die Wahrheit zu sagen. Die Angaben der jungen Frau sind deshalb von großer Wichtigkeit für die Juristen, weil der Angeklagte behauptet, er habe zwar Sex mit ihr gehabt, aber alles sein einvernehmlich geschehen. Die Richter der Kammer räumten der Zeugin 20 Minuten Pause ein, um sich noch einmal genau zu überlegen, was die Wahrheit sei.

Dann aber beschloss die Strafkammer, die Zeugin gestern nicht mehr zu vernehmen und sie erst wieder am nächsten Verhandlungstag, dem kommenden Dienstag, 11. November, in den Zeugenstand zu rufen. Bis dahin habe sie Zeit, sich mit ihrem Rechtsanwalt zu beraten. Hingegen geht der Verteidiger des Angeklagten davon aus, dass die Zeugin vor Gericht eindeutig „gelogen hat“!

Die Stieftochter des Angeklagten Nürtingers hat indes ihre Aussage in dem Verfahren bereits ganz hinter sich. Die heute 16-Jährige bestätigte den Richtern das, was in der Anklageschrift steht. Dass sie nämlich als Sechsjährige erstmals von dem Beschuldigten in der Nürtinger Wohnung sexuell missbraucht wurde. Auch das bestreitet der Angeklagte energisch und gibt an, dass er das Kind niemals angerührt habe. Er habe sie wie eine eigene Tochter behandelt und sich in keiner Weise an ihr vergangen.

Möglicherweise werden die Richter der Jugendschutzkammer als Hilfe für die wirkliche Wahrheitsfindung einen psychologischen Gutachter einschalten, der dann ein sogenanntes „Glaubwürdigkeitsgutachten“ über die Zeugin erstellen soll. Sollten die Zeugen allerdings bei ihren Beschuldigungen bleiben, will der Verteidiger den Antrag auf ein solches Gutachten stellen.