Lokales

Ziel: Begegnungsstätten verschiedener Kulturen

Die Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände möchte verstärkt eine Offensive starten, damit sich deutsche und ausländische Jugendliche in den Jugendhäusern besser begegnen und kennen lernen können. Ein Arbeitskreis des Kreisjugendrings Esslingen KJR bemüht sich zur Zeit "Integrationsleitlinien" zu erarbeiten.

KREIS ESSLINGEN Bei seinem kürzlich im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Esslingen vorgelegten Jahresbericht räumte der Kreisjugendring ein, dass es in seinen Einrichtungen durchaus noch Nachholbedarf in Sachen Integration von Jugendlichen mit ausländischer Herkunft gibt. Deshalb möchte die Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände im Herbst verstärkt eine Offensive starten, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

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Es gibt Jugendhäuser im Landkreis, deren Besucher und Besucherinnen spiegeln ziemlich exakt die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung wider. Aber es gibt auch Einrichtungen, in die nur überwiegend Jugendliche mit ausländischem Namen kommen. Das stört diese in der Regel nicht. Aber derentwegen kommen keine deutsche Jugendliche. Warum eigentlich? Es gibt viele Gründe: neben Musikvorlieben und unterschiedlichen Ausdrucksformen in der Freizeit, ist der Wichtigste aber wohl der, dass sie in der Regel schon in der Schule frühzeitig voneinander getrennt wurden und es auch bleiben.

Nun sagen alle Fachleute, dass gerade Deutschland auf eine gedeihliche Integration angewiesen sei, weil es nun mal ohne Zuwanderung nicht auskomme. Ganz aktuell muss auch im Landkreis Esslingen davon ausgegangen werden, dass diejenigen, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, zu dieser Zielgruppe zuzurechnen sind, die auch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden dürfen. Da sind Konflikte vorprogrammiert.

Ein schwieriges Unterfangen, wenn nicht einmal Einigkeit darüber herrscht, was Integration eigentlich bedeutet. Für die meisten Experten ist klar, dass ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache unerlässliche Voraussetzung ist, soziale Integration zu ermöglichen, das heißt, am gesamten gesellschaftlichen Leben auch teilhaben zu können. Die Anerkennung kultureller Unterschiede sollte dabei genauso selbstverständlich sein. Schließlich akzeptieren das die Bayern und die Ostfriesen auch untereinander.

Jugendhäuser leisten nach Meinung des Kreisjugendrings zum Beispiel mit den Kinderferienangeboten schon einen wertvollen Beitrag, der unter diesen Gesichtspunkten für die Zukunft möglicherweise noch ausgebaut werden kann. Ethnische oder religiöse Unterschiede spielen dabei keine Rolle.

Die Einrichtungen selber müssten sich allerdings noch mehr zu Begegnungsstätten entwickeln, damit sich verschiedene Kulturen und Religionen besser kennen lernen können. Das könnte durch gezielte Programmangebote erreicht werden, manchmal hilft aber auch der Zufall. In einem Jugendhaus hatte eine türkische Frauengruppe Räume für den Hennaabend angemietet, das ist die weibliche Form des Junggesellenabschieds. Im Verlauf des Abends wurden spontan die anderen Besucherinnen, die zufällig im Cafebetrieb anwesend waren, hereingebeten. Dabei wurde ihnen dieser Brauch und seine Hintergründe erklärt. Nur die Raumvermietung war geplant, alles andere hat sich im Verlauf von selbst entwickelt.

Im örtlichen Netzwerk müssen außerschulische Bildungsangebote miteinander abgestimmt werden. Auch hier könnten die Jugendhäuser ihren Beitrag leisten. Immerhin haben sie schon jetzt im Bereich neue Medien erstaunliche Erfolge vorzuweisen. Vor allem aber könnten die Einrichtungen viel mehr als bisher ihre Stimme erheben und im lokalpolitischen Raum darauf aufmerksam machen, dass wir immer mehr auf eine Parallelgesellschaft zusteuern.

Besonders geeignet ist auch der Sport. Hier will der Kreisjugendring im Herbst verstärkt mit seinem Projekt "Jabato Integration durch Sport" nach den Regeln des "Straßenfußballs für Toleranz" im Landkreis tätig werden. Fußball ist dabei lediglich ein Mittel zum Zweck, wenngleich ein schöner. Viel wichtiger ist dagegen, dass alle Beteiligten sich miteinander mit dem Regelwerk auseinandersetzen müssen. Das fördert die Kommunikation und die Toleranz. Auch dass die Tore erst zählen, wenn ein Mädchen das erste erzielt hat, gehört dazu.

Die ersten Turniere starten im September in Hochdorf und Wernau, Anfang Oktober sind Spiele in Nürtingen fest eingeplant. Der Kreisjugendring erhofft sich natürlich durch das drauffolgende WM Jahr für dieses Projekt einen besonderen "Kick". In der Geschäftstelle wird für 2006 schon an einer Straßenfußball-WM im Landkreis getüftelt. Der besondere Reiz könnte zum Beispiel darin bestehen, dass die Kids nach unterschiedlichen Nationalitäten spielen. Also türkische Jugendliche repräsentieren im entsprechenden Trikot etwa Argentinien.

Ein Arbeitskreis beim Kreisjugendring bemüht sich derzeit darüber hinaus, "Integrationsleitlinien" zu entwickeln, die dann in einer Mitgliederversammlung diskutiert und verabschiedet werden müssen. Das könnte unter Umständen auch Auswirkungen bei der künftigen Personalauswahl haben, das heißt, eine Selbstverpflichtung könnte dem KJR auferlegen, mehr Hauptamtliche mit Migrationshintergrund einzustellen.

tb