Lokales

Ziel der Planung: Barrierefrei durch die Stadt kommen

NÜRTINGEN Das Forum Handicap ist aus der Nürtinger Sozialkonferenz 2003 hervorgegangen. Neben Betroffenen mit unterschiedlichen Behinderungen sind mit Tiefbauamtsleiter Ulrich Joos, Stadtplanerin Antje Herbst und Johannes Rinn vom Planungsamt von Seiten der Verwaltung maßgebliche Stellen des Stadtbauamts eingebunden. Der Gemeinderat wird im Forum Handicap vertreten durch Dr. Klaus Huber, Bärbel Kehl-Maurer und Peter Rauscher. Wertvolle Erfahrungen bringt Andreas Plowe ein. Als gewählte Vertrauensperson für Menschen mit Behinderungen an der Hochschule Nürtingen machte er sich bereits seit längerem konzeptionelle Gedanken zu einem Stadtplan für Menschen mit Handicap und hat nun in dem Forum Mitstreiter gefunden. Gedacht ist der Plan für Menschen mit Behinderungen im klassischen Sinne, zum Beispiel für Gehörlose und Blinde, für Menschen mit Gehbehinderungen, Rollstuhlfahrer oder Kleinwüchsige, aber auch für ältere Mitbürger mit Bewegungs-, Seh- und Hörstörungen.

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Diese ganze Bandbreite muss unter einen Hut gebracht werden, weshalb eine Vielzahl von Kriterien zu beachten seien, so Plowe. Ein wichtiges Kriterium wird sein, wie öffentliche Plätze und Einrichtungen, Arztpraxen und Verkehrsmittel möglichst barrierefrei zu erreichen und zu nutzen sind. Tiefbauamtsleiter Joos und Stadtplanerin Herbst sagten ihre Unterstützung zu, sie wollen das Fachwissen einbringen, das nötig ist, um einen Stadtplan zu erstellen. Wenn es um konkrete Verbesserungen geht, sind sie jedoch auf Rückmeldungen angewiesen, betont Antje Herbst: "Es gibt Normen, doch sind die für den so genannten durchschnittlich funktionierenden Menschen festgelegt." Deshalb sei sie für jeden Hinweis dankbar, hat doch ein behinderter Mensch nochmals einen anderen Blick auf die Dinge. Karl-Heinz Bauknecht, querschnittsgelähmt und deshalb auf den Rollstuhl angewiesen, gibt ein Beispiel, allerdings nicht aus Nürtingen: "Einen Behindertenparkplatz entlang eines Gehwegs anzulegen, ohne die Bordsteinkante abzusenken, ist zwar gut gemeint, nutzt aber nichts."


Hinweise sollen nicht nur aus dem Forum Handicap kommen, sagt Plowe. Die Gruppe stehe zwar stellvertretend für einige Behinderungen wie spastische Lähmung, Querschnittslähmung, Kleinwüchsigkeit oder Down-Syndrom, das Ziel sei jedoch, ein möglichst großes Spektrum zu erfassen. Plowe dazu: "Es wäre wünschenswert, wenn wir von möglichst vielen in Nürtingen lebenden Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, Anregungen bekämen, um sie in die Liste für unseren Plan aufzunehmen." Bis dahin gibt es noch viel zu tun für das Forum Handicap. Plowe rechnet mit einem Zeitraum von einem Jahr, um den behindertengerechten Wegweiser durch die Stadt fertig zu stellen.