Lokales

Ziel: Friedvolles Zusammenleben aller Völker

Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) lud am vergangenen Freitag zu einem Informations- und Gesprächsabend ins Alte Gemeindehaus. Im Mittelpunkt stand das Thema: "Internationale Jugendbegegnungsstätten als Zentren des Dialogs und der Versöhnung von Berlin über Auschwitz nach Jerusalem".

RENATE SCHATTEL

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KIRCHHEIM Der Architekt der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz, Helmut Morlok, berichtete über die Einweihung des Erweiterungsbaus des Hauses "Ben Jehuda" in Jerusalem und die dafür groß angelegte Festveranstaltung in Berlin mit renommierten Gästen. Martin Lempp, Sozialpädagoge im Brückenhaus und in Kirchheimer Schulen, ist ehemaliger Länderbeauftragter von ASF in Jerusalem. Er wohnte der Einweihungsfeier in Jerusalem bei und entwickelte neue Konzepte für die Begegnungsarbeit. Die ASF hat sich zum Ziel gesetzt, sich kritisch mit der Vergangenheit des Nationalsozialismus und ihren verheerenden Verbrechen auseinanderzusetzen. In der Ära Adenauer, die von Remilitarisierung und Aufbruch in Deutschland geprägt war, wurde sie von Lothar Kreyssig initiiert und galt als einzigartig mit ihrem Anliegen, die Geschichte aufzuarbeiten.

Adenauer hatte eine offizielle Entschuldigung ausgesprochen, Wiedergutmachungsgelder flossen, aber die öffentliche Auseinandersetzung, Reflexion und Aufarbeitung blieb aus, beklagte Schuldekan Christian Buchholz. Heute arbeiten viele tausend Menschen für Frieden, Toleranz und Verständigung der Völker, gegen Rassismus und gegen das Vergessen.

Kennzeichen der AFS ist die Arbeit mit Freiwilligen, die gut geschult in Ländern wie Polen, Russland oder Israel die Begegnung mit Betroffenen des Nationalsozialismus suchen. Räumlichkeiten hierzu bieten die Internationalen Begegnungsstätten wie Auschwitz oder Jerusalem. Der Architekt Helmut Morlok sieht in den Einrichtungen die Basis für menschliche Nähe und gegenseitiges Verständnis. Der neue Anbau des Hauses "Ben Jehuda" in Jerusalem, an dem er maßgeblich mitgewirkt hat, solle ein friedvolles Zusammenleben aller Völker ermöglichen. "Die Vorurteile zwischen Israelis und Deutschen sind riesengroß", beschrieb Morlok die Situation vor Ort. In den Begegnungsstätten werde die Versöhnung als heilende Kraft gelebt, betonte er. In Auschwitz hätten über 2 000 Gruppen aus 30 Ländern das Haus seit 1986 besucht. "Die Begegnungsstätte ist ein Ort der Überwindung von Barrieren und Vorurteilen geworden", freut sich Morlok. Für ihn als Architekt sei es wesentlich gewesen, dass die Spiritualität der ASF in den Gebäuden Ausdruck findet.

Martin Lempp sieht in der erweiterten Begegnungsstätte in Jerusalem auch eine weitere Herausforderung. Der Grundgedanke der Versöhnung müsse in jeder Generation wieder neu definiert und übersetzt werden. Kriegerische Auseinanderset-zungen verlangten in jeder Generation erneut nach Antworten. Menschen in anderen Kulturen hätten die Geschichte jeweils anders verstanden. "Ein junger Israeli hat etwas völlig anderes im Kopf an Tradierung der Geschichte als ein junger Engländer, Deutscher, Franzose", weiß Lempp. Die Versöhnungsidee von Sühnezeichen müsse für die Menschen in anderen Ländern und Generationen übersetzt werden, das sei die Aufgabe der Begegnungsstätten, erklärte er. Die Häuser hätten den Auftrag, zu fragen, aus welchen Erinnerungen sich die aktuellen Vorstellungen der Menschen zusammensetzen. Das gehe nur über den Dialog. "Versöhnung ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen, sondern das Ringen um gegenseitiges Verständnis", sagte Lempp. Zudem sollte die Erinnerungsarbeit und Versöhnung in ein gemeinsames Engagement für ein gemeinsam errungenes Thema führen.

2005 stehe das Gedenkjahr 60 Jahre Kriegsende an, das für die heutige Zeit thematisiert werden müsse. Die Internationalen Begegnungsstätten können für Studienfahrten, Seminare und Konferenzen gebucht werden. Für Freiwillige gibt es die Möglichkeit, ein Soziales Jahr oder den Zivildienst dort zu absolvieren. Informationen der ASF sind unter www.asf-ev.de zu erhalten.