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Ziel: "Für jeden Jugendlichen ein Angebot"

Zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt nahm am gestrigen Vormittag die Agentur für Arbeit in Göppingen Stellung. Bettina Münz, Mitglied der Geschäftsführung, fasste am Ende zusammen: "Unser Ziel ist es, jedem Jugendlichen, der eine Lehrstelle sucht, auch ein Angebot zu unterbreiten."

RUDOLF STÄBLER

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GÖPPINGEN Allerdings schränkte die Geschäftsführerin auch gleich wieder ein: "Nur dann, wenn der Jugendliche auch ausbildungswillig und -fähig ist." Ein Haar in der Suppe hat auch der Göppinger IHK-Geschäftsführer Dr. Peter Saile gefunden: "Wenn ein Suchender nicht Deutsch spricht, kann er auch nicht in einen Lehrberuf vermittelt werden."

Bei den Zahlen, die laut Arbeitsagentur lediglich Trendzahlen seien, war zu hören, dass die anhaltend schwierige Wirtschaftslage im ersten Berichtshalbjahr erneut negative Auswirkungen auf dem Ausbildungsmarkt habe, wenn auch nicht mehr in selbem Ausmaß wie im Vorjahr. Der Agentur für Arbeit Göppingen, zu der auch der Landkreis Esslingen zählt, seien bis zum Stichtag am 31. März 3900 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind 171 oder 4,2 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bereits im Vorjahr gab es einen Rückgang um 10,4 Prozent. Dabei schnitt der Landkreis Göppingen mit einem Plus von 3,8 Prozent wesentlich besser ab als der Landkreis Esslingen mit einem Minus von 8,5 Prozent.

Rühmliche Ausnahmen, was die Angebotszahlen betrifft waren die Arbeitsagenturen in Leinfelden-Echterdingen (Plus 8 %), wobei hier bereits der Einfluss der "Neuen Messe" zu spüren sei und vor allem auch die Agentur in Kirchheim mit einem Plus von 6,4 Prozent. Als "Täter" wurde hier der sehr rege Bund der Selbstständigen in Kirchheim genannt, der auch auf dem Lehrstellensektor einiges bewege.

Dem erneuten Rückgang auf der Ausbildungsseitenstelle steht ein etwa gleich bleibendes hohes Niveau auf der Nachfrageseite gegenüber. 6483 junge Berufswähler wünschten Unterstützung bei der Ausbildungsstellensuche. Das sind 47 oder 0,7 Prozent mehr als im März des Vorjahres. Sehr viele Schüler der allgemein bildenden Schulen interessieren sich für einen weiterführenden Schulbesuch an beruflichen Vollzeitschulen in der Hoffnung auf Verbesserung ihrer beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten.

Bewerber, die im letzten Herbst keine Ausbildungsstelle gefunden haben, nutzen nach Feststellung der Arbeitsagentur die Zeit mit einer Berufsvorbereitung an beruflichen Schulen oder in einem von der Agentur für Arbeit bereitgestellten berufsvorbereitenden Lehrgang, mit einer Arbeitsstelle oder mit einem weitergehenden Schulbesuch.

Auch hat die Wirtschaft in der Region im Rahmen des Ausbildungspakts zahlreiche Einstiegsqualifizierungsangebote für Jugendliche zur Verfügung gestellt. Im vergangenen Ausbildungsjahr haben über 320 dieser Jugendlichen einen Teilqualifizierungsvertrag mit Unternehmen abgeschlossen und hoffen auf eine Ausbildungschance mit Beginn 2006. Betrachtet man das vergangene Jahr, so kann gesagt werden, dass bundesweit rund 65,6 Prozent der Teilnehmer an einer Einstiegsqualifizierung in eine Ausbildung eingemündet sind, schulische und außerbetriebliche Ausbildungsgänge mit eingeschlossen.

Bis zum Ausbildungsbeginn September 2006 wird die Berufsberatung, so war bei der Pressekonferenz zu erfahren, ihre Bemühungen auf zwei Bereiche konzentrieren: die Gewinnung von weiteren Ausbildungsstellen und die Besetzung der offenen Ausbildungsstellen mit geeigneten Bewerbern. Dabei appelliert die Berufsberatung an die Jugendlichen, das vorhandene Ausbildungsangebot auszuschöpfen und darauf flexibel und mobil zu reagieren. Die Berufsberatung appelliert aber auch an die Unternehmen, in der Ausbildungsbereitschaft nicht nachzulassen und über den Eigenbedarf hinaus auszubilden. Sie appelliert besonders an ausbildungsberechtigte Unternehmen, die bisher nicht ausbilden, Ausbildungsplätze zu schaffen. Dabei wurde herausgestellt, dass Ausbildungsverbände zwischen kooperierenden Unternehmen beziehungsweise Kommunen und Wirtschaftsunternehmen ein guter Weg seien zur Schaffung zusätzlicher und qualifizierter Ausbildungsmöglichkeiten.

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Göppingen arbeitet gemeinsam mit ihren Partnern der Industrie- und Handelskammer, Kreishandwerkerschaft, Handwerkskammer, Schulamt, allgemein bildenden und beruflichen Schulen und Einrichtungen der Jugendberufshilfe auf die Besetzung von Ausbildungsstellen hin. Es ist das erklärte Ziel, wieder eine Zunahme der im letzten Jahr leicht gesunkenen Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse zu erreichen.

Die Bemühungen der Bündnispartner im Rahmen des Nationalen Paktes für Ausbildung und Fachkräftezuwachs haben 2005 nach den Erfahrungen der Arbeitsagentur zu einer Stabilisierung bei den abgeschlossenen Ausbildungskräften geführt. Es gelte nun, diese Bemühungen auch im Jahr 2006 intensiv weiterzuführen, um eine Steigerung bei den abgeschlossenen Verträgen zu erreichen. So stehe die Einstiegsqualifizierung für Jugendliche auch in diesem Jahr als gutes Instrument einer betriebsnahen Vorbereitung und daran anschließenden Integration in Ausbildung zur Verfügung.

Göppingens IHK-Geschäftsführer Dr. Peter Saile machte abschließend nochmals klar, dass es sich bei den jetzt genannten Zahlen lediglich um Trendmeldungen handle. "Der Strich wird erfahrungsemäß erst im Oktober gezogen." Und abschließend outete er sich als totaler Optimist: "Meine Kollegen der anderen Kammern und ich rechnen noch mit einem Zuwachs von 30 bis 40 Prozent bei den Lehrstellenangeboten."