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Ziel: Gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung

Kirchheim hat einiges zu bieten. Auch für Unternehmen. Laut der jüngsten Mitgliederbefragung des Bundes der Selbständigen (BDS) sind drei Viertel der Kirchheimer Firmen mit ihrem Standort zufrieden. Einige Bereiche geben jedoch auch Anlass zur Sorge: Die größten Problemfelder sind die Verkehrssituation in der Stadt, die hohen Immobilienpreise und die aus Sicht vieler Betriebe nicht immer reibungslose Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM "Wir wollten wissen, welche Probleme unsere Mitglieder umtreiben und ob sich die Schwerpunkte in den vergangenen Jahren verlagert haben", beschreibt der BDS-Vorsitzende Wolf-Rainer Bosch die Motivation für die aktuelle Befragung. Im Herbst 2004 wurde der umfangreiche Fragenkatalog an die 250 Mitgliedsbetriebe verschickt. Beteiligt haben sich 69 Firmen, für Bosch ein "sehr guter Rücklauf", zumal nahezu alle Branchen und unterschiedliche Betriebsgrößen vertreten sind. Mit 40,6 Prozent kommt knapp die Hälfte der 69 Firmen aus dem Dienstleistungssektor, gefolgt von Baubetrieben, Freiberuflern, Einzelhändlern, Industriebetrieben und Firmen aus den Bereichen Kommunikation und Gesundheitswesen. Das Gros der Betriebe hat einen bis zehn Mitarbeiter, aber auch vier Firmen mit über 100 Beschäftigten sind mit von der Partie. Um die Daten vergleichen zu können, orientiert sich der Fragebogen an der Vorläuferaktion aus dem Jahr 2001.

Insgesamt hat sich das Bild seither kaum verändert. Wie 2001 geben rund drei Viertel der Unternehmen dem Standort Kirchheim die Note sehr gut oder gut. Die Note eins bekommt die Teckstadt allerdings nur noch von neun Prozent, vor vier Jahren waren es noch 29,7 Prozent.

Von größtem Interesse sind für den BDS-Vorstand vor allem die Fragen nach den wesentlichen Standortfaktoren und den größten Sorgenkindern. Wie 2001 steht "die Art und Weise wie meine Anliegen bei der Stadtverwaltung aufgegriffen und behandelt werden" an oberster Stelle. Für 92,2 Prozent ist dieser Punkt sehr wichtig oder wichtig. Auf den weiteren Plätzen folgen die Verkehrsanbindung, das Image der Stadt, das Schul- und Ausbildungsangebot, die Preise für Gewerbeimmobilien, die lokale Verkehrsinfrastruktur, die Preise für private Immobilien, die Ansiedlungspolitik der Stadtverwaltung und der Gewerbesteuerhebesatz.

"Zufrieden sind mit dem Verhältnis zur Stadtverwaltung nur 49,2 Prozent der Betriebe", beschreibt Wolf-Rainer Bosch einen wesentlichen Punkt, bei dem der Bund der Selbständigen Handlungsbedarf sieht. 2001 gab es von 48,1 Prozent gute Noten für das Zusammenspiel von Verwaltung und Wirtschaft. Auch die Versuche der Stadtverwaltung, Gewerbe in der Teckstadt anzusiedeln, sind in den Augen vieler Firmenchefs mangelhaft. 81,8 Prozent sind mit der Ansiedlungspolitik "weniger zufrieden" oder "unzufrieden". Damit in Zusammenhang stehen natürlich die Grundstückspreise in den Kirchheimer Gewerbegebieten: 86 Prozent halten sie für zu hoch.

Während die Verkehrsanbindung Kirchheims als sehr gut angesehen wird, fällt das Urteil über die Verkehrsführung und die Parkmöglichkeiten in der Stadt wesentlich schlechter aus: Für 70 Prozent gibt die derzeitige Situation Anlass zur Besorgnis. Deutliche Pluspunkte für die Teckstadt sind laut der Befragung die Attraktivität und das gute Image der Stadt und das Schul- und Ausbildungsangebot.

Zudem wollte der BDS von seinen Mitgliedern wissen, wie sie einzelne Bereiche aus der Sicht der Endverbraucher beurteilen. Am schlechtesten schneiden bei dieser Frage die Verkehrsführung, das Parkplatzangebot und die städtischen Dienstleistungen ab, sehr gut wird das Angebot in den Sektoren Dienstleistungen, Lebensmittelhandwerk, Ärzte, Handwerk und Schulen beurteilt.

Den 2003 mit Unterstützung des BDS eingerichteten Wirtschaftsbeirat halten 82,6 Prozent grundsätzlich für wichtig, 49,3 Prozent geben aber an, über die Arbeit des Beirats nicht ausreichend informiert zu sein. Demzufolge möchte sich die Hälfte kein Urteil über die Arbeit des Gremiums erlauben, 39,1 Prozent sind zufrieden, 11,6 Prozent eher nicht. An eine grundlegende Erholung der Konjunktur glauben offensichtlich nur wenige der Kirchheimer Gewerbebetriebe: 54,7 Prozent rechnen damit, dass ihr Betrieb in den kommenden Jahren mit noch größeren Problemen zu kämpfen hat als bisher, 43,8 Prozent hoffen auf eine leichte Verbesserung, von einer deutlichen Entspannung gehen nur 1,6 Prozent aus.

Im Juli wird sich der BDS bei einer Klausurtagung mit dem Ergebnis der Mitgliederbefragung und den daraus resultierenden Konsequenzen und Forderungen beschäftigen. Klar ist für den Vorstand aber schon heute, dass am Verhältnis von Verwaltung zu Gewerbe noch kräftig gefeilt werden muss. "Wenn Firmen die Teckstadt verlassen und sich in Nachbargemeinden ansiedeln, aus den Kommunen in der Umgebung aber fast niemand nach Kirchheim zieht, muss uns das zu denken geben", weist der stellvertretende BDS-Vorsitzende Gerold Straub auf eine Konsequenz der "klimatischen Störungen" hin. Die niedrigeren Grundstückspreise allein seien sicher nicht Grund genug für eine Firma, ihre Zelte abzubrechen. "Wir hatten nicht den Eindruck, dass die Anliegen der Gewerbebetriebe in den vergangenen Jahren von der Verwaltung immer offen aufgegriffen wurden", sagt Ewald Metzger, Hauptinitiator des 1999 gegründeten BDS und bis 2004 dessen Vorsitzender. "Es ist auch eine Frage des Stils, wie die Stadtverwaltung mit Firmen umgeht", ergänzt Bantel.

Wobei sich schon einiges verbessert hat, betonen die BDS-Strategen unisono. Zu verdanken sei dies vor allem den intensiven Bemühungen der neuen Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker um gute Kontakte zu den Unternehmen und der forcierten Arbeit des Wirtschaftsbeirats. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Bosch und will seitens des BDS alles unternehmen, um die Zusammenarbeit weiter zu verbessern. Aber auch andere Problemfelder wie die innerstädtische Verkehrssituation müssten mit Nachdruck beackert werden, damit Kirchheim für Gewerbetreibende und Besucher gleichermaßen attraktiv bleibt.