Lokales

Zu Hause leben mit dem Gefühl der Sicherheit

"Wir müssen was machen", lautete der Schlüsselsatz, den Sozialamtsleiter Böhringer vor fast zehn Jahren aussprach. Und sie machten was: Fachkräfte aus allen sozialen Bereichen in Kirchheim bündelten ihr Wissen, um alte Menschen, die auf einen Heimplatz warten, zu begleiten: "buefet" war geboren.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Hinter der Abkürzung "buefet" verbirgt sich "Beratungs- und Experteninformation für eine selbständige Lebensführung".

O:STERN.TI_Diesem Verein, genauer: dem Projekt des Betreuten Wohnens zu Hause, kommt heuer ein Teil der Teckboten-Weihnachtsaktion zugute. Mit im Spendenboot sitzen der Verein "Soziales Netz Weilheim und Umgebung" sowie das "Lenninger Netz", die eine ganz ähnliche Zielsetzung haben.

Seit der Gründung des Vereins buefet ist viel passiert. "Damals gab es einfach keine Heimplätze", schildert Gabriele Burger vom Sozialen Dienst des Krankenhauses und buefet-Gründungsmitglied die Situation vor einigen Jahren. Es gab niemanden, der für die Weiterversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt zuständig war. In dieser Notsituation wurden Vertreter aus allen sozialen Bereichen zusammengetrommelt. Ziel war, eine neutrale Stelle zu schaffen, die Beratung und Begleitung bot für Menschen, die beispielsweise vor der Krankenhausentlassung standen, aber noch weit davon entfernt waren, alleine zurechtzukommen. Natürlich wandten sich auch deren Angehörige sofern vorhanden an buefet, dessen Büro zunächst im Krankenhaus angesiedelt war. Heute, nur wenige Jahre später, sieht die Welt anders aus. Heimplätze gibt es in Kirchheim, wie übrigens im ganzen Kreis, genügend.

Doch fast alle Menschen haben den Wunsch, möglichst lange selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Das ist eine bundesweite Tendenz, die Region um die Teck macht da keine Ausnahme. "Man möchte heutzutage aktiv zu Hause leben, aber immer die Sicherheit haben, von jetzt auf nachher doch versorgt zu sein", bringt es Angelika Matt-Heidecker auf den Punkt. Die Oberbürgermeisterin ist mittlerweile Erste Vorsitzende von buefet, wodurch auch die politische Bedeutung des Vereins für die Stadt deutlich wird: "Durch die Arbeit von buefet sind wir am Puls der Zeit, wenn wir demnächst die Altenhilfeplanung fortschreiben." Über die Aufnahme des Vereins in die Weihnachtsaktion des Teckboten freut sich die Vereinsvorsitzende sehr: "Wir könnten die anstehenden Aufgaben sonst längst nicht in dieser Intensität leisten." Die Gelder der Bürgerstiftung, die buefet zum Start erhielt, sind mittlerweile weitgehend ausgeschöpft.

"Unsere Aufgaben kosten neben viel Engagement auch Geld", gibt Tilmann Walther zu bedenken, seit Juni stellvertretender Vereinsvorsitzender. Dazu zählt beispielsweise die Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter, die Ausstattung des Büros, aber eben auch die Finanzierung der hauptamtlichen Fachkraft. Das ist Monique Kranz-Janssen. Sie übernimmt einen Teil der Beratung, die immer-noch wesentliches Standbein von buefet ist. Vor allem aber hat sie das Betreute Wohnen zu Hause unter ihren Fittichen. Ein gutes Jahr ist sie mittlerweile im Dienst, und hat in diesem Zeitraum schon viele, viele Haushalte abgeklappert, Gespräche geführt, Menschen "vernetzt". "In diesem Bereich geht nun mal viel über Einzelkontakte", sagt sie, und sie weiß: "Vertrauen ist sehr wichtig."

Vertrauen fasst meist schnell, wer sich an Monique Kranz-Jansen wendet. Oft kommt es zunächst zum ersten zaghaften telefonischen Kontakt, dann passiert erstmal gar nichts. "Ein halbes Jahr verfliegt da schnell mit Überlegungen", weiß die zupackende Frau aus Erfahrung. Meist ist es dann ein konkretes Ereignis, das den Impuls gibt, bei buefet eine Anwartschaft zu erwerben. Beispielsweise steht eine Operation an, und der Betroffene ist sich nicht sicher, ob er danach wieder so recht auf die Beine kommt. Wer die Anwartschaft erwirbt, wird hin und wieder besucht und zu den offenen Treffen eingeladen, die einmal im Vierteljahr stattfinden. Hier kann man sich beschnuppern und auch die zehn ehrenamtlichen Besuchsdienstmitarbeiter kennenlernen. Monique Kranz-Janssen beschäftigt sich nämlich nicht nur mit rein organisatorischen Aspekten, sondern auch mit der Frage: "Wer passt zu wem?"

"Das mitmenschliche Zusammenspiel ist ein sehr wichtiger Aspekt beim Betreuten Wohnen zu Hause", sagt auch Tilmann Walther. Es menschelt überall. Die Dienste von buefet beanspruchen durchaus auch Frauen und Männer, die Familie in erreichbarer Naähe haben. "Familie funktioniert heutzutage oft bestenfalls am Wochenende", schildert Matt-Heidecker die Realität. Davon kann auch Gabriele Burger ein Lied singen. Sie hat erst kürzlich mit Shanghai telefoniert, um einen Angehörigen einer Patientin im Krankenhaus ausfindig zu machen. Andere müssen erst aus Brasilien anreisen. Klassische Fälle, in denen buefet-Mitarbeiter einspringen können. Damit ist nicht nur dem Erkrankten geholfen, sondern auch dem Familienmitglied. Auch Söhne und Töchter, die in der Nähe leben, können oft nicht einfach alles stehen und liegen lassen, und sich um den Vater oder die Mutter kümmern. Ein Netz, wie es buefet bietet, ist da eine enorme Beruhigung. Und schließlich gibt es da auch noch die Familien, die keinen Kontakt miteinander haben. "Das sind weit mehr Fälle als man so denkt", weiß Tilmann Walther.

Wie auch immer die persönliche Situation ist. Bei Monique Kranz-Janssen ist jeder an der richtigen Stelle, der sich über das Betreute Wohnen zu Hause informieren will. Ihr Büro ist mittlerweile im Haus der Sozialen Dienste angesiedelt am Widerholtplatz 3. Die Telefonnummer lautet 07021/502-334. Um die hochengagierten ehrenamtlichen Kräfte zu schulen und zu untersützten, wird Geld benötigt. Aus diesem Grund hofft der Verein "Gemeinsam für eine gute Sache" auf großzügige Unterstützung für die aktuelle Weihnachtsaktion des Teckboten. Folgende Konten stehen zur Verfügung:

Kreissparkasse 48 333 344 (BLZ 611 500 20) Volksbank 304 777 005 (BLZ 612 901 20) Deutsche Bank 070 050 000 (BLZ 611 700 76) BW-Bank 8 642 202 (BLZ 600 501 01) Commerzbank 910 000 900 (BLZ 611 400 71)