Lokales

„Zu wenige Frauen sind Gründerinnen“

Schülerinnen sollen für Selbstständigkeit sensibilisiert werden

Beim Projekt „Perspektive Unternehmerin“ trafen 50 Schülerinnen der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule die Dettinger Unternehmerin Dagmar Schmidt.

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ANTJE DÖRR

Kirchheim. Selbstständig zu werden, sich von den Eltern zu lösen und seinen Platz in der Welt zu finden ist ein langwieriger, holpriger, oft schmerzhafter Prozess. Dass es aber ungleich schwerer ist, sich beruflich selbstständig zu machen, das konnten die Schülerinnen erfahren. Das Projekt, das vom Steinbeis-Transferzentrum für Unternehmens­entwicklung in Pforzheim konzipiert und vom Wirtschaftsministerium finanziert wird, richtet sich speziell an Mädchen. Denn Frauen sind unter Selbstständigen nach wie vor unterrepräsentiert. Deshalb möchte das Projekt Mädchen gezielt ansprechen und sie „durch Vorbilder an die Selbstständigkeit heranführen“. Schülerinnen der jeweiligen Schule sollen das Projekt zum größten Teil selbst organisieren.

Die Unternehmerin Dagmar Schmidt, die in der Schule im Rahmen des Projekts zu Gast ist, leitet seit 2002 in Dettingen die Werbe­agentur „ad-to-strat“. Davor arbeitete sie für einen internationalen Konzern im Bereich Marketing, reiste um die ganze Welt. „Das war eine tolle Zeit“, erinnert sie sich, „aber man ist immer fremdbestimmt.“ Seit 2002 ist sie frei – und ist es doch wieder nicht.

„Wann fängt Ihr Arbeitstag an?“ wollen die Schülerinnen wissen und sind schockiert, dass Dagmar Schmidt oft schon um fünf Uhr morgens am Schreibtisch sitzt. „Wie sieht es aus mit der Vereinbarkeit von Familie und Privatleben?“ – „Es geht schon“, sagt die Unternehmerin, aber ihr Lächeln verrät, dass es eben gehen muss. Sie habe oft ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Sohn, sagt sie später. „Gab es Startschwierigkeiten?“ Ja, am Anfang hatte sie einige Probleme, zum Beispiel beim Umgang mit Kunden oder bei Honorarverhandlungen. Die führt sie bis heute nicht gerne, ist aber selbstbewusster geworden. „Man darf sich nicht für Dumpinglöhne verkaufen“, findet Schmidt. Trotz allem fühle sie sich aber „glücklich und ausgeglichen“. Bereut hat sie den Sprung in die Selbstständigkeit nie.

Dennoch sollte man sich nicht blind in die Selbstständigkeit stürzen. „Man muss sich davor ganz genau über die Chancen informieren“, rät Schmidt. „Sonst kann man eine Menge Geld verlieren.“ Das hatte auch die Schülerin Marina Hoffmann aus der Veranstaltung gelernt. „Ich wollte immer ins Hotel- und Event-Management, habe mir aber über die Schwierigkeiten keine Gedanken gemacht“, erzählt sie. Susanna Kostalek möchte erst einmal BWL studieren. Was sie an der Selbstständigkeit zweifeln lässt, ist, dass man neben der Arbeit wenig Zeit für die Familie hat. Auch Sarah Hahnemann ist sich noch nicht sicher. Vor allem die Arbeitszeiten schrecken sie ab. „Mein Vater ist selbstständig und arbeitet von früh morgens bis spät in die Nacht“, erzählt sie. Auch Karina Neb möchte erst noch Know-How sammeln. „Und dann mache ich vielleicht Event-Management oder Werbung“, erklärt sie. Selbst wenn sie noch nicht ganz überzeugt sind von der beruflichen Selbstständigkeit, haben sie doch eines bereits bewiesen: Dass sie mit ein wenig Hilfe in der Lage sind, ein Projekt wie dieses selbstständig zu organisieren.