Lokales

Zu wenige Hochschulabschlüsse

Der GEW-Kreisverband Esslingen-Nürtingen spricht sich für ein gebührenfreies Erststudium und den Ausbau des Stipendien- und Bafög-Systems aus und unterstützt die Proteste der Studierenden.

KREIS ESSLINGEN "Wir haben nicht zu viele, sondern zu wenige Studierende. Unsere Hochschulen werden für Abiturienten nicht attraktiver, wenn sie nach ihrem Studium mit mehreren tausend Euro Schulden ins Berufsleben starten müssen", führte Hans Dörr, der Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kürzlich bei einer Delegiertenversammlung in Köngen vor Lehrkräften aus allen Schularten aus.

Anzeige

Wenn Baden-Württemberg nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Alleingang Studiengebühren einführen sollte, wird nach Auffassung der Esslinger GEW-Delegierten der Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg geschwächt, weil viele Studierende in Bundesländer mit gebührenfreien Hochschulen ausweichen. Die Lehrkräfte schlagen Wissenschaftsminister Frankenberg deshalb vor, jetzt mit Studierenden, Beschäftigten und Interessenverbänden über Sinn und Zweck von Studiengebühren zu diskutieren. Bisher sei die Frage nicht beantwortet, wie Studiengebühren eingesetzt werden sollen.

Angesichts dessen, dass Studierende in Deutschland im Durchschnitt schon heute 40 000 Euro für ihr Studium aufbringen müssen und sich diese Summe bei den jetzt diskutierten 500 Euro pro Semester bei zwölf Semestern noch einmal um 6 000 Euro erhöhen würde, befürchten die GEW-Delegierten, dass noch mehr junge Menschen vom Studium abgehalten werden könnten.

Der GEW-Kreisvorsitzende Hans Dörr wies darauf hin, dass Deutschland schon heute im internationalen Vergleich das Land sei, in dem der Bildungserfolg am stärksten durch die soziale Herkunft bestimmt werde: "Dies wird sich verstärken. Im Gegensatz zu Ländern wie Australien haben wir auch kein funktionierendes Stipendien-System, das jungen Menschen mit knappem Geldbeutel ein Studium erlaubt."

Im OECD-Schnitt studieren 51 Prozent eines Altersjahrgangs, in Deutschland dagegen nur 37 Prozent. Um die derzeitige Akademikerzahl zu halten, müssten in Deutschland künftig 60 Prozent eines Jahrgangs ihr Studium erfolgreich beenden. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in Bezug auf den Anteil eines Jahrgangs mit Hochschulabschluss von 25 OECD-Ländern auf Platz 21.

Mehrere Delegierten merkten an, die internationale Schulleistungsvergleichsstudie PISA habe gezeigt, wie wichtig für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn die Stärkung der vorschulischen Erziehung sei. Hierzu gehöre unbedingt auch die Gebührenfreiheit in Kindergärten beziehungsweise Kindertagesstätten.

pm