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"Zu zweit ist's besser als allein"

WEILHEIM "Zu zweit ist's besser als allein." Auf diese einfache Formel bringt Georg Bäurle die 60 Jahre Ehe mit seiner Frau Elsa. Morgen feiert

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ANKE KIRSAMMER

das Paar in Hepsisau seine diamantene Hochzeit. Mit dabei sind unter anderem neben den beiden Kindern auch drei Enkel und drei Urenkel. Wie schon zur Goldenen vor zehn Jahren geht's wieder in die Kirche und anschließend in eine Gaststätte zum Feiern.

Derlei "Zinnober" gab's bei der Hochzeit am 3. November 1946 nicht. "Es war eine ärmliche Hochzeit", erinnert sich Georg Bäurle. Der Krieg war gerade mal ein Jahr vorbei. Mit den Lebensmittelmarken ließ sich kein großes Fest ausrichten. "Wie damals üblich, habe ich in Schwarz geheiratet. Nach der Kirche haben wir zu Hause noch Kaffee getrunken. Das war alles", sagt Elsa Bäurle im Rückblick.

Die Eheleute lernten sich nach der Rückkehr von Georg Bäurle aus der Kriegsgefangenschaft bei einer von ihm organisierten Tanzveranstaltung kennen. Zehn Paare drehten sich regelmäßig zur Musik auf dem Schifferklavier. Knitz erzählt Georg Bäurle, der dieses Jahr bereits seinen 90. Geburtstag feiern konnte, wie die Liebe zu seiner sieben Jahre jüngeren Frau ihren Anfang nahm: "Die eine war zu lang, die andere zu dick sie war die geschmeidigste."

Anfangs wohnte die Familie die Tochter wurde in dieser Zeit geboren bei Schwester und Schwager im Elternhaus von Elsa Bäurle, geborene Fischer. "Zwei Jahre in Miete haben mir gereicht", so Georg Bäurle; dann wurde der Bauplatz nebenan erstanden und der Traum von den eigenen vier Wänden verwirklicht. "Wir sind eingezogen, da waren noch nicht mal die Wände tapeziert."

Jeden Tag fuhr der gelernte Schreiner mit dem Rad in eine Kirchheimer Möbelfabrik. Ein platter Reifen gehörte aufgrund der schlechten Straßen fast zum Alltag. Ein Auto besaß das Ehepaar nie. Bis auf drei, vier Busreisen in die Schweiz und nach Österreich kamen die Hepsisauer nicht viel in der Welt herum. Die Jubilare sehen es gelassen: "Ich war immer froh, wenn ich wieder daheim war", betont Georg Bäurle.

Viel auf Reisen zu gehen, wäre auch aus einem anderen Grund gar nicht möglich gewesen, schließlich packte die Familie in früheren Jahren auf dem Hof der Schwester von Elsa Bäurle mit an. Die Landwirtschaft, die Pflege der Baumwiesen und des Gemüsegartens gehören für das Ehepaar inzwischen der Vergangenheit an. Nicht so das regelmäßige Backen im örtlichen Backhaus. Georg Bäurle kümmert sich ums Holz und seine Frau knetet den Teig für zig Leibe knusprigen Holzofenbrots.

Auch sonst scheinen die beiden ein gut eingespieltes Team zu sein: Beim Kochen stehen die Eheleute gemeinsam hinterm Herd. Nicht selten kommt dann Georg Bäurles Lieblingsessen auf den Tisch: "Saura Briah ond Spätzla" natürlich handgemacht.