Lokales

Zuckerhasen und Zwiebelschalen

14. Saison mit über 80 Veranstaltungen – Museum erwartet 2008 einmillionsten Besucher

Nach einer überaus erfolgreichen Saison 2007 erwartet Landrat Heinz Eininger 2008 eine „sonnige 14. Saison“ und den einmillionsten Besucher im Freilichtmuseum des Landkreises in den Beurener Herbstwiesen. 956 000 Menschen haben sich seit der Eröffnung 1985 im Museumsdorf über das alltägliche Leben auf der Alb und am Neckar informiert. In dieser Saison, von Gründonnerstag bis 2. November, sind über 80 Veranstaltungen geplant.

RICHARD UMSTADT

Beuren. Elisabeth Zipper und ihre Tochter Brunhilde Koch färben noch Ostereier wie zu Omas Zeiten – mit Zwiebelschalen. Die haben die beiden Frauen aus Beuren das ganze Jahr über gesammelt. Vor allem vor dem Weinfest, wenn besonders viel Zwiebelkuchen gebacken wird, werfen die Mitglieder des Museumsfördervereins das Naturfärbematerial nicht weg, sondern verwahren es fein säuberlich in Plastiktüten. In der Karwoche dann, zum Museumsstart an Gründonnerstag, bringen Elisabeth Zipper und Brunhilde Koch ihre angehäuften „Schätze“ mit in die Herbstwiesen, um interessierten Kindern zu zeigen, wie zu Omas Zeiten mit Pflanzenfarben Ostereier schön braun gefärbt und mit Mustern versehen wurden.

Doch nicht nur das umfangreiche Osterprogramm (siehe Kasten) ist neu. Besonders Stolz ist Museumsleiterin Steffi Cornelius auf das Engagement von Georg Geiselhart aus Hayingen-Münzdorf, einem der letzten Köhler in Baden-Württemberg. Er wird während der Köhlertage im Herbst 20 Raummeter Buchenholz zu einem Kohlenmeiler aufschichten und diesen etwa zehn Tage brennen lassen. In dieser Zeit informiert Georg Geiselhart am Meiler nicht nur über den Stand des Abbrandes, sondern auch über das aussterbende Handwerk der Köhlerei.

Zu den weiteren Highlights des Museumsprogramms zählen inzwischen altbekannte Veranstaltungen wie die Schäfertage im April, das Museumsfest im Juni, das Oldtimertreffen im August und das Moschtfest im Oktober. Auch der Aktionstag „Rund um den Hanf“ im Juli hat im Museumsjahr bereits einen festen Platz, ebenso wie die „Arche des guten Geschmacks“, wo Albschnecken, Filderkraut und andere regionale Spezialitäten angeboten werden. Natürlich gehören auch alte Obstsorten zu den hiesigen Spezialitäten. Doch diese sind im Streuobstprogramm des Freilichtmuseums zu finden, das bereits Ende März beginnt. Dann pflanzen Mitglieder der Obst- und Gartenbauvereine Esslingen zehn Jungbäume in den Streuobstwiesen des Museumsgeländes und informieren über Pflanzung und Pflege. Außerdem können sich Hobbygärtner Anregungen für das anstehende Gartenjahr holen. Dazu gehört auch ein Pflanzenmarkt, dessen Angebotspalette von Kräutern über Stauden bis hin zu Gehölzpflanzen reicht.

Neben alten Streuobstsorten, die in der Ausstellung „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ gezeigt werden, widmet sich das Freilichtmuseum im „internationalen Jahr der Kartoffel“ der Geschichte der „tollen Knollen“. Präsentiert werden historische Kartoffelsorten nach dem Motto: „Von Ackersegen bis Zwiebler“ alles vertreten. Die Ausstellungsserie vervollständigt die Historie der Wassernutzung in der Region mit dem Titel „Wasser – aqua – H2O“. Insgesamt bietet das Freilichtmuseum in seiner 14. Saison bei über 80 Terminen Vorführungen traditioneller Handwerkskunst, Mitmachaktionen und Sonderführungen. Wer allerdings keine Lust oder keine Zeit hat, an einer der Führungen teilzunehmen, kann das Museumsdorf und seine 22 historischen Gebäude auch auf eigene Faust und voraussichtlich ab Sommer per dreisprachigem Audioguide, einem handyartigen Informationsgerät, erkunden.

„Unser Freilichtmuseum hat in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz“, freute sich Landrat Heinz Eininger bei der gestrigen Programmvorstellung der kommenden Saison. Mit 86 985 Gästen im vergangenen Jahr sei die 13. Saison die erfolgreichste in der Geschichte des Museums in den Beurener Herbstwiesen gewesen. „Wir schließen daraus auf ein ungebrochenes Interesse“, blickte Heinz Eininger zuversichtlich in die neue Saison. Bereits jetzt liegen Steffi Cornelius, für deren Mannschaft es keinen „Winterschlaf“ gab, 180 Gruppenbuchungen für museumspädagogische Aktionen vor.

Die „Museumspädagogik auf hohem Niveau“ und das große Engagement des Freilichtmuseums bei der Vermittlung historischer Zusammenhänge lobte Bernd Haußels, stellvertretender Vorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Mit dem Sponsoring des Instituts will die Bank einen Beitrag leisten, das Geschichtsbewusstsein der Kinder zu fördern.

Wie Steffi Cornelius informierte, wurden die Eintrittspreise in manchen Bereichen moderat erhöht. Die Familien- beziehungsweise Großeltern-Enkel-Karte kostet zehn Euro. Erwachsene bezahlen ab dieser Saison mit 4,50 Euro 50 Cent mehr. Neu eingeführt wurde der „Tag für ältere Menschen“: Sie kostet der Eintritt jeweils dienstags 3,50 Euro. Dieser Betrag wird im Übrigen auch für die ebenfalls neue „Guten-Abend-Karte“ verlangt, die ab 17 Uhr täglich gilt.

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