Lokales

Zuerst wurden die Schüler aus oberem Stockwerk befreit

"Ich danke allen Beteiligten, dass alles so gut geklappt hat." Die Manöverkritik von Einsatzleiter Markus Gärtner beschränkte sich auf Marginalien, als er sich bei seinen rund 60 Mitstreitern von DRK und den Feuerwehren Lindorf und Ötlingen bedankte. Unter den Augen der Bevölkerung, des Kirchheimer Gesamtgemeinderates und des Ötlinger Ortsvorstandes hatten die freiwilligen Floriansjünger und die ebenfalls ehrenamtlich aktiven Rotkreuzler bei einer Hauptübung an der Ötlinger Mörikeschule ganze Arbeit geleistet.

HEINZ BÖHLER

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KIRCHHEIM Bedrohlich quillt dicker, grauer Rauch aus allen Poren der Ötlinger Grund- und Hauptschule. Wild gestikulierend sieht man ängstliche Kindergesichter an den Fenstern der oberen Stockwerke. Um einer solchen Szenerie in Wirklichkeit nicht hilflos gegenüberstehen zu müssen, halten die freiwilligen Feuerwehren im Lande immer wieder Übungen unter Bedingungen ab, die der Realität so nahe wie möglich kommen.

So hieß es auch am Samstagnachmittag in Ötlingen "Wasser marsch!", nachdem alle sich im Innern der Mörikeschule befindenden Verletzten geborgen waren. Da die Kirchheimer Feuerwehr bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn war, so die Grundannahme der Übungsplaner, musste ein Löschzug der benachbarten Feuerwehr aus Lindorf zu Hilfe kommen und eine Sondereinsatzgruppe kümmerte sich um die Verletzten.

"Menschenrettung geht vor Löschmaßnahmen" war das eindeutige Bekenntnis Albrecht Fischers, der als stellvertretender Abteilungskommandant der Ötlinger Feuerwehr die einzelnen Schritte des Einsatzes über eine Mikrofonanlage für die zahlreichen Zuschauer kommentierte.

Mitglieder der Feuerwehr-Jugendabteilung, von einer Spezialistin des Roten Kreuzes mit verblüffend echt wirkenden Wunden "versorgt", waren nach einer Verpuffung im Erdgeschoss, so die Grundannahme der Übung, wegen der starken Rauchentwicklung im Treppenhaus im Schulgebäude eingeschlossen. Die Insassen des zuerst eintreffenden Wagens der Einsatzleitung sondieren die Lage und sprechen ein koordiniertes Vorgehen ab. Eine erste Mannschaft des nachfolgenden Löschfahrzeugs dringt mit Atemschutzgeräten, Handfeuerlöschern, Beilen und einer Handspritze mit 10 Litern Wasser in das Schulhaus ein, wobei dichter Qualm nicht die Hand vor Augen erkennen lässt. Ein weiterer Trupp setzt blitzschnell eine Steckleiter zusammen und macht sich an die Bergung der Schüler, die sich im ersten Obergeschoss befinden. Inzwischen ist auch das betagte Drehleiterfahrzeug auf dem Schulhof eingetroffen und Meter für Meter schiebt sich die Leiter der Fensterfront des zweiten Obergeschosses entgegen. Ein behelmter Feuerwehrmann klettert eilends hinauf, denn dort müssen ängstliche Jugendliche zunächst beruhigt werden, bevor er mit ihnen den Abstieg wagen kann. Unten sind inzwischen ein Rettungswagen des DRK und ein Notarzt eingetroffen, die sich um die Verletzten kümmern.

Mit je 600 Litern Wasser sind die Tanks der beiden Löschfahrzeuge (je eines aus Lindorf und Ötlingen) gefüllt. Ihre Pumpen schaffen einen Umsatz von 800 Litern pro Minute. Für kleinere Brände reiche das aus und Einsatzleiter Gärtner war sich sicher, dass man auch des Brandes in der Mörike-Schule damit ausreichend hätte zu Leibe rücken können.

Wie in wahrscheinlich vielen Fällen, hätte man das auch beinahe müssen, denn ausgerechnet an einer Stelle, wo man es sich eigentlich überhaupt nicht wünscht, geriet die Übung in ein erschreckend realistisches Fahrwasser. Über dem der Schule zunächst liegenden Hydranten war ein Auto geparkt, sodass sich der Zugriff der Wehr auf das Wassernetz um in manchem Fall möglicherweise entscheidenden Sekunden verzögerte. Glücklicherweise war hier aber auch der nächste Anschluss nicht allzu weit weg und schon bald standen die Leitungen unter Druck. Ein Hydro-Schild, eine mit hohem Druck aufgebaute, haushohe Wasserwand, schützte die Turnhalle vor einem Übergreifen der Flammen und ein starker Strahl aus dem Hauptschlauch zog einen dicken weißen Strich über eine graue Wolke am Himmel, denn an der Schule sollte unter Übungsbedingungen möglichst nichts zerstört werden. In nicht einmal einer halben Stunde hatten die Blauröcke den Brand im Griff und die Übung konnte zu Gunsten einer Erfrischung im Magazin der Ötlinger Wehr erfolgreich beendet werden.