Lokales

Zugkräftige Klassiker in allen Sparten

Wenn im WM-Jahr 2006 ganz Deutschland in der Hand des Fußballs ist, dann leistet zumindest der Kirchheimer Kulturring erfolgreich Widerstand. Die Zaubermittel gegen die Faszination Fußball heißen Tasta-Tour und Sommerfestival, Mozart und Schostakowitsch.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM An drei Abenden beteiligt sich der Kulturring im Sommer am großen Open Air auf der Marstallwiese, und das in beiden Sparten: Konzert und Theater. Am 30. Juli spielt das Klezmerorchester zwischen Stadtmauer, Schloss und Marstall. Es ist ein Zusammenschluss von Musikern aus dem gesamten Bundesgebiet. "Das ist große Klasse und passt auch durch die ,robusteren' Instrumente hervorragend zum Open Air", kommt Kulturring-Leiter Gerhard Fink schon ein halbes Jahr vorher ins Schwärmen, wenn er an das Klezmerkonzert denkt.

Unabhängig vom Wetter geht es bei den beiden Freiluft-Theateraufführungen am 1. und 2. August stürmisch zu, wenn die Württembergische Landesbühne Esslingen (WLB) Victor Hugos "Lucretia Borgia" in der Übersetzung Georg Büchners aufführt. Mord, Totschlag, heimliche Leidenschaften und verbotene Liebe zwischen den leiblichen Kindern des Papstes spannende Unterhaltung vor historischer Kulisse ist in diesem Geschichtsdrama garantiert. Dass Victor Hugo die Massen anlocken kann, hat schon sein "Glöckner von Notre Dame" beim vergangenen Sommerfestival bewiesen. Kulturring und WLB setzen bei "Lucretia Borgia" also wieder ganz auf die Zugkraft des französischen Erfolgsautors aus dem 19. Jahrhundert.

Auch sonst hat das Kulturringprogramm für 2006 im Theatersektor nur anerkannte Erfolgsautoren aufzuweisen, deren Werke in verschiedenen Fassungen und Medien Berühmtheit erlangt haben. Der Reigen beginnt mit Carl Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" am 24. Januar und endet im Herbst mit Shakespeares "Macbeth" und Goethes "Iphigenie auf Tauris".

Nicht weniger erfolgreich war und ist Erich Kästner. Auch wenn er sich seinen Namen nicht unbedingt als Bühnenautor gemacht hat, steht am 16. Mai eine Dramatisierung seines Romans "Fabian" über die Endzeit der Weimarer Republik auf dem Theaterzettel in Kirchheim. Auf einen der erfolgreichsten britischen Komödienschreiber kann sich das Kulturring-Publikum am 19. September einstellen: Ray Cooney. "Endlich reich" heißt sein Stück, das in Kirchheim in einer schwäbischen Fassung zu sehen ist. "Das ist einer der größten Komödienrenner", sagt Gerhard Fink dazu. Gleichwohl spricht er von einem "Experiment" bei diesem Ausflug ins "bessere Boulevard".

Schwäbisch und erfolgreich präsentiert sich auch das Theater Lindenhof, das am 21. März mit "Berta und Marta" in Kirchheim gastiert. "Kulttheater" verspricht Kulturring-Leiter Fink: "Das ist ein ausgesprochen skurriles Stück. Teilweise hat es Science-Fiction-Charakter, dann ist es wieder total verschroben." Handlungsgegenstand sei ein Bläserquintett, das im himmlischen Auftrag die kosmische Harmonie wieder herstellen soll. "Beim Theater Lindenhof ist das ein großer Reißer im Repertoire, die spielen das unglaublich oft."

Nicht von ungefähr gehört dieses Stück auch zum günstigen Angebot des Jugend-Abonnements 2006. Die Jugendlichen, die bei diesem Abonnement zwei Eintrittskarten pro Vorstellung erhalten, können sich außerdem den "Hauptmann von Köpenick", "Macbeth" und "Lucretia Borgia" zu Gemüte führen.

Im Mittelpunkt des Kulturring-Konzertabos steht 2006 natürlich die Tasta-Tour: Mit dem Guarneri-Trio sowie mit Oliver Kern und dem Aglaia-Quartett am 26. April beziehungsweise am 14. Mai kommen zu diesem Ereignis Erfolgsgaranten der vergangenen Jahre in die Stadthalle. Im Gepäck haben sie unter anderem Werke von Mozart und Schostakowitsch. Beide Komponisten, deren Geburtstage sich 2006 zum 250. und zum 100. Mal jähren, stehen auch bei vielen anderen Kulturring-Konzerten auf dem Programm etwa beim Sinfoniekonzert des Kurpfälzischen Kammerorchesters am 12. März. Zusammen mit dem Solisten Linus Roth bringen die Mannheimer die Mozart-Violinkonzert-Reihe in Kirchheim mit dem A-Dur-Konzert KV 219 gleichermaßen zum Höhepunkt und zum Abschluss.

Abschließende sinfonische Höhepunkte warten auch im Herbst auf die Kirchheimer Konzertbesucher: Die "Camerata Europeana" spielt am 29. September Werke der Wiener Klassik. Obwohl das genaue Programm noch nicht feststeht, dürfte Mozart im Jubiläumsjahr nicht gänzlich ausgespart bleiben. Am 12. November wiederum kommt Dmitri Schostakowitsch noch einmal zu großen Ehren: Das Schwäbische Kammerorchester führt mit der Stuttgarter Pianistin Gabriele Schinnerling dessen 1. Klavierkonzert auf. Gerhard Fink freut sich schon besonders auf "dieses unglaublich unterhaltsame Stück mit seinem frechen Trompetensolo."

Bleibt zum Abschluss noch der Blick in die allernächste Zukunft: Am 22. Januar lädt das Ensemble "Il Prete Rosso" unter der Leitung von Thomas Kügler zu einer venezianischen Nacht ein mit überwiegend barocker, aber auch zeitgenössischer Kammermusik. Am 19. Februar schließlich gastiert ein weiteres außergewöhnliches Ensemble in der Kirchheimer Stadthalle: das "SWR Swing Fagottett". Das Publikum kann sich überraschen lassen von einem witzigen Faschingsprogramm mit vier Fagotten, zu dessen Erfolg auch SWR-Redakteur Wolfgang Milde als Moderator wesentlich beiträgt.

INFOAbonnements und weitere Informationen zu den Veranstaltungen sind beim Kulturring unter der Rufnummer 0 70 21/97 30 32 erhältlich.