Lokales

Zuhause nicht allein gelassen werden

Was tun, wenn Oma nach einem Schenkelhalsbruch vorerst nicht mehr allein zurechtkommt? Die Diakoniestation Teck weiß Rat. Dort gibt es jetzt neu die Möglichkeit, eine kompetente Betreuungsperson für einige Wochen oder auch länger anzuheuern, die Pflegebedürftige rund um die Uhr versorgt.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Zeitintensive Betreuung" heiß das neue Angebot der Diakoniestation Teck. Dahinter verbergen sich mehrere Möglichkeiten: Wichtigstes Standbein ist die Betreuung rund um die Uhr, bei der sich die Mitarbeiterinnen im zweiwöchigen Rhythmus abwechseln. Angeboten werden aber auch nur Nachtdienste, Betreuung für zehn Stunden oder fünf Stunden täglich und Betreuung während des Urlaubs pflegender Angehöriger. Zehn Tage müssen allerdings schon zusammenkommen, sonst lohnt sich der Aufwand der Organisation und Einarbeitung nicht.

"Es besteht enormer Bedarf an zeitintensiver Betreuung", berichten Geschäftsführerin Ulrike Schmid und Pflegedienstleiterin Gabriele Steiner übereinstimmend. Die beiden müssen es wissen, sammelt das Team der Diakoniestation Teck doch an drei Stützpunkten mit über 80 Festangestellten sowie zahllosen ehrenamtlichen Helfern reichlich Erfahrung.

Die aktuelle Tendenz lässt sich aus dem wachsenden Angebot rundum ablesen: Viele Menschen suchen eine Alternative zum Pflegeheim oder auch ergänzende Hilfen. Sie möchten zuhause bleiben, aber nicht allein gelassen werden. Täglich beobachtet Gabriele Steiner, wie die Menschen an ihrer gewohnten Umgebung hängen. "Dort können sie nach ihrem eigenen Rhythmus leben und auch ihr Haustier behalten", hat die Pflegedienstleiterin Verständnis für diesen Wunsch.

Besonders groß ist die Angst, das Leben umstellen zu müssen, nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn die alltäglichen Verrichtungen eben doch noch nicht so leicht von der Hand gehen. Mit entsprechender vorübergehender Hilfe kommt der Betreute jedoch nicht selten wieder allein zurecht.

Manch einer behilft sich mit ausländischen Kräften. Das ist nicht nur illegal, sondern oft auch für keine Seite befriedigend: Die Mitarbeiterinnen der Diakoniestation können ein Lied von Missverständnissen und Kommunikationsproblemen singen. "Aufgrund dieser Erfahrungen haben wir Ausschau nach legalen Lösungen gehalten", erklärt Gabriele Steiner und Ulrike Schmid ergänzt: "Wir haben ganz gezielt nach einem Kooperationspartner gesucht."

Den hat die Diakoniestation Teck auch gefunden, und zwar in der Stiftung Innovation und Pflege aus Sindelfingen. Deren Mitarbeiterinnen sind festangestellte deutschsprachige Frauen. Sie werden jeweils gründlich eingearbeitet. Für die Qualitätssicherung der Pflege ist die Diakoniestation vor Ort zuständig. Sowohl der Gepflegte als auch die Angehörigen haben also ständig einen kompetenten Ansprechpartner. "Wir achten auch darauf, dass die passende Mitarbeiterin ins passende Haus kommt", versichert Ulrike Schmid. Sie verweist auf gute Erfahrungen überall dort, wo die zeitintensive Pflege unter dem Dach von Diakonie-Stationen schon angeboten wird. Die beiden Fachfrauen sind sich sicher, dass es sich bei dem neuen Angebot um ein weiteres wichtiges Bausteinchen im Versorgungsmosaik handelt.

Je nach Pflegestufe beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten. "Das Ganze ist unwesentlich teurer als ein Pflegeheim", erläutert Gabriele Steiner. Wird nur beispielsweise das Fünf-Stunden-Paket geordert, weil die pflegende Angehörige in dieser Zeit außer Haus ist oder der zu Pflegende eben doch noch überwiegend allein zurecht kommt, rechnet sich das Modell allemal. Eine gute Lösung dürfte die 24-Stunden-Betreuung bei Urlauben sein. "Viele sparen sich das schlechte Gewissen, wenn der Angehörige zuhause bleiben kann", gibt Ulrike Schmid zu bedenken. Außerdem scheuen manche Angehörige speziell von dementen Menschen jeden Wechsel, der meist große Unruhe mit sich bringt. Gerade für Angehörige von Demenzkranken ist es auch oft sehr beruhigend, ständig jemanden zuhause zu wissen, wenn sie selbst ihrer Arbeit nachgehen.

Zu den Tätigkeitsfeldern der Mitarbeiterinnen gehört die Körperpflege, teilweise auch der Haushalt und auch reine Betreuungsarbeit, etwa Spazierengehen, reden, vorlesen. Bei Bedarf kommt zusätzlich eine Fachkraft der Diakoniestation Teck für medizinische Pflegeleistungen, zur großen Körperpflege oder zum fachkundigen Verbandswechsel.

Die Zukunft soll nun zeigen, wie groß die Nachfrage nach zeitintensiver Betreuung in Kirchheim ist. Großen Bedarf vermuten die Initiatorinnen speziell für die vorübergehende Betreuung einige Monate lang nach Krankenhausaufenthalten. Die Erfahrungen des Sindelfinger Kooperationspartners haben aber gezeigt, dass auch die 24-Stunden-Betreuung eine dauerhafte Lösung sein kann.

KONTAKTInteressenten für zeitintensive Pflege können sich an Ulrike Schmid und Gabriele Steiner wenden, die unter der Nummer 0 70 21/48 62 20 bei der Diakoniestation Teck zu erreichen sind.