Lokales

Zukunft?!

Welcher Mensch möchte nicht gern wissen, welche Zukunft ihm bevorsteht oder wie er es anstellen kann, eine gute Zukunft zu haben. Aus Neugierde oder aus echtem Interesse versuchen viele Menschen, sich Hilfen bei Kartenlegern und Astrologen zu holen. Jede Nacht kann man das im Kabelfernsehen verfolgen. Die Frage ist nur: Lassen sich diese Menschen nicht zu sehr festlegen? Geht dabei nicht der freie Wille zur eigenen Zukunftsgestaltung verloren?

Gott hat den Menschen und seine Zukunft nicht festgelegt, er hat ihn in die Freiheit hinein geschaffen, auch in die Freiheit der Entscheidung. Das heißt, dass jeder Mensch seine Zukunft selbst in die Hand nehmen kann, auch wenn das oft eingeschränkt ist: Viele sehen keine Zukunft mehr für ihr Arbeitsleben, viele sehen keine Zukunft mehr im Wohlstand, viele sehen keine Zukunft ohne Ungerechtigkeiten, Gewalt und Krieg.

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Bei der Bundestagswahl vor einer Woche wurde über die Zukunft unseres Landes und seiner Menschen abgestimmt. Diese Zukunft und nicht Machtinteressen hat jetzt hoffentlich auch bei den Koalitionsverhandlungen oberste Priorität. Es geht um eine lebbare Zukunft für alle Menschen in unserem Land, aber auch darüber hinaus für unsere Welt, die wir in Frieden und Gerechtigkeit sehen wollen. Dazu brauchen wir Politiker/innen, die aus echtem Interesse an Zukunftsperspektiven für die Menschen Verantwortung übernehmen.

Doch das allein reicht nicht aus, um Zukunft zu ermöglichen. Jeder von uns ist auch ganz persönlich herausgefordert, Zukunft mitzugestalten. Die Hände in den Schoß zu legen und zu resignieren, bringt nicht weiter. Gott sieht jeden Menschen als seinen Partner, wenn es um die positive Gestaltung der Zukunft geht, wenn es also gilt, sein Schöpfungswerk fortzusetzen, ein Werk, von dem im Buch Genesis gesagt wird: "Siehe, es war sehr gut." Wenn es also um den Erhalt dieser gut angelegten Schöpfung geht, um den Erhalt des Friedens, um soziale Gerechtigkeit in unserem eigenen Land und in vielen Regionen dieser Erde, dann sind wir selbst in die Verantwortung gerufen, uns nicht nur für unsere persönliche Zukunft, sondern auch für die Zukunft unseres Landes und unserer Welt einzumischen, so gut es geht.

Und das mit einer großen Portion Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten und im Vertrauen auf einen Gott, der uns eine gute Zukunft verheißt und der uns die Kraft geben kann, eine menschenfreundliche Zukunft zu gestalten.

Reinhold Jochim

Pastoralreferent der katholischen

Kirchengemeinde Sankt Ulrich

Kirchheim