Lokales

Zukunft für die alternde Bevölkerung

Über den demographischen Wandel und die alternde Gesellschaft wird viel geredet und geschrieben. Die Gemeinde Dettingen handelt und hat als erste Kommune in der Region rund um die Teck einen umfassenden Altenhilfeplan verabschiedet. Präsentiert wird das Werk bei einer Messe rund ums Älterwerden, die am 15. Oktober in der Schlossberghalle stattfindet.

BIANCA LÜTZ

Anzeige

DETTINGEN Ein Jahr lang haben sich 17 engagierte Dettinger Bürger zusammen mit der Gemeindeverwaltung ins Zeug gelegt. Jetzt ist das Werk vollbracht: Der druckfrische Altenhilfeplan liegt vor. "Anfangs wussten wir alle nicht so recht, was am Ende stehen würde", gab Bürgermeister Rainer Haußmann bei der Vorstellung des Plans zu. Mit dem Ergebnis jedoch ist er rundum zufrieden: "Es hat sich gelohnt", lautet sein Fazit.

Entstanden ist ein 53 Seiten dickes Werk, das auf Basis des Kreisaltenhilfeplans erstellt wurde, aber speziell auf Dettingen zugeschnitten ist. "Der Plan bietet konkrete Leitlinien und Handlungsempfehlungen", erläuterte Agnes Nowak, Leiterin des Dettinger Bürgerbüros und verantwortlich für die Entwicklung und Ausarbeitung des Altenhilfeplans. Das Heft informiert etwa darüber, welche Seniorenangebote und Hilfseinrichtungen es in Dettingen und im Kreis gibt. Es zeigt, in welchen Bereichen noch Bedarf besteht und listet Maßnahmen auf, die helfen sollen, die Situation älterer Menschen und ihrer Angehörigen zu verbessern.

Schwerpunkte innerhalb des Maßnahmenkatalogs sind der Ausbau des betreuten Wohnens und die Einrichtung einer Beratungs- und Vermittlungsstelle. "Wir sind im Gespräch mit der Evangelischen Heimstiftung", berichtete Rainer Haußmann über das Vorhaben, betreutes Wohnen neben dem Alten- und Pflegeheim "Haus an der Teck" anzubieten. Richtet sich diese Wohnform an Menschen, die bereits etwas mehr Hilfe brauchen, so könnte auf einem Grundstück der Gemeinde in der Kirchheimer Straße "barrierefreies Wohnen" verwirklicht werden. Dabei sind vor allem rüstige, noch selbstständige Senioren angesprochen.

Eine weitere Facette ist das betreute Wohnen zu Hause. "Das funktioniert in Dettingen schon sehr gut", freute sich Agnes Nowak. Bedarf besteht dabei allerdings noch im Bereich der Koordination. Darum soll möglichst bald eine unabhängige Info-, Anlauf- und Vermittlungsstelle (IAV-Stelle) im Ort entstehen, die beim Krankenpflegeverein angesiedelt ist und mit einer Fachkraft besetzt wird. Diese Stelle bündelt Informationen zum Wohnen im Alter, zu Pflegeleistungen und häuslichen Hilfen und vernetzt soziale Angebote. Vergleichbar ist dieses Angebot etwa mit dem Verein Lenninger Netz.

Vorgesehen ist auch, stärker mit der Arbeitsgruppe Hospiz in Kirchheim zu kooperieren. "Wir hätten gerne jemanden in Dettingen, der ein Bindeglied darstellt", wünscht sich Agnes Nowak eine Hospiz-Anlaufstelle im Ort. "Es wäre natürlich auch schön, wenn wir eine eigene Arbeitsgruppe aufbauen könnten", blickte sie weiter in die Zukunft.

Über diese Punkte hinaus ist angedacht, mit Hilfe der Schulen einen Mobilen Bücherdienst für Senioren einzurichten, das Thema Demenz und psychische Erkrankungen stärker in den Mittelpunkt zu rücken und eine Zivildienststelle im Bereich Wohnberatung zu schaffen. Auch verstärkte Kontakte zum Kreisseniorenrat, Versorgung bei Nacht und die Einrichtung einer Kurzzeitpflege sind im Plan verankert.

Angelegt ist der Altenhilfeplan als Lose-Blatt-Sammlung und zwar aus gutem Grund: Er ist eine Momentaufnahme und "wird immer wieder aktualisiert, ergänzt und fortgeschrieben", betonte Agnes Nowak.

"Wir sind sehr gut aufgestellt", kommentierte Rainer Haußmann die bestehenden Strukturen für Senioren in Dettingen. "Es gibt aber immer noch viele, die nicht wissen, was es vor Ort alles gibt", sagte Agnes Nowak. In diesem Punkt lässt sich aus ihrer Sicht leicht Abhilfe schaffen: "Wir werden ein Faltblatt mit den wichtigsten Ansprechpartern und Telefonnummern erstellen und auslegen", kündigte sie an.

Schwerer beikommen lässt sich dagegen einem anderen Phänomen, das besonders in ländlichen Gegenden oder kleinen Gemeinden vorkommt: "Das Problem ist nicht das Helfen, sondern das Hilfe annehmen", sagte Haußmann. "Vielen pflegenden Angehörigen sind die Angebote bekannt, sie möchten sie aber nicht annehmen, weil sie sich schämen", ergänzte Agnes Nowak eine Einschätzung, die Gemeinderätin Bärbel Weinacht mit Beispielen belegte: "Ich kenne zwei Fälle, in denen es die Angehörigen als ihre Pflicht sehen, die Pflege alleine zu bewältigen." Ihrer Ansicht nach ist es deshalb wichtig, den Menschen klarzumachen, dass es nichts Negatives ist, Entlastungsangebote anzunehmen. Dabei helfen könnte aus Sicht Rainer Haußmanns ein tragfähiges Netzwerk im Ort, dem die Menschen vertrauen und innerhalb dessen sie sich trauen, um Hilfe zu bitten.

Sämtliche Fraktionen des Gemeinderats lobten das Planwerk und verabschiedeten den Altenhilfeplan einstimmig. Die Umsetzung beginnt im Herbst. Dazu geht die "Planungsgruppe" in der Vertreter verschiedener Dettinger Vereine, der Kirchen, der Verwaltung und des Gemeinderats mitgearbeitet haben in eine "Umsetzungsgruppe" über.

Darüber hinaus findet am Sonntag, 15. Oktober, von 11 bis 18 Uhr in der Dettinger Schlossberghalle eine Messe "Aktiv(er) leben in Dettingen Informationstag für Menschen ab 40" statt. 29 Aussteller geben dabei Infos rund ums Thema Älterwerden. Außerdem können Bürger der Gemeinde bei dieser Gelegenheit mitteilen, was ihnen für ihr Alter besonders am Herzen liegt.