Lokales

Zum Schutz von über 80 Burgstellen

Manfred Waßner berichtete beim Kornhaus-Kolloquium über das Burgenprojekt des Landkreises

Kreisarchivar Manfred Waßner sprach beim Archäologie-Kolloquium im Kornhaus über die Burgen im Umfeld der Teck. 2011 soll das umfangreiche Burgenprojekt des Landkreises Esslingen abgeschlossen sein.

Andreas Volz

Kirchheim. Der Kreis Esslingen sei von der Fläche her nur ein mittelgroßer Landkreis, sagte Manfred Waßner im Kornhaus. Aber dennoch weise der Kreis mehr als 80 mittelalterliche Adelssitze auf, zu denen bedeutende und bis heute bekannte Burgen wie die Teck oder der Hohenneuffen gehören. Andere Burgstellen im Kreis dagegen seien kaum bekannt und nur schwer zu finden.

Am Anfang des Forschungsprojekts „Burgen im Landkreis Esslingen“, das 2011 nach zehnjähriger Arbeit beendet werden soll, sei eine Datenbank gestanden. Ziel sei es gewesen, alle Burgen darzustellen, „die gefährdet oder aber ungenügend erforscht und dokumentiert sind“.

Das Burgenprojekt wird nach seinem Abschluss zwar nicht alle Burgstellen im Landkreis umfassend darstellen können. Aber immerhin seien seit 2001 insgesamt 22 Burgen archäologisch-topografisch vermessen worden. Einige weitere Vermessungen laufen derzeit noch. Für die Messungen zuständig sind außer dem Amt für Geoinformation des Landkreises Esslingen noch die Technische Hochschule Karlsruhe und die Universität Stuttgart.

Beim Projekt werden auch Bezüge zur Landschaft und zu den Wegen dargestellt, erklärte Manfred Waßner. In manchen Fällen habe das zu überraschenden Ergebnissen geführt: „So haben sich Burgen auch als deutlich größer herausgestellt als bisher bekannt.“ Die Burg Lichteneck bei Hepsisau beispielsweise umfasse nach neuesten Erkenntnissen ein Areal von 5,5 statt – wie bisher angenommen – drei Hektar. Die Burg Lichteneck gehörte einmal einer Seitenlinie der Herren von Neidlingen, führte der Kreisarchivar aus. Allerdings musste er bekennen, dass Lichteneck im Archiv nicht allzu üppig repräsentiert ist: „Über diese Burg wissen wir aus Schriftquellen relativ wenig.“

Genau umgekehrt verhält es sich mit der Burg Plattenhardt: Diese einstige Burg der Herren von Bernhausen sei in schriftlichen Quellen erwähnt, auch wenn es auf den ersten Blick keine sichtbaren Überreste gibt. Obwohl der Standort der Burg eine „bevorzugte Lage mitten im Ort“ ist, sei es bisher erfolgreich gelungen, eine Bebauung zu verhindern. Manfred Waßner hofft, dass es dem Areal auch weiterhin erspart bleiben möge, zum Baugebiet zu werden, weil sonst ein wertvolles Denkmal verloren gehen würde. Immerhin sei dort ein durchgehendes Graben-Wall-System an drei Seiten vorhanden – mit Gräben, die bis zu 1,50 Meter tief und „recht breit“ seien.

Gräben und Wälle sind durch das Burgenprojekt auch für die Burg Mannsberg bei Dettingen gefunden worden – und zwar „deutlich mehr als zunächst vermutet“. Wie bei der Hepsisauer Burg Lichteneck gelte also auch für die Burg Mannsberg, dass sie deutlich größer sei als bislang angenommen. Rund um die Teck sieht Kreisarchivar Waßner ohnehin „eine sehr dichte und differenzierte Burgenlandschaft“ mit Hoch- und Niederadelsburgen. Nicht immer seien die Burgen auf den Bergrücken zu suchen. Viele Burgstellen liegen mitten im Ort: nicht nur in Plattenhardt, sondern auch in Bissingen. Wo heute der Bissinger Pfarrgarten ist, stand einstmals eine stolze Burg.

Beim Burgenprojekt des Landkreises, dessen Ergebnisse nächstes Jahr sowohl gedruckt als auch digital veröffentlicht werden sollen, handle es sich um eine Dokumentation, die als Grundlage für neue Forschungsarbeiten dienen kann. Gerade was die Burgen rund um die Teck betrifft, sei das Burgenprojekt seinerseits aber immer wieder auf die grundlegende und umfangreiche Forschungstätigkeit Christoph Bizers angewiesen.

Vor allem verfolge das Burgenprojekt, das teilweise vom Biosphärengebiet Schwäbische Alb gefördert wird, das langfristige Ziel, gefährdete Bodendenkmäler zu schützen und zu erhalten. Dabei geht es aber beileibe nicht nur um Burgstellen wie die Weilheimer Limburg, von der keinerlei Mauerreste mehr zu erkennen sind, sondern allenfalls noch die Folgen menschlicher Eingriffe in die Landschaftsformen. Nein, vielmehr stellte Kreisarchivar Manfred Waßner zum Abschluss seines Vortrags nicht ohne Besorgnis fest: „Selbst Burgstellen mit aufragenden Mauern sind gefährdet.“

Sollten sich die Bau- und Bodendenkmale nicht alle komplett in ihrem heutigen Zustand erhalten lassen, dann sind sie durch das Projekt des Kreisarchivs Esslingen und des Landesamts für Denkmalpflege wenigstens gut dokumentiert.

Anzeige